Ernst Barlach Haus

Im Westen Hamburgs, eingebettet in den Jenischpark am Elbufer, befindet sich mit dem Ernst Barlach Haus ein Kunstmuseum, das Sammlung, Landschaft und Architektur auf besondere Weise miteinander verbindet. Das 1962 eröffnete Haus ist dem Werk Ernst Barlachs gewidmet und zählt zu den markanten Museumsbauten der Hamburger Nachkriegszeit. Seine ruhige Lage im Park prägt bis heute den Charakter des Museums und unterscheidet es deutlich von innerstädtischen Ausstellungshäusern.

Im Mittelpunkt steht eine umfangreiche Sammlung zum expressionistischen Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller Ernst Barlach. Das Ernst Barlach Haus bewahrt rund 150 Bildwerke aus unterschiedlichen Materialien, mehr als 450 Zeichnungen aus allen Schaffensphasen, nahezu sämtliche Druckgrafiken sowie Autografen, Erstausgaben und Archivalien. Ergänzt wird dieser Bestand durch wechselnde Ausstellungen zur Klassischen Moderne und zur Gegenwart, die das Werk Barlachs in größere kunsthistorische Zusammenhänge stellen.

Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen Entwicklung, Architektur und Ausstellungen des Ernst Barlach Hauses, ergänzt durch Informationen zu Tickets, Preisen und Eintritt am Ende des Artikels.

Geschichte

Die Geschichte des Ernst Barlach Hauses beginnt mit dem Hamburger Unternehmer Hermann F. Reemtsma. Im Jahr 1934 besuchte er Ernst Barlach in Güstrow und begann daraufhin, systematisch Werke des Künstlers zu sammeln. Diese frühen Erwerbungen waren nicht nur Ausdruck persönlicher Wertschätzung, sondern gewannen auch kulturhistorische Bedeutung, weil Barlachs Werk im Nationalsozialismus diffamiert, beschlagnahmt und in Teilen zerstört wurde. Reemtsma verstand es, zentrale Arbeiten zu sichern und damit vor weiterem Verlust zu bewahren. Zu den frühen, besonders wichtigen Erwerbungen gehörte die Holzskulptur Der Asket; außerdem beauftragte er Barlach, den Fries der Lauschenden zu vollenden.

Bis zu Barlachs Todesjahr 1938 umfasste die Sammlung bereits 20 Skulpturen und rund 100 Zeichnungen. In den folgenden Jahrzehnten verfolgte Reemtsma das Ziel, diese Bestände dauerhaft zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen. Deshalb gründete er eine Stiftung, die seine Sammlung tragen sollte. Kurz vor seinem Tod gab er den Auftrag zum Bau eines eigenen Museums im Jenischpark. Der Bau wurde ab 1961 realisiert und 1962, nach Reemtsmas Tod, eröffnet. Damit erhielt die Sammlung einen festen institutionellen Rahmen und wurde von einer privaten Kollektion zu einem öffentlichen Kunstort mit klarer musealer Aufgabe.

Seit der Eröffnung wurde der Bestand kontinuierlich erweitert. Das Ernst Barlach Haus bewahrt heute nicht nur plastische Hauptwerke, sondern auch Zeichnungen, Druckgrafik, Archivalien und bibliothekarische Bestände. Zugleich entwickelte sich das Museum zu einem Ausstellungshaus, das Barlachs Werk regelmäßig mit anderen künstlerischen Positionen in Beziehung setzt. So ist aus der ursprünglichen Sammlung ein Haus entstanden, das Erinnerung, Forschung und Ausstellungspraxis miteinander verbindet.

Architektur

Ernst Barlach Haus - Hamburg - Architektur: Das Museumsgebäude als flacher, lichtdurchströmter Solitär am Abend im Jenischpark
Museumsgebäude als flacher, lichtdurchströmter Solitär – © Andreas Weiss

Das Ernst Barlach Haus liegt im weitläufigen Jenischpark am Elbufer und ist Teil eines gewachsenen kulturellen Umfelds. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Jenisch Haus, ein klassizistisches Landhaus des 19. Jahrhunderts, das heute ebenfalls museal genutzt wird. Die räumliche Nachbarschaft beider Häuser verbindet unterschiedliche Epochen der Kunst- und Architekturgeschichte innerhalb eines gemeinsamen Landschaftsraums.

Architektonisch ist der Museumsbau als flacher, lichtdurchströmter Solitär angelegt. Die Ausstellungsräume gruppieren sich um einen Innenhof, der ursprünglich offen war und den Skulpturen einen geschützten Außenraum bot. Diese Grundstruktur erzeugt eine klare, übersichtliche Wegeführung und zugleich eine ruhige Abfolge von Räumen, die den Werken Ernst Barlachs eine konzentrierte Präsentation ermöglicht. Die Helligkeit der Innenräume und die reduzierte Formensprache des Hauses wirken dabei nicht dekorativ, sondern bewusst zurückgenommen.

Eine wichtige bauliche Veränderung erfolgte 1995/96. In dieser Phase wurde das Ernst Barlach Haus um einen weiteren Ausstellungsraum für Wechselausstellungen erweitert. Zugleich erhielt der Innenhof ein gewölbtes Glasdach. Diese Ergänzungen vergrößerten die Ausstellungsfläche und passten das Haus an ein erweitertes Programm an, ohne den ursprünglichen Charakter des Baus grundsätzlich zu verändern. Gerade darin liegt die Qualität der Erweiterung: Die Architektur blieb auch nach dem Umbau zurückhaltend und sammlungsbezogen.

Bis heute lebt das Ernst Barlach Haus aus dem Zusammenspiel von moderner Architektur und landschaftlicher Umgebung. Der Bau schafft keinen spektakulären Rahmen, sondern einen präzise abgestimmten Ort der Betrachtung. Seine Besonderheit liegt in der Verbindung von Park, Innenhof und lichten Sälen, die Barlachs Skulpturen und Zeichnungen eine stille, konzentrierte Präsenz verleihen.

Ausstellungen und Sammlungen

Ernst Barlach Haus - Hamburg - Holzskulptur: Nahaufnahme der bedeutenden Skulptur'Das Wiedersehen' von Ernst Barlach mit Blick durch den Ausstellungsraum
Holzskulptur: Das Wiedersehen – © Andreas Weiss

Die Sammlungspräsentation des Ernst Barlach Hauses ist auf das Werk eines einzelnen Künstlers konzentriert, ohne monografisch eng zu wirken. Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik und schriftliche Zeugnisse werden so miteinander verbunden, dass Barlachs Schaffen in seiner ganzen Breite sichtbar wird. Das Museum zeigt ihn nicht allein als Bildhauer, sondern ebenso als Zeichner und Schriftsteller. Dadurch entsteht eine dichte, werkbezogene Präsentation, die formale Entwicklung, Themen und geistige Haltung des Künstlers gleichermaßen erschließt.

Kennzeichnend ist zudem der kuratorische Ansatz, die eigene Sammlung immer wieder in Dialog mit anderen Positionen zu bringen. Das Ernst Barlach Haus organisiert regelmäßig Wechselausstellungen zur Klassischen Moderne und zur Gegenwartskunst. Diese treten nicht als Fremdkörper neben die Barlach-Sammlung, sondern setzen gezielt neue Perspektiven auf das vorhandene Werk frei. So versteht sich das Museum nicht nur als Bewahrungsort, sondern auch als Ort der Neuinterpretation und kunsthistorischen Einordnung.

Kuratorische Gliederung der Ausstellungsbereiche

Den Kern des Bestands bilden die plastischen Werke Ernst Barlachs. Das Museum bewahrt rund 150 Bildwerke aus Holz, Bronze, Keramik, Porzellan, Terrakotta und Gips. Besondere Bedeutung kommt den knapp 30 Holzskulpturen zu, da Holz für Barlach ein zentraler Werkstoff war und das Haus über einen außergewöhnlich großen Bestand dieser Werkgruppe verfügt. Zu den wichtigen Stücken zählen Der Asket und der Fries der Lauschenden, die eng mit der Entstehungsgeschichte der Sammlung verbunden sind.

Hinzu kommen mehr als 450 Zeichnungen, die alle Schaffensphasen Barlachs abdecken und seine künstlerische Entwicklung jenseits der Plastik nachvollziehbar machen. Ergänzt wird dieser Bestand durch nahezu vollständige Druckgrafik, Autografen, rare Mappenwerke, Erstausgaben und Archivalien. Die angeschlossene Bibliothek erweitert den Charakter des Hauses zusätzlich in Richtung Forschung und Dokumentation. Damit besitzt das Museum nicht nur eine bedeutende Kunstsammlung, sondern auch einen umfangreichen Quellenbestand zur Werk- und Wirkungsgeschichte Barlachs.

Kulturhistorisch gewinnt diese Sammlung besonderes Gewicht, weil sie eng mit den politischen Brüchen des 20. Jahrhunderts verknüpft ist. Reemtsmas Sammeltätigkeit, die Verfemung Barlachs im Nationalsozialismus und die spätere öffentliche Zugänglichmachung in einem eigenen Museumsbau sind untrennbar miteinander verbunden. Das Ernst Barlach Haus dokumentiert deshalb nicht nur künstlerische Qualität, sondern auch die Geschichte von Bewahrung, Verlust und Wiederaneignung moderner Kunst in Deutschland.

Museums- und kulturhistorische Bedeutung

Das Ernst Barlach Haus nimmt in Hamburg eine besondere Stellung ein, weil es Sammlungshaus, Stiftungsmuseum und Bauzeugnis der Nachkriegsmoderne zugleich ist. Als privat getragenes Museum im Jenischpark verkörpert es ein Modell bürgerlichen Kulturengagements, das auf langfristige Bewahrung und öffentliche Vermittlung ausgerichtet ist. Zugleich ist es ein zentraler Ort der Auseinandersetzung mit Ernst Barlach, dessen Werk im 20. Jahrhundert zwischen Anerkennung, Verfolgung und erneuter Würdigung stand.

Auch innerhalb der Museumslandschaft besitzt das Haus ein klares Profil. Es verbindet eine spezialisierte Künstlersammlung mit wissenschaftlicher Substanz, regelmäßigen Sonderausstellungen und einer eigenständigen Architektur. Die Lage im Jenischpark verstärkt diese Sonderstellung zusätzlich, weil Kunstbetrachtung hier mit einem landschaftlichen Erlebnis verbunden ist. So ist das Ernst Barlach Haus nicht nur ein Museum für einen bedeutenden Expressionisten, sondern auch ein eigenständiger kultureller Erinnerungsort Hamburgs.

Besondere Höhepunkte der Sammlungen

  • Der Asket, eine frühe zentrale Holzskulptur der Sammlung.
  • Fries der Lauschenden, eng mit Hermann F. Reemtsmas Förderung Barlachs verbunden.
  • Knapp 30 Holzskulpturen aus Barlachs wichtigster Werkgruppe.
  • Mehr als 450 Zeichnungen aus allen Schaffensphasen des Künstlers.
  • Nahezu vollständiger Bestand der Druckgrafik.
  • Autografen, Erstausgaben, Mappenwerke und Archivalien zur Werkgeschichte Ernst Barlachs.

Seine unverwechselbare Besonderheit entfaltet das Ernst Barlach Haus in der konzentrierten Zusammenführung zentraler Werkgruppen Ernst Barlachs innerhalb eines eigens für diese Sammlung geschaffenen Museumsbaus, der Kunst, Raum und Landschaft zu einer geschlossenen ästhetischen Einheit verbindet.

Tickets, Preise und Angebote

Der reguläre Preis für den Eintritt beträgt 9,00 €, während ermäßigte Tickets für 6,00 € angeboten werden. Anspruch auf die Ermäßigung haben Studierende, Auszubildende sowie Menschen mit Behinderung. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erhalten freien Eintritt.

Für Familien steht eine Familienkarte zum Preis von 15,00 € zur Verfügung. Gruppen profitieren von einem ermäßigten Eintritt von 7,00 € pro Person. Für regelmäßige Besuche lohnt sich die Jahreskarte zum Preis von 25,00 €.

Bitte beachten Sie, dass Sie Ihre Tickets ausschließlich direkt vor Ort kaufen können.

Museen in der Umgebung vom Ernst Barlach Haus

Das Ernst Barlach Haus widmet sich dem Werk des expressionistischen Bildhauers und präsentiert Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken in einem ruhigen, parkähnlichen Umfeld. In der Umgebung laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, Hamburgs vielfältige Kunstlandschaft zwischen Klassischer Moderne und zeitgenössischen Positionen zu entdecken.

Entfernung: 0,16 km

Jenisch Haus - Hamburg - Außenansicht: Die klassizistische Landhaus-Villa im Jenischpark an der Elbe
Jenisch Haus - © SHMH, Sinje Hasheider

Entfernung: 4,25 km

HSV Museum - Hamburg - Eingangsbereich mit historischen Sammlerstücken, Pokalen und der Ahnengalerie im Volksparkstadion
HSV Museum

Entfernung: 4,47 km

Altonaer Museum - Hamburg - Außenansicht: Das Museumsgebäude mit wehenden Fahnen und Passanten am Platz der Republik
Altonaer Museum - © SHMH, Sinje Hasheider

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Ernst Barlach Haus in Hamburg.

Adresse

Ernst Barlach Haus
Jenischpark
Baron-Voght-Straße 50A
22609 Hamburg
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag geschlossen
  • Dienstag bis Sonntag
    11:00 – 18:00 Uhr

Kontakt