Mitten im Hamburger Stadtteil St. Pauli, im Erdgeschoss der Gegengerade des Millerntor-Stadions am Heiligengeistfeld, befindet sich das FC St. Pauli-Museum an einem Ort, der selbst ein wichtiger Teil der Vereinsgeschichte ist. Das Haus versteht sich nicht nur als Fußballmuseum, sondern als Ausstellungs- und Erinnerungsort zur Geschichte des FC St. Pauli, seines Stadions, seiner Anhängerschaft und seines städtischen Umfelds. Gerade die enge Verbindung von Verein, Stadtteil und Stadion verleiht dem Museum seinen eigenständigen Charakter.
Auf mehr als 600 Quadratmetern erzählen die Dauerausstellung KIEZBEBEN und wechselnde Sonderausstellungen, wie der FC St. Pauli zu dem geworden ist, was er heute ist. Gezeigt wird diese Entwicklung in Wort, Bild und Film, mit aufwändigen Installationen, zahlreichen Originalobjekten und eigens produzierten Zeitzeugenmaterialien. Damit richtet sich das Museum nicht nur an langjährige Fans, sondern ebenso an Besucherinnen und Besucher, die die Geschichte, Gegenwart und Fankultur des Vereins besser verstehen möchten.
Der Artikel bietet einen Überblick über Geschichte, Bauentwicklung und Ausstellungen des FC St. Pauli-Museums und fasst am Ende die wichtigsten Hinweise zu Tickets, Preisen und Eintritt zusammen.
Geschichte
Die Entstehung des FC St. Pauli-Museums ist eng mit dem hundertjährigen Vereinsjubiläum des FC St. Pauli verbunden. Im Jahr 2010 wurde zunächst mit „Das St. Pauli Jahr100“ eine temporäre Ausstellung realisiert, die zahlreiche Exponate zur Vereinsgeschichte zusammenführte. Aus dieser Jubiläumsschau entstand der Wunsch, die Geschichte des Vereins dauerhaft sichtbar zu machen. Noch im selben Jahr wurde innerhalb des Vereins und seines Umfelds die Forderung nach einer permanenten Museums- und Ausstellungsfläche formuliert.
2012 gründeten Fans und Mitglieder den Verein 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V., der das Museum bis heute betreibt und finanziert. Diese Entstehung aus der Anhängerschaft heraus ist für das Haus bis heute prägend. Das Museum wurde also nicht als klassisches Repräsentationsprojekt von oben aufgebaut, sondern aus ehrenamtlichem Engagement, Spendensammlungen, kulturellen Veranstaltungen und kontinuierlicher Projektarbeit entwickelt. Zu den frühen Formaten gehörten unter anderem das Festival „Fußball und Liebe“ sowie mehrere thematische Ausstellungen zur Vereins- und Stadiongeschichte.
Von besonderer Bedeutung war die bauliche Entwicklung der neuen Gegengerade des Millerntor-Stadions. Für die dortige Fläche war ursprünglich eine Polizeiwache vorgesehen, wogegen sich aus der aktiven Fanszene deutlicher Widerstand formierte. In der Folge konnte die Fläche für das Museumsprojekt gesichert werden. 2017 wurden die Räumlichkeiten im Rohbau an den Trägerverein zur Innenausstattung übergeben. Nach jahrelanger Aufbauarbeit eröffnete das FC St. Pauli-Museum schließlich im Januar 2020 als permanente Institution mit der Dauerausstellung KIEZBEBEN 2.0.
Seit der Eröffnung wurde das Museum fortlaufend erweitert. Unter seinem Dach laufen heute auch die Stadionführungen am Millerntor, das Bildungsprojekt BAM! Bildung am Millerntor sowie der Ausbau des Dieter-Rittmeyer-Archivs als offiziellem Vereinsarchiv des FC St. Pauli. Damit ist das Museum nicht nur Ausstellungsort, sondern auch Archiv-, Bildungs- und Erinnerungsinstitution.
Architektur
Das FC St. Pauli-Museum ist kein freistehender Museumsbau, sondern Teil des Millerntor-Stadions. Die Museumsfläche liegt im Erdgeschoss der Gegengerade, also in der östlichen Tribünenseite des Stadions, direkt neben dem Fanladen St. Pauli und den Fanräumen. Diese Lage ist für das Verständnis des Hauses zentral, weil das Museum nicht außerhalb seines Themas steht, sondern mitten im historischen und gegenwärtigen Vereinsraum untergebracht ist.
Die bauliche Grundlage des heutigen Museums entstand im Zuge der Erneuerung des Millerntor-Stadions. Die neue Gegengerade wurde von 2012 bis Anfang 2013 errichtet; im Erdgeschoss befand sich jene Fläche, die später dem Museum überlassen wurde. Die Museumsarchitektur ist damit unmittelbar an die jüngere Baugeschichte des Stadions gebunden. Anders als bei klassischen Museumshäusern ergibt sich die räumliche Wirkung daher nicht aus einer repräsentativen Außenarchitektur, sondern aus der Einbettung in den funktionalen Stadionbau und in das urbane Umfeld von St. Pauli.
Im Inneren arbeitet das Museum mit einer stark szenografischen Raumgestaltung. Die Ausstellung ist nicht neutral angelegt, sondern nutzt Rekonstruktionen, Einbauten, Modelle und begehbare Inszenierungen, um die Geschichte des Vereins körperlich erfahrbar zu machen. Zu den prägenden Raumelementen gehören unter anderem die Teilrekonstruktion der alten Gegengerade in Originalgröße, der Außenbereich mit historischer Anzeigetafel sowie installative Bereiche zur Hafenstraße und zum Stadionumfeld. Dadurch entsteht ein Rundgang, der Vereinsgeschichte nicht nur erklärt, sondern räumlich übersetzt.
Zur Raumstruktur gehören außerdem das Foyer, Bereiche für die Dauerausstellung, Flächen für Sonderausstellungen und die Einbindung des Vorplatzes. Praktisch relevant ist auch, dass das FC St. Pauli-Museum barrierefrei für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Gerade diese Verbindung von Stadionarchitektur, Ausstellungsfläche und authentischem Ort macht die bauliche Besonderheit des Hauses aus.
Ausstellungen und Sammlungen
Die Dauerausstellung des FC St. Pauli-Museums folgt keinem engen sporthistorischen Schema. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie der FC St. Pauli zu dem wurde, was er heute ist. Deshalb verbindet die Ausstellung Vereinsgeschichte mit Fankultur, Stadtteilgeschichte, politischen Auseinandersetzungen und der Entwicklung des Millerntor-Stadions. Sportliche Erfolge und Misserfolge erscheinen damit nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren sozialen und kulturellen Zusammenhangs.
Kuratorisch setzt das Museum auf eine Verbindung von Originalobjekten, Fotografien, Filmen, Dokumenten, Zeitzeugeninterviews und räumlichen Inszenierungen. Diese Mischung ermöglicht sowohl einen historischen Überblick als auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Themen. Charakteristisch ist dabei, dass das Haus ausdrücklich nicht nur Glanzpunkte der Vereinsgeschichte ausstellt, sondern auch Konflikte, Krisen und politische Brüche sichtbar macht. Genau daraus ergibt sich der besondere dokumentarische und kulturhistorische Zugriff des Museums.
Gliederung der Ausstellungsbereiche
Die Sammlungspräsentation des FC St. Pauli-Museums ist thematisch breit angelegt. Zentrale Bereiche betreffen die Geschichte des Vereins, die Entwicklung des Millerntor-Stadions, die Fankultur des FC St. Pauli und das Verhältnis von Fußball, Stadtteil und Politik. In der Dauerausstellung KIEZBEBEN werden diese Themen durch unterschiedliche Objektgruppen und Rauminszenierungen zusammengeführt. Ergänzt wird die Dauerausstellung durch wechselnde Sonderausstellungen, die gesellschaftliche, historische und vereinsbezogene Themen gezielt vertiefen.
Zu den dauerhaft gezeigten Sammlungsbereichen gehören Fotografien, historische Dokumente, Presseartikel, Fanmaterialien, Trikots, Erinnerungsstücke und eigens produzierte audiovisuelle Inhalte. Besonders prägend sind außerdem die beiden illuminierbaren Stadionmodelle im Maßstab 1:100, die das alte und das neue Millerntor zeigen. Hinzu kommen die historische Anzeigetafel, die Teilrekonstruktion der alten Gegengerade sowie die Installation zur Hafenstraße mit einer aufgebauten Straßenbarrikade. Diese Objekte veranschaulichen, dass die Geschichte des FC St. Pauli weit über das Spielgeschehen hinausreicht und eng mit urbaner, sozialer und politischer Geschichte verbunden ist.
Einen wichtigen Bestandteil bildet darüber hinaus das Dieter-Rittmeyer-Archiv, das als offizielles Vereinsarchiv des FC St. Pauli geführt wird. Es geht auf die Sammlung des langjährigen Vereinsmitglieds Dieter Rittmeyer zurück und stellt einen Grundstock sowohl für frühere Jubiläumsausstellungen als auch für die heutige Museumsarbeit dar. Durch dieses Archiv erhält das Museum eine belastbare dokumentarische Grundlage und gewinnt zusätzlich Bedeutung als Forschungs- und Gedächtnisort.
Museums- und kulturhistorische Bedeutung
Das FC St. Pauli-Museum besitzt innerhalb der deutschen Museumslandschaft eine besondere Stellung, weil es Fußballgeschichte nicht nur als Sportgeschichte, sondern als Kultur-, Sozial- und Stadtgeschichte vermittelt. Es dokumentiert einen Verein, dessen öffentliche Wahrnehmung wesentlich durch Fankultur, politische Positionierungen und die enge Bindung an seinen Stadtteil geprägt wurde. Damit ist das Haus zugleich ein wichtiger Erinnerungsort zur jüngeren Geschichte St. Paulis.
Auch für Forschung und Bildungsarbeit ist das Museum bedeutsam. Mit dem Dieter-Rittmeyer-Archiv, thematischen Sonderausstellungen und dem Projekt BAM! Bildung am Millerntor verbindet es museale Präsentation mit historischer Aufarbeitung. Der Standort im Millerntor-Stadion verstärkt diese Rolle zusätzlich: Das Museum befindet sich an einem authentischen Ort, an dem sich Vereinsgeschichte, Fankultur und Gegenwart unmittelbar überlagern. Gerade diese enge Verbindung von Ort, Sammlung und gesellschaftlicher Reflexion macht das FC St. Pauli-Museum in Deutschland ungewöhnlich.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen
- Teilrekonstruktion der alten Gegengerade in Originalgröße.
- Historische manuelle Anzeigetafel des FC St. Pauli im Außenbereich.
- Zwei Stadionmodelle des alten und des neuen Millerntors im Maßstab 1:100.
- Installationsbereich zur Hafenstraße mit aufgebauter Straßenbarrikade.
- Originalobjekte, Fotografien, Dokumente und Zeitzeugenmaterial zur Vereins- und Fankulturgeschichte.
Der abschließende Ausstellungsbereich verdichtet die Geschichte des Vereins zu einem vielschichtigen Gesamtbild, in dem sportliche Entwicklung, gesellschaftliches Engagement und Fankultur untrennbar miteinander verbunden sind und das FC St. Pauli-Museum damit bewusst als Ort kollektiver Erinnerung und gelebter Identität positioniert.
Tickets, Preise und Angebote
Sie können ein Tagesticket für das FC St. Pauli-Museum zum regulären Preis von 7,00 € kaufen. Der ermäßigte Preis beträgt 4,00 € und gilt für Schüler, Studenten, Rentner sowie Menschen mit Behinderung. Tickets können Sie bequem online kaufen. Der Eintritt ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Vereins und ist für FC St. Pauli Fans daher ein Muss.
Mit der Hamburg Card sparen: Mit einer gültigen Hamburg Card erhalten Sie an der Museumskasse Rabatt auf den Eintritt, können zahlreiche weitere Museen in Hamburg vergünstigt besuchen und die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen.
Museen in der Umgebung vom FC St. Pauli-Museum
Das FC St. Pauli-Museum erzählt die besondere Geschichte des Vereins zwischen Fußball, Subkultur und gesellschaftlichem Engagement und macht die Identität des Clubs eindrucksvoll erlebbar. In der Umgebung laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, Hamburgs vielfältige Stadt- und Kulturlandschaft aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom FC St. Pauli-Museum in Hamburg.
Adresse
FC St. Pauli-Museum
Millerntor/Gegengerade
Heiligengeistfeld 1
20359 Hamburg
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag bis Dienstag
geschlossen - Mittwoch und Freitag
15:00 – 19:00 Uhr - Donnerstag
15:00 – 22:00 Uhr - Samstag
11:00 – 19:00 Uhr - Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 40 317 874 209 - Website:
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