Am Steintorplatz, direkt neben dem Hamburger Hauptbahnhof, liegt mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg eines der prägenden Häuser für angewandte Kunst und Design in Norddeutschland. Das MK&G verbindet städtische Lage, historische Sammlungstradition und gegenwartsbezogene Ausstellungsarbeit auf ungewöhnlich dichte Weise. Als Museum für Kunstgewerbe richtet es den Blick nicht allein auf autonome Kunst, sondern auf Objekte des Alltags, des Handwerks, der Gestaltung und der materiellen Kultur in unterschiedlichen Zeiten und Regionen.
Sein Profil ergibt sich aus der Verbindung von Sammlung, Forschung und öffentlicher Debatte. Die Bestände reichen von der Antike bis zur Gegenwart und umfassen unter anderem Buchkunst, europäisches Kunsthandwerk, Design, Mode, Musikinstrumente, Ostasien, islamisch geprägte Kulturräume, Fotografie, Grafik und Plakat. Dadurch entsteht kein enger Kanon der Kunstgeschichte, sondern ein weiter Zugang zur Frage, wie Menschen Dinge herstellen, nutzen, deuten und in kulturelle Zusammenhänge einordnen.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Geschichte, Architektur sowie zentrale Ausstellungen und Sammlungen des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Außerdem finden Sie praktische Informationen zu Ticket, Preisen und Eintritt für Ihren Museumsbesuch.
Geschichte
Die Geschichte des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg beginnt im späten 19. Jahrhundert in einem Umfeld, in dem Kunstgewerbemuseen ausdrücklich als Bildungs- und Reforminstitutionen gedacht waren. Ihr Auftrag bestand darin, Handwerk, Gewerbe und industrielle Produktion durch vorbildliche Objekte zu fördern und damit auch den öffentlichen Geschmack zu prägen. In diesem Zusammenhang verfolgte der Jurist Justus Brinckmann mit großer Beharrlichkeit das Ziel, in Hamburg ein eigenes Kunstgewerbemuseum aufzubauen. Nach ersten Ankäufen und Schenkungen wurden die Bestände zunächst in provisorischen Räumen am St. Annenplatz gezeigt, ehe das Museum in den 1870er Jahren seine dauerhafte institutionelle Form gewann. Die Sammlung war von Anfang an international angelegt und umfasste neben europäischem Kunsthandwerk auch Objekte aus Ostasien sowie aus weiteren außereuropäischen Kulturräumen.
Unter Brinckmann entwickelte sich das Haus zu einer Vorbildersammlung, die Materialkenntnis, Formbewusstsein und historische Orientierung miteinander verknüpfte. Kennzeichnend war dabei ein weiter Sammlungsbegriff: Keramik, Möbel, Metallarbeiten, Buchkunst, Musikinstrumente und ornamentale Vorlagen standen nebeneinander. Um 1900 kamen durch Ankäufe auf der Pariser Weltausstellung wichtige Bestände des Jugendstils hinzu, die bis heute zum Profil des Hauses gehören. Zugleich legte Brinckmann Wert auf Vermittlung; Beschriftungen, Vorträge und Führungen waren nicht bloß Ergänzungen, sondern Teil des Gründungsprogramms.
Im 20. Jahrhundert veränderte sich die institutionelle Ausrichtung mehrfach. Max Sauerlandt weitete das Profil in Richtung Moderne aus und brachte zeitgenössische Positionen stärker ins Haus ein. Die Zeit des Nationalsozialismus führte zu tiefen Einschnitten; Teile der modernen Bestände wurden beschlagnahmt und gingen verloren. Nach 1945 wurde die Sammlung schrittweise neu aufgebaut und erweitert. Direktorinnen und Direktoren wie Erich Meyer, Lise Lotte Möller und Axel von Saldern stärkten unter anderem die Bereiche Jugendstil, Antike, islamisch geprägte Kunst, Design und Kunsthandwerk. Seit 1999 wird das Museum als Stiftung öffentlichen Rechts geführt; heute versteht sich das MK&G zugleich als Sammlungsinstitution und als Ort gesellschaftlicher Diskussion über Gestaltung.
Architektur

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg befindet sich in einem großformatigen Bau am Steintorplatz, dessen Lage bis heute wesentlich zur öffentlichen Präsenz des Hauses beiträgt. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Hauptbahnhof macht das Museum städtebaulich besonders sichtbar und verankert es im Übergang zwischen Innenstadt, St. Georg und den Verkehrsachsen des Hamburger Zentrums. Diese urbane Position entspricht dem historischen Anspruch des Hauses, nicht abseits, sondern mitten im gesellschaftlichen Leben wirksam zu sein.
Der ursprüngliche Gebäudekomplex wurde in den 1870er Jahren nach Plänen von Carl Johann Christian Zimmermann als Schul- und Museumsbau errichtet. Die Anlage mit vier Flügeln und zwei Innenhöfen verweist auf einen funktionalen Bautypus des 19. Jahrhunderts, in dem Unterricht, Sammlung und öffentliche Bildung eng zusammengedacht wurden. Tatsächlich war das Haus über lange Zeit kein reiner Museumsbau: Verschiedene Schulen nutzten große Teile des Gebäudes mit, was für die Entwicklung des Museums ebenso prägend war wie die wiederkehrende Klage über Platzmangel und die kleinteilige Raumstruktur. Gerade diese historische Schichtung macht den Bau bis heute lesbar.
Im Laufe des 20. und frühen 21. Jahrhunderts wurde der Komplex mehrfach erweitert und umgebaut. Zu den markanten Ergänzungen gehört der Schümannflügel, der zusätzliche Flächen für Sammlungen und Bibliothek schuf. Mit dem Hartog-Flügel wurden weitere Bereiche neu geordnet. Zugleich bewahrt das Haus integrierte historische Räume und Ensembles, die nicht nur Ausstellungsarchitektur, sondern selbst Sammlungsobjekte sind. Dazu zählen etwa der Spiegelsaal sowie andere Interieurs, die den Übergang zwischen Baugeschichte und Sammlungsgeschichte besonders anschaulich machen. So zeigt das Museum seine Bestände nicht in einem neutralen Container, sondern in einem Gebäude, dessen Struktur die eigene Geschichte mit ausstellt.
Ausstellungen und Sammlungen

Die Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg ist breit gefächert und bewusst epochen- wie kulturübergreifend angelegt. Sie reicht von antiken Werken aus dem Alten Orient, Ägypten, Griechenland und Rom über europäisches Kunsthandwerk, Buchkunst und Jugendstil bis zu Design, Mode, Fotografie, Grafik, Plakat, Musikinstrumenten, Ostasien und islamisch geprägten Kulturräumen. Auf drei Etagen entfaltet sich damit ein Panorama der Gestaltungsgeschichte, in dem Materialien, Funktionen und kulturelle Kontexte stärker im Vordergrund stehen als eine rein lineare Abfolge der Epochen.
Konkrete Objektbeispiele machen dieses Konzept besonders anschaulich. Im Erdgeschoss begegnen Ihnen antike Keramik, christliche und jüdische Objekte, historische Tasten- und Saiteninstrumente sowie europäische Porzellane. Im ersten Obergeschoss sind unter anderem Jugendstil-Ensembles, die Frankfurter Küche, Arbeiten von Lavinia Schulz und Walter Holdt sowie Bestände aus Ostasien und islamisch geprägten Regionen zu sehen. Im zweiten Obergeschoss treten Grafik, Plakat, Fotografie und Design stärker hervor; dort befindet sich auch die Spiegelkantine von Verner Panton als signifikantes Zeitdokument des 20. Jahrhunderts. Die kulturhistorische Bedeutung des Hauses liegt gerade darin, Gestaltung als globales und historisch vielschichtiges Feld sichtbar zu machen.
Als Kunstgewerbe- und Designmuseum steht das MK&G in einer europäischen Museumstradition, die nicht nur Kunstwerke sammelt, sondern Gebrauchsobjekte, Herstellungsverfahren und visuelle Kultur als Quellen der Geschichte versteht. Seine Sammlungen verbinden deshalb Kunst-, Sozial-, Technik- und Alltagsgeschichte. Besonders aufschlussreich ist, dass historische Raumensembles, Ornamentik, Mode, Fotografie und Produktgestaltung hier nicht getrennt voneinander erscheinen, sondern als miteinander verflochtene Formen kultureller Produktion. Im internationalen Vergleich zeigt sich das Haus damit als Institution, die den Begriff des Kunstgewerbes fortlaufend in die Gegenwart übersetzt.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen
- Jugendstil-Ensemble „Pariser Saal“ aus dem Umfeld der Pariser Weltausstellung um 1900
- Spiegelkantine von Verner Panton aus dem Spiegel-Verlag, 1969
- historische Tasteninstrumente der Sammlung Beurmann im Schümannflügel
- Werke von Lavinia Schulz und Walter Holdt in der Sammlung Kunstgewerbe und Design
- umfangreiche Bestände der Antike aus sieben Jahrtausenden
- Ostasien-Sammlung mit Werken aus China, Korea und Japan von der Shang-Dynastie bis zur Gegenwart
- Sammlung Grafik und Plakat mit rund 400.000 Arbeiten zur Geschichte visueller Kommunikation
- fotografische Sammlung mit weit über 75.000 Arbeiten vom 19. Jahrhundert bis zur Digitalfotografie
Wer das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg besucht, begegnet deshalb keinem einheitlichen Stilbild, sondern einem Haus, in dem historische Interieurs, globale Sammlungen und Designgeschichte auf engstem Raum zu einer vielschichtigen Erzählung über die Gestaltung des Lebens zusammenfinden.
Tickets, Preise und Angebote
Der Eintritt in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg beträgt regulär 14,00 €. Ermäßigte Tickets können für 7,00 € gekauft werden und gelten für Schüler, Studierende, Auszubildende, Freiwilligendienstleistende, Schwerbehinderte, Arbeitslose sowie Sozialhilfeempfänger. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre erhalten freien Eintritt und müssen kein Ticket kaufen.
Mit einem Ticket ist der Eintritt in die Ausstellungen sowie der Zugang zu allen vielfältigen Sammlungen zu Kunst, Design und angewandter Kunst enthalten.
Museen in der Umgebung vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg präsentiert ein breites Spektrum von Design, angewandter Kunst und Alltagskultur – von historischen Handwerksarbeiten bis zu zeitgenössischem Produktdesign. In seiner Umgebung laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, Hamburgs vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft zwischen Gestaltung, Geschichte und Innovation zu erkunden.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.
Adresse
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 München
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag geschlossen
- Dienstag bis Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 40 428134-880 - Website:
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