An den St. Pauli-Landungsbrücken gehört das Museumsschiff Rickmer Rickmers zu jenen Orten, an denen sich Hamburgs Hafenbild und seine maritime Erinnerungskultur unmittelbar begegnen. Der 1896 gebaute Dreimaster liegt als schwimmendes Denkmal am Fiete-Schmidt-Anleger und verbindet historische Schifffahrt, Technikgeschichte und Museumsbesuch auf besondere Weise. Anders als ein klassisches Ausstellungshaus an Land ist dieser Ort selbst ein originales historisches Objekt, dessen Decks, Aufbauten und Innenräume den Rundgang bestimmen.
Im Mittelpunkt steht die wechselvolle Laufbahn des einstigen Frachtseglers, der im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach umbenannt und unterschiedlich genutzt wurde, bevor er in Hamburg eine neue Funktion als Museumsschiff erhielt. Die Ausstellung behandelt die Bauzeit, die Jahre als Frachtschiff, die spätere Verwendung als Schulschiff sowie die Rettung als maritimes Denkmal. Ergänzt wird dies durch originale Schiffsbereiche und thematische Ausstellungsräume innerhalb des Rumpfes.
Der folgende Überblick führt durch Geschichte, Architektur und Ausstellungen des Museumsschiffs Rickmer Rickmers und ergänzt diese Darstellung abschließend um Hinweise zu Tickets, Preisen und Eintritt.
Geschichte
Die Geschichte des Museumsschiffs Rickmer Rickmers beginnt 1896 auf der Rickmerswerft in Geestemünde bei Bremerhaven. Dort lief das stählerne Schiff als Vollschiff vom Stapel und wurde nach dem Enkel des Firmengründers benannt. Unter Kapitän Hermann Hinrich Ahlers trat es seine erste Reise nach Hongkong an und kehrte mit Reis und Bambus nach Deutschland zurück. In den folgenden Jahren war der Segler im internationalen Frachtverkehr tätig und gehörte zu den großen Windjammern seiner Zeit.
Eine entscheidende Zäsur folgte 1904, als das Schiff im Indischen Ozean schwere Sturmschäden erlitt. In Kapstadt wurde der beschädigte Mast ersetzt und das Schiff zur Bark umgetakelt. 1912 erfolgte der Verkauf an die Hamburger Reederei Carl Christian Krabbenhöft, die es unter dem Namen Max im Salpeter- und Kohletransport zwischen Europa und Chile einsetzte. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Schiff 1916 in Portugal beschlagnahmt und als Flores für militärische Transporte genutzt.
Ab 1924 diente der Dreimaster als portugiesisches Segelschulschiff Sagres. In dieser Phase wurde er technisch modernisiert, unter anderem durch den Einbau von Diesel-Hilfsmotoren im Jahr 1930. Nach der Ausmusterung 1962 lag das Schiff unter dem Namen Santo André als stationäres Depotschiff im Hafen. Erst 1983 gelang die Rückführung nach Hamburg durch den Verein Windjammer für Hamburg. Es folgte eine umfassende Restaurierung, an der zahlreiche Fachkräfte und freiwillige Helfer beteiligt waren. Seit 1987 ist die Rickmer Rickmers als Museumsschiff öffentlich zugänglich und wird von einer Stiftung getragen.
Architektur
Die Rickmer Rickmers ist kein Museumsbau im klassischen Sinn, sondern ein historisches Schiff, dessen Struktur selbst den Ausstellungsraum bildet. Mit einer Länge von 97 Metern, einer Breite von rund 12,20 Metern und einer markanten Dreimast-Takelage gehört sie zu den großen stählernen Frachtseglern ihrer Epoche. Ihre heutige Erscheinung ist das Ergebnis mehrerer Umbauten, insbesondere der Umriggung zur Bark nach 1904 sowie späterer technischer Ergänzungen.
Die Raumstruktur folgt der funktionalen Gliederung eines Segelschiffs. Auf dem offenen Oberdeck eröffnen sich weite Blickbeziehungen zum Hamburger Hafen, während unter Deck enge, stählerne Räume den Arbeits- und Lebensalltag der Besatzung nachvollziehbar machen. Die restaurierten Bereiche umfassen unter anderem ehemalige Wohnräume, Arbeitsstationen sowie technische Anlagen.
Seit der Restaurierung in den 1980er Jahren wurde das Schiff schrittweise zu einem musealen Rundgang erschlossen, ohne seine historische Substanz zu verfälschen. Spätere Werftaufenthalte, unter anderem 2016 und 2024, dienten der Sicherung des baulichen Zustands. In seiner heutigen Form verbindet das Schiff authentische Konstruktion, restaurierte Details und museale Nutzung zu einem begehbaren technischen Denkmal im Hafenraum.
Ausstellungen und Sammlungen
Die Ausstellungen auf dem Museumsschiff Rickmer Rickmers sind eng mit der Geschichte des Schiffes selbst verbunden. Das Schiff fungiert nicht nur als Träger der Ausstellung, sondern als zentrales Exponat. Die Präsentation folgt einem chronologischen Konzept, das die verschiedenen Nutzungsphasen des Seglers nachvollziehbar macht und dabei technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte der Seefahrt miteinander verbindet.
Die Ausstellung erstreckt sich über rund 800 Quadratmeter und kombiniert Texttafeln, grafische Darstellungen und interaktive Stationen. Besucher bewegen sich entlang der originalen Raumstruktur durch die Geschichte des Schiffes. Ergänzend dazu erweitert die „Galerie unter der Elbe“ das Konzept um einen eigenständigen Ausstellungsbereich für maritime Kunst mit Bezug zu Hamburg und zur See.
Thematische Schwerpunkte der Ausstellungen
Im Zentrum der Präsentation stehen die vier Lebensphasen des Schiffes: Bau und Einsatz als Frachtschiff, die Zeit unter verschiedenen Flaggen und Namen, die Nutzung als Schulschiff sowie die Umwandlung zum Museumsschiff. Diese Gliederung ermöglicht eine klare historische Einordnung und zeigt die Rickmer Rickmers als Teil globaler Handels- und Schifffahrtsgeschichte.
Zu den konkreten Ausstellungsbereichen zählen rekonstruierte Offiziersquartiere, Arbeitsräume sowie der Maschinenraum mit einer Dampfmaschine und einem erhaltenen Dieselmotor. Diese technischen Elemente verdeutlichen die Entwicklung der Antriebstechnologien von Wind über Dampf bis hin zu Diesel. Ergänzt werden diese Inhalte durch interaktive Stationen, die den Alltag an Bord anschaulich machen, etwa durch Übungen zu seemännischen Knoten oder zur Ladung von Frachtgütern.
Im Kontext der Hamburger Museumslandschaft steht das Museumsschiff Rickmer Rickmers in enger inhaltlicher Verbindung mit dem benachbarten Cap San Diego – Museumsschiff, das die Entwicklung der Seeschifffahrt im 20. Jahrhundert repräsentiert. Gemeinsam bilden beide Schiffe ein anschauliches Gegenüber von Segel- und Motorschifffahrt.
Museums- und kulturhistorische Bedeutung
Das Museumsschiff Rickmer Rickmers ist ein zentrales Zeugnis der maritimen Geschichte Hamburgs. Es steht für die Epoche der großen Frachtsegler und macht die globalen Handelsverbindungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts nachvollziehbar. Gleichzeitig dokumentiert seine spätere Nutzung als Schulschiff und seine Rettung als Denkmal den Wandel der Seefahrt sowie den Umgang mit historischem Kulturgut.
Durch seine Lage an den Landungsbrücken ist das Schiff unmittelbar in den Stadtraum eingebunden und prägt das Bild des Hafens nachhaltig. Es fungiert nicht nur als Museum, sondern auch als identitätsstiftendes Objekt, das die maritime Tradition Hamburgs sichtbar hält. In Verbindung mit anderen historischen Schiffen wird die Entwicklung der Schifffahrt über mehrere Epochen hinweg nachvollziehbar.
Besondere Höhepunkte der Ausstellung
- das chronologisch aufgebaute Ausstellungsdeck zu den vier Lebensphasen des Schiffs
- die original erhaltenen Offiziersquartiere
- der Maschinenraum mit Dampfmaschine und Dieselmotor
- interaktive Stationen zu seemännischen Techniken
- die „Galerie unter der Elbe“ als Ausstellungsraum im Vorschiff
- die begehbare Schiffsstruktur als zentrales Ausstellungsobjekt
Als begehbarer Großsegler an den Landungsbrücken veranschaulicht die Rickmer Rickmers in einzigartiger Weise die Verbindung von originaler Schiffssubstanz und musealer Darstellung maritimer Geschichte.
Tickets, Preise und Angebote
Tickets für das Museumsschiff Rickmer Rickmers kosten 7,00 € für Erwachsene. Ermäßigt zahlen Schüler, Studenten, Auszubildende und Menschen mit Behinderung 6,00 €. Kinder von 4 bis 12 Jahren zahlen 5,00 €, Kinder bis 3 Jahre haben freien Eintritt. Eine Familienkarte für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder kostet 18,00 €. Tickets können bequem im Voraus online kaufen.
Mit der Hamburg Card profitieren Besucher von ermäßigten Eintrittspreisen bei zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten in Hamburg sowie von der kostenfreien Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Auch der Turbopass Hamburg bietet eine attraktive Möglichkeit, die Stadt zu erkunden: Mit diesem City Pass erhalten Besucher freien Eintritt zu Museen, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen.
Museen in der Umgebung vom Museumsschiff Rickmer Rickmers
Das Museumsschiff Rickmer Rickmers vermittelt als historischer Dreimaster eindrucksvoll die Lebens- und Arbeitswelt der Seefahrt und lässt maritime Geschichte unmittelbar erlebbar werden. In der Umgebung der Hamburger Landungsbrücken laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, die traditionsreiche Hafen- und Handelsgeschichte der Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Museumsschiff Rickmer Rickmers in Hamburg.
Adresse
Museumsschiff Rickmer Rickmers
Landungsbrücken, Ponton 1a
20359 Hamburg
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag bis Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 40 319 59 59 - Website:
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