Bayerisches Nationalmuseum

Das Bayerische Nationalmuseum gehört zu den prägenden kunst- und kulturhistorischen Einrichtungen Münchens und steht zugleich in einer Reihe der großen Sammlungsorte Deutschlands. In unmittelbarer Nähe zum Englischen Garten bündelt es Objekte, die nicht nur regionale Traditionen spiegeln, sondern europäische Kultur- und Kunstgeschichte in Bayern nachvollziehbar machen. Seine Bestände verbinden höfische Repräsentation, kirchliche Bildwelten, bürgerliche Lebensformen und kunsthandwerkliche Spitzenleistungen zu einem vielschichtigen Panorama. Dadurch entsteht ein Museumstyp, der historische Stilepochen nicht isoliert vorführt, sondern als kulturelle Zusammenhänge lesbar macht.

Im Mittelpunkt des Bayerischen Nationalmuseums steht ein kulturgeschichtlicher Ansatz, der Kunst als Teil gesellschaftlicher Praxis versteht. Gezeigt werden Skulptur, Malerei und Kunsthandwerk von der Spätantike bis zum Jugendstil, ergänzt durch Spezialsammlungen, die Material, Funktion und Gebrauchskontexte sichtbar machen. Die Ausrichtung verbindet Sammeln, Bewahren und Forschen mit einer verständlichen Vermittlung, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu reduzieren. Regelmäßige Neupräsentationen und wechselnde Ausstellungen dienen dabei als Instrument, um etablierte Themenfelder zu aktualisieren und neue Perspektiven innerhalb des historischen Rahmens zu eröffnen.

Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Bayerischen Nationalmuseums, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.

Geschichte

Bayerisches Nationalmuseum - München - Historische Schwarz-Weiß-Luftaufnahme aus dem Jahr 1910 mit Blick auf das Viertel an der Prinzregentenstraße
Historische Luftaufnahme aus dem Jahr 1910

Die Gründung des Bayerischen Nationalmuseums geht auf das Jahr 1855 zurück und ist eng mit König Maximilian II. von Bayern verbunden. Bereits zuvor existierten Überlegungen, Bestände aus dem wittelsbachischen Kunstbesitz in einem „Nationalmuseum“ zusammenzuführen. Maximilian II. knüpfte an internationale Vorbilder an und verband die neue Institution mit einer doppelten Zielsetzung: der Bewahrung kulturgeschichtlicher Zeugnisse Bayerns sowie einer anschaulichen Darstellung historischer Leistungen und handwerklicher Qualität.

Mit der organisatorischen Umsetzung wurde Karl Maria Freiherr von Aretin betraut. Unter seiner Leitung entstand ein Sammlungskern, der aus Überweisungen aus der Münchner Residenz und weiteren wittelsbachischen Besitzungen gespeist wurde. Anfangs lag ein Schwerpunkt auf mittelalterlichen Objekten, zugleich war der Anspruch umfassender angelegt und bezog mehrere Epochen bis in die frühe Neuzeit ein. Als erstes Domizil diente ein Standort im innerstädtischen Bereich, der die wachsenden Bestände jedoch bald nur noch eingeschränkt aufnehmen konnte.

Die dynamische Erweiterung der Sammlungen und die Entwicklung eines zunehmend differenzierten Museumsprofils führten im späten 19. Jahrhundert zu grundlegenden Entscheidungen. Ein Neubau wurde politisch beschlossen und in den 1890er-Jahren konkretisiert. Damit verschob sich das Museum von einer zunächst stärker historisch-dynastisch gerahmten Einrichtung hin zu einer Institution, die kunsthandwerkliche Gattungen, Materialgruppen und kulturgeschichtliche Themen gleichrangig integrierte. Prägende Zuwendungen, Ankäufe und Schenkungen stärkten in dieser Phase einzelne Bestandsbereiche und trugen zur Profilierung als staatliche Sammlungseinrichtung bei.

Der Zweite Weltkrieg markierte einen tiefen Einschnitt. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, während ausgelagerte Bestände weitgehend gesichert werden konnten. Unmittelbar nach Kriegsende setzte die Wiederherstellung ein, begleitet von einer schrittweisen Wiedereröffnung. In der Nachkriegszeit kamen technische Modernisierungen, infrastrukturelle Anpassungen und konzeptionelle Neuordnungen hinzu. Seit dem späten 20. Jahrhundert und besonders seit den 2000er-Jahren wurden Sanierungen und Neupräsentationen zu einem zentralen Instrument, um den Sammlungsauftrag innerhalb eines historisch gewachsenen Rahmens zeitgemäß fortzuführen.

Architektur

Der heutige Museumsbau liegt an der Prinzregentenstraße im Stadtteil Lehel und bildet mit dem vorgelagerten Freiraum eine deutlich erkennbare städtebauliche Setzung zwischen Innenstadt und Englischem Garten. Die Anlage wirkt bewusst repräsentativ, ohne sich als singulärer Monumentkörper zu inszenieren. Stattdessen gliedern unterschiedliche Bauvolumina den Komplex, wodurch sich Blickachsen, Hofsituationen und Übergänge zwischen Außenraum und Innenbereichen ergeben. Diese räumliche Staffelung prägt die Wahrnehmung bereits beim Annähern und strukturiert den Museumsbesuch von Beginn an.

Entwurf und Ausführung des Neubaus fallen in die Jahre 1894 bis 1900 und sind mit dem Architekten Gabriel von Seidl verbunden. Das Gebäude reagiert auf die Herausforderung, sehr verschiedene Objektgruppen, Formate und Epochen in einem Haus zusammenzuführen. Seidl wählte dafür eine historistische Formensprache, die mehrere Stilbezüge kombiniert und auf unterschiedliche Fassadencharaktere setzt. Renaissance-, Barock- und Rokoko-Anklänge erscheinen dabei nicht als dekorative Collage, sondern als bewusst eingesetzte Mittel, um Vielfalt architektonisch abzubilden.

Im Inneren arbeitet das Haus mit einer Abfolge unterschiedlich proportionierter Räume, wechselnden Durchgangsachsen und variierenden Raumhöhen. Dadurch entsteht ein Rundgang, der nicht allein über lineare Flure funktioniert, sondern über räumliche Sequenzen, die jeweils andere Sammlungsarten aufnehmen können. Die Architektur ist als Ausstellungsrahmen konzipiert: Säle, Nischen und Kabinette ermöglichen sowohl dichte Hängungen und vitrinierte Präsentationen als auch eine stärkere Konzentration auf Einzelobjekte. Historische Raumfassungen und museale Neutralität stehen dabei in einem Spannungsverhältnis, das in verschiedenen Bereichen bewusst unterschiedlich aufgelöst wird.

Kriegsbeschädigungen führten nach 1945 zu einem Wiederaufbau, der in Teilen vereinfachend vorging und Ausstattungen zurücknahm. Spätere Sanierungen und technische Nachrüstungen zielten auf eine bessere Infrastruktur, auf konservatorische Anforderungen sowie auf eine zeitgemäße Erschließung. Erweiterungen für Werkstätten und Restaurierung ergänzten den Betrieb, ohne den historischen Kernbau zu verdrängen. Neuordnungen einzelner Flügel und Modernisierungen der Außenbereiche zeigen, dass das Gebäude als historisches Ensemble verstanden wird, dessen Nutzung dauerhaft an museale Aufgaben angepasst werden muss.

Ausstellungen und Sammlungen

Die Sammlungen des Bayerischen Nationalmuseums decken einen Zeitraum von der Spätantike bis zum Jugendstil ab und verbinden Kunst- und Kulturgeschichte in einer breit gefassten Perspektive. Skulpturen, Gemälde und kunsthandwerkliche Arbeiten treten neben Textilien, Möbeln, Glas, Keramik, Porzellan, Goldschmiedekunst sowie weiteren Objektgruppen, die Gebrauch, Repräsentation und religiöse Praxis dokumentieren. Daraus ergibt sich kein reines „Stilgeschichte“-Narrativ, sondern ein kulturgeschichtlicher Rundgang, der Material, Funktion und historische Kontexte als gleichwertige Leseschlüssel nutzt.

Die Präsentationsform folgt einer Mischung aus epochenbezogenen Abfolgen und gattungsspezifischen Schwerpunkten. Größere Saalfolgen strukturieren den historischen Überblick, während ausgewählte Fachbereiche vertiefende Einblicke in einzelne Sammlungsfelder bieten. Historische Raumensembles und rekonstruktive Elemente stehen neben konzentrierten Vitrinen- und Kabinettlösungen. Sonderausstellungen ergänzen die Schausammlungen und erlauben thematische Zuspitzungen, ohne den grundlegenden Sammlungsrahmen zu verändern.

Aufbau und Schwerpunkte der Ausstellungen im Bayerischen Nationalmuseum

Ein zentraler Strang ist der kulturhistorische Rundgang, der mittelalterliche Kunst, Renaissance und Barock bis zu Klassizismus, 19. Jahrhundert und Jugendstil in aufeinanderfolgenden Abschnitten bündelt. Innerhalb dieser Abfolge werden Skulptur und Malerei regelmäßig mit kunsthandwerklichen Gattungen verschränkt, sodass religiöse Bildprogramme, höfische Ausstattungskultur und bürgerliche Wohn- und Festkultur gemeinsam sichtbar werden. Einzelne Räume sind dabei so angelegt, dass sie Werkgruppen und regionale Zentren exemplarisch verdichten.

Parallel dazu treten Spezialsammlungen, die nach Material, Technik oder Funktionszusammenhang gegliedert sind. Dazu gehören unter anderem Elfenbeinbestände, Goldschmiedearbeiten, Uhren und wissenschaftliche Instrumente, Porzellan, Glas sowie Objektfelder, die Alltagskultur in einer musealen Systematik erfassen. Diese Bereiche arbeiten stärker mit Vergleichsreihen und Typologien und schaffen Orientierung über Entwicklungslinien, Herstellungsverfahren und Nutzungskontexte. Die volkskundlichen Bestände setzen einen eigenen Akzent, indem sie Formen des Lebens, Arbeitens und Feierns in Bayern über mehrere Jahrhunderte dokumentieren.

Ein dritter Schwerpunkt liegt auf Sammlungssegmenten, die aus historisch gewachsenen Konvoluten stammen. Dazu zählen etwa Bereiche, die durch Schenkungen, Stiftungen oder Ankauf geschlossene Bestandsgruppen bewahren und als Sammlungsbiografien nachvollziehbar machen. Solche Konstellationen verdeutlichen, wie Sammlungsbildung, Museumsauftrag und kulturpolitische Entscheidungen miteinander verflochten sind. Auf dieser Ebene wird das Museum zugleich als Ort der Bewahrung wie auch als Institution sichtbar, die ihren Bestand über Generationen hinweg kontinuierlich erweitert und neu interpretiert.

Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Bayerischen Nationalmuseum

  • Jesuskind mit der Weintraube (Niclaus Gerhaert von Leyden, um 1473)
  • Tischlampe „Loïe Fuller“ (François Raoul Larche, um 1900)
  • Isabella und Octavio (Franz Anton Bustelli, 18. Jahrhundert)
  • Tod auf dem Löwen (Barockskulptur)
  • Prunkharnisch Hans Christoph von Pienzenau (um 1565)
  • Münzschrein Kurfürst Maximilians I. (17. Jahrhundert)
  • Judith mit dem Haupt des Holofernes (Conrat Meit, frühes 16. Jahrhundert)
  • Maria Magdalena (Tilman Riemenschneider, um 1490/92)
  • Mohrenkopfpokal (Wenzel Jamnitzer, 16. Jahrhundert)
  • Neapolitanische Krippe mit Marktszene (18. Jahrhundert)
  • Reidersche Tafel (Spätantike, 4./5. Jahrhundert)
  • Kleid der Dorothea Sabina von Neuburg (16. Jahrhundert)

Umbauten, konservatorische Maßnahmen oder Neuinstallationen können dazu führen, dass einzelne Säle zeitweise nicht zugänglich sind oder Objekte innerhalb der Schausammlungen umgehängt werden. Insgesamt bleibt der Charakter des Hauses jedoch klar erkennbar: Das Bayerische Nationalmuseum bietet eine selten dichte Verbindung von Kunsthandwerk, Skulptur, Malerei und kulturgeschichtlicher Alltagsdokumentation innerhalb eines epochenübergreifenden Rahmens.

Tickets, Preise und Angebote

Für einen Besuch im Bayerischen Nationalmuseum können Tickets zum regulären Preis von 7,00 € erworben werden. Ermäßigten Eintritt für 6,00 € erhalten Senioren über 65 Jahre, Studenten, Schwerbehinderte sowie Besuchergruppen ab 15 Personen. Für Personen unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Besonders günstig ist ein Besuch sonntags, denn dann kosten alle Tickets nur 1,00 €. Eintrittskarten lassen sich entweder direkt vor Ort oder vorab online kaufen.

Mit dem Turbopass München (München Card, München City Pass) wird der Besuch des Bayerischen Nationalmuseums günstiger und einfacher. Der München City Pass ermöglicht freien Eintritt, während die München Card ermäßigten Zugang bietet – ideal, wenn Sie mehrere Sehenswürdigkeiten in München besuchen möchten.

Bayerisches Nationalmuseum – Museen in der Umgebung

Das Bayerische Nationalmuseum zählt zu den bedeutendsten kunst- und kulturhistorischen Sammlungen Europas und präsentiert Objekte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in eindrucksvoller Vielfalt. In seiner Umgebung laden weitere Museen und Kulturinstitutionen dazu ein, Münchens reiches Erbe aus kunsthistorischer, gesellschaftlicher und regionaler Perspektive zu vertiefen.

Entfernung: 0,72 km

Museum Fünf Kontinente - München - Außenansicht der prachtvollen Fassade des Museums
© Museum Fünf Kontinente, Nicolai Kästner

Entfernung: 0,86 km

Residenz München - Königsbau am Max-Joseph-Platz mit dem Standbild von König Maximilian I. Joseph
Residenz München (Königsbau) - © Bayerische Schlösserverwaltung, Ulrich Pfeuffer

Entfernung: 1,36 km

Museum Brandhorst - München - Außenansicht der farbenfrohen Fassade mit tausenden vertikalen Keramikstäben im Kunstareal
Museum Brandhorst

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten des Bayerischen Nationalmuseums in München.

Adresse

Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3
80538 München
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag geschlossen
  • Dienstag bis Mittwoch
    10:00 – 17:00 Uhr
  • Donnerstag
    10:00 – 20:00 Uhr
  • Freitag bis Sonntag
    10:00 – 17:00 Uhr

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