Zwischen Theresienwiese und Schwanthaler Höhe liegt mit dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums ein Standort, der Museumsarbeit und Stadtgeschichte eng verschränkt. Drei denkmalgeschützte Hallen aus der frühen Messezeit bilden den Rahmen für eine Institution, die Mobilität als kulturelles Thema versteht. Die Einrichtung knüpft an die Sammlungstradition des Deutschen Museums an und setzt zugleich einen eigenständigen Akzent: Landverkehr erscheint hier als Spiegel gesellschaftlicher Organisation, technischer Entwicklung und urbaner Planung. Dadurch entsteht ein Ort, der nicht nur Objekte zeigt, sondern historische Veränderungen nachvollziehbar ordnet.
Inhaltlich folgt das Deutsche Museum Verkehrszentrum einem Sammlungskonzept, das Verkehr als Netzwerk begreift: Fahrzeuge, Infrastrukturen und Nutzungsformen werden in ihren Wechselwirkungen sichtbar. Die Ausrichtung verbindet kulturgeschichtliche Perspektiven mit technischen Grundlagen und legt Wert auf nachvollziehbare Vermittlung entlang konkreter Beispiele. Zielsetzung ist eine Darstellung, die Alltag, Innovation und Rahmenbedingungen zusammenführt, ohne einzelne Verkehrsmittel isoliert zu betrachten. So wird Mobilität als langfristiger Prozess erfassbar, der Lebensweisen, Wirtschaft und Politik gleichermaßen prägt.
Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Verkehrszentrum des Deutschen Museums, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.
Geschichte
Am Anfang steht kein Museumsbau, sondern ein Ausstellungsort: 1908 eröffnete München auf der Theresienhöhe einen neuen Ausstellungspark. Zum Kern gehörten drei große Hallen, ergänzt durch den Bavariapark sowie Einrichtungen für Kultur und Gastronomie. Damit verfügte die Stadt früh über feste Bauten für Gewerbeausstellungen, die regelmäßig große Präsentationen ermöglichten und über Jahrzehnte vielfältig genutzt wurden.
In der ersten Phase prägten vor allem allgemeine Gewerbeschauen das Programm; später gewannen Fachausstellungen an Bedeutung. Einen besonderen Rang hatten nationale und internationale Verkehrsausstellungen, die weit über München hinaus wirkten und große Publikumszahlen anzogen. Die Hallen dienten zugleich als Veranstaltungsorte für Konzerte, Theaterformate und einzelne Sportereignisse. Der Ort blieb dadurch nicht auf Messebetrieb begrenzt, sondern war in wechselnden Rollen Teil des städtischen Kulturlebens.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände schrittweise zum großen Messeareal ausgebaut. Mit dem wachsenden Betrieb entstanden zusätzliche Hallen, technische Anlagen und neue Funktionsbauten. 1964 übernahm die Messe München GmbH die Bewirtschaftung. Seit den 1970er Jahren mehrten sich Engpässe durch steigende Ausstellerzahlen und höhere Anforderungen an Logistik und Infrastruktur. In der Folge beschlossen Staatsregierung und Stadtrat die Verlagerung an einen neuen Standort; 1998 fand die letzte Messe auf der Theresienhöhe statt.
Mit dem Ende der Messe entstand eine neue Perspektive für die historischen Hallen. Im Zuge der Quartiersentwicklung Schwanthaler Höhe blieben sie als zentrale Bausteine erhalten und wurden als Nachnutzung für museale Zwecke vorbereitet. Ab 2003 zog das Deutsche Museum mit einem Konzept für Verkehr und Mobilität ein: Zuerst nahm Halle III den Betrieb auf, anschließend folgten Halle I und Halle II. Zwischen 2002 und 2006 wurden umfangreiche Objekttransporte und Restaurierungen organisiert, um die neue Präsentation aufzubauen. Ein späterer Schritt war die Fertigstellung des Eingangsbaus vor Halle I im Jahr 2011, der die Erschließung des Standorts funktional bündelte.
Architektur
Der Standort des Deutschen Museums Verkehrszentrum liegt auf der Theresienhöhe am Rand des Bavariaparks und ist als städtebaulicher Fixpunkt im Quartier Schwanthaler Höhe lesbar. Die drei Hallen stammen aus der frühen Ausstellungspark-Ära und stehen als bauliche Erinnerung an die Zeit, in der das Areal Münchens Messe- und Veranstaltungszentrum war. Ihre Präsenz wirkt heute ordnend: Zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen markieren die Gebäude eine öffentliche Adresse mit klarer Orientierung.
Entworfen wurden die Ausstellungshallen als Messebauten der Jahre um 1908. Der Charakter ist von einer sachlichen Ingenieurbau-Logik geprägt: große Spannweiten, robuste Tragstrukturen und ein klares Raster für flexible Innenräume. Die Bauweise folgt dem Zweck, großformatige Aufbauten und wechselnde Szenografien aufnehmen zu können, ohne den Grundriss dauerhaft festzulegen. Dadurch eignen sich die Hallen bis heute für umfangreiche Exponate und weitläufige Rundgänge.
Prägend sind die Kombination aus Tragwerk und großflächigen Fassadenöffnungen sowie die lesbare Gliederung der Baukörper. Außen entsteht ein Rhythmus, der die Hallen als Ensemble verbindet, ohne individuelle Unterschiede zu nivellieren. Innen dominieren Höhe und Weite; die Raumwirkung bleibt selbst bei dichter Objektbelegung spürbar. Die Architektur liefert damit keine Kulisse im dekorativen Sinn, sondern eine funktionale Großform, die Transport, Aufbau und Präsentation unterstützt.
Mit der Umnutzung zum Museum waren Sanierungen erforderlich, die den Denkmalstatus respektierten und zugleich aktuelle Sicherheits- und Betriebsanforderungen berücksichtigen mussten. In mehreren Bauabschnitten wurden die Hallen instandgesetzt und für den Museumsbetrieb vorbereitet. Ergänzend entstand ein Eingangsbau vor Halle I, der Kasse, Service und Erschließung zusammenführt. Insgesamt zeigt die Anlage, wie Messearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts in einen dauerhaften Kulturbetrieb überführt werden kann, ohne den industriellen Ursprung zu verdecken.
Ausstellungen und Sammlungen
Die Präsentation im Deutschen Museum Verkehrszentrum konzentriert sich auf Landverkehr und ordnet Objekte in langfristige Entwicklungszusammenhänge ein. Gezeigt werden Fahrzeuge und zugehörige Technik aus unterschiedlichen Epochen, ergänzt durch Themeninseln, die Infrastruktur, Nutzung und Rahmenbedingungen beleuchten. Das Spektrum reicht von frühen Formen mechanisierter Fortbewegung bis zu gegenwärtigen Konzepten und aktuellen Fragestellungen, die in ergänzenden Elementen aufgegriffen werden.
Die Dauerausstellungen sind als drei eigenständige Hallenbereiche angelegt und folgen jeweils einer klaren Leitidee. Halle I richtet den Blick auf urbanen Verkehr und seine Regeln, Halle II behandelt die Kultur des Reisens und die Veränderung von Reiseformen, Halle III verbindet technische Grundlagen mit Innovationslinien und Bewegungspraktiken. Ergänzend gibt es einen Kinderbereich sowie Sonderausstellungen, die Themen zeitlich begrenzt vertiefen und einzelne Aspekte in den Vordergrund rücken.
Inhaltliche Struktur der Präsentationen im Verkehrszentrum

Halle I – Stadtverkehr bündelt öffentliche Verkehrsmittel, individuelle Massenmobilität und die Entwicklung von Regelwerken. Eine große Straßeninszenierung führt von der Gegenwart zurück in die Zeit um 1900; darum gruppieren sich Bereiche zu Verkehrszeichen, Sicherheit, Rettung und Planung. Originalfahrzeuge, Inszenierungselemente und erklärende Stationen bilden ein gemeinsames Bild städtischer Mobilität als Alltagssystem. Ein besonderer Blickfang ist der über der Szenerie schwebende Rettungshubschrauber, der die Bedeutung der Luftrettung im modernen Verkehrswesen illustriert. Zudem beleuchten Exponate zum Tunnelbau und zur Verkehrsleitung die oft unsichtbare, aber essenzielle Infrastruktur unter und über unseren Straßen.

Halle II – Reisen ordnet Reiseverkehrsmittel, Infrastrukturen und Reiseformen entlang eines Parcours. Ein Bahnsteig mit Lokomotiven und Wagen steht im Zentrum; Kutschen, Automobile und ergänzende Exponate zeigen Übergänge zwischen Epochen. Die Darstellung reicht von frühen Reisekulturen bis zur Pauschalreise und verdeutlicht, wie Technik und Infrastruktur das Unterwegssein verändert haben. Zudem beleuchtet die Ausstellung, wie die zunehmende Mobilität gesellschaftliche Grenzen verschob und das Reisen vom exklusiven Privileg zum Massenphänomen für breite Bevölkerungsschichten wurde. Die historische Hallenarchitektur schafft dabei einen authentischen Rahmen, der die Besucher direkt in die goldene Ära der Eisenbahn und des beginnenden Automobilzeitalters versetzt.

Halle III – Mobilität und Technik verbindet Bewegungsdrang, Innovation und Grundlagen der Fahrzeugtechnik. Themenfelder wie Rad- und Motorsport, Erfindergeist des 19. Jahrhunderts, Fahrzeugphysik und technische Funktionsweisen werden über Exponate, Hands-on-Elemente und exemplarische Meilensteine vermittelt. Der Bogen reicht von frühen motorisierten Lösungen bis zu neueren Entwicklungen, die Mobilität neu definieren. Besucher können an zahlreichen Mitmachstationen physikalische Gesetze wie den Luftwiderstand oder die Antriebstechnik hautnah erleben und begreifen. Damit verdeutlicht die Ausstellung, wie technischer Fortschritt nicht nur Entfernungen überwindet, sondern auch unseren Alltag und die globale Vernetzung grundlegend transformiert hat.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Verkehrszentrum
- Benz-Patent-Motorwagen (1886)
- Dampflokomotive „Puffing Billy“
- Rumpler „Tropfenwagen“
- Auto Union Typ C
- Schnellzug-Dampflokomotive S 3/6
- Prototyp der Berliner S-Bahn (Bauart „Stadtbahn“, 1927)
- Messerschmitt-Kabinenroller
- Daimler-Riemenwagen (1895)
Im Museumsbetrieb sind Umhängungen, Leihgaben und temporäre Ergänzungen möglich; zudem können einzelne Bereiche durch Sonderausstellungen oder bauliche Maßnahmen anders gewichtet sein. In der Gesamtschau bleibt jedoch der Kern erkennbar: Das Deutsche Museum Verkehrszentrum führt Technik, Nutzung und gesellschaftliche Folgen des Landverkehrs zusammen und macht Mobilität als kulturelle Praxis über zwei Jahrhunderte nachvollziehbar.
Tickets, Preise und Angebote
Tickets für das Verkehrszentrum des Deutschen Museums kosten für Erwachsene 9,00 €. Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren sowie Schüler, Auszubildende, Studierende und Schwerbehinderte zahlen 6,00 € Eintritt. Kinder bis 5 Jahre erhalten freien Eintritt. Eine Familienkarte für bis zu zwei Erwachsene mit Kindern kostet 19,00 €.
Wer mehrere Attraktionen in München besuchen möchte, kann den Turbopass München (München Card, München City Pass) kaufen und damit zahlreiche Vorteile nutzen. Mit diesem Pass ist unter anderem der Eintritt zu allen Standorten des Deutschen Museums, darunter auch zum Verkehrszentrum, sowie zu vielen weiteren Museen enthalten.
Deutsches Museum Verkehrszentrum – Museen in der Umgebung
Das Deutsche Museum Verkehrszentrum widmet sich der Geschichte und Zukunft von Mobilität und zeigt anschaulich, wie Verkehr Technik, Gesellschaft und Alltag prägt. In der näheren Umgebung ergänzen weitere Museen und Kulturorte das Angebot und laden dazu ein, Münchens Museumslandschaft aus technischen, historischen und gesellschaftlichen Perspektiven zu erkunden.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten des Verkehrszentrums des Deutschen Museums in München.
Adresse
Deutsches Museum Verkehrszentrum
Am Bavariapark 5
80339 München
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag bis Sonntag
09:00 – 17:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 89 2179-333 - Website:
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