Unweit von Marienplatz und Viktualienmarkt ist mit dem Jüdischen Museum München ein Ort entstanden, der Geschichte nicht nur bewahrt, sondern aktiv in den urbanen Diskurs einbindet. Als Teil des Jüdischen Zentrums am St.-Jakobs-Platz steht das Museum für die sichtbare Rückkehr jüdischen Lebens in die Mitte der Stadt. Es übernimmt dabei eine doppelte Rolle: als kulturgeschichtliche Institution und als öffentlicher Raum für Auseinandersetzung, Erinnerung und Gegenwartsbezug. Die Verankerung im Stadtraum verleiht dem Haus eine besondere Bedeutung innerhalb der Münchner Museumslandschaft.
Inhaltlich verfolgt das Jüdische Museum München einen konsequent dialogischen Ansatz. Im Mittelpunkt steht nicht eine lineare Darstellung jüdischer Geschichte, sondern die Vielstimmigkeit jüdischer Lebenswelten in Vergangenheit und Gegenwart. Das Sammlungskonzept verbindet historische Objekte mit zeitgenössischen Positionen und legt Wert auf biografische Perspektiven. Ziel ist es, jüdische Geschichte als integralen Bestandteil der Stadtgeschichte sichtbar zu machen und zugleich Fragen von Identität, Erinnerung und gesellschaftlichem Zusammenleben offen zu verhandeln.
Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Jüdischen Museum München, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.
Geschichte
Die Idee eines jüdischen Museums in München reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. Bereits damals engagierten sich Mitglieder der jüdischen Gemeinde für eine institutionelle Sammlung jüdischer Kulturgeschichte. Diese frühen Initiativen wurden durch die nationalsozialistische Verfolgung jäh beendet. Nach 1945 griff insbesondere der langjährige Gemeindevorsitzende Hans Lamm den Gedanken erneut auf, doch fehlten über Jahrzehnte die politischen und strukturellen Voraussetzungen für eine Umsetzung.
Einen wichtigen Impuls setzte Ende der 1980er-Jahre der Galerist Richard Grimm, der ein kleines privates jüdisches Museum in der Maximilianstraße eröffnete. Trotz begrenzter Räumlichkeiten entwickelte sich dieser Ort zu einem wichtigen Treffpunkt für ehemalige Münchner Juden, Besucher aus dem Ausland und die lokale Öffentlichkeit. In den 1990er-Jahren wurde diese Pionierarbeit in Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum und dem Stadtarchiv in Räumen der Gemeinde fortgeführt und erstmals institutionell angebunden.
Mit den Planungen für eine neue Hauptsynagoge und ein Gemeindezentrum am St.-Jakobs-Platz eröffnete sich Ende der 1990er-Jahre eine dauerhafte Perspektive. Der Münchner Stadtrat beschloss, ein eigenständiges Jüdisches Museum in städtischer Trägerschaft zu errichten. Am 22. März 2007 wurde das Haus feierlich eröffnet. Seitdem versteht es sich als aktiver Ort des Austauschs, der jüdische Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als Teil einer lebendigen Gegenwart vermittelt. Die institutionelle Entwicklung ist eng mit der kulturpolitischen Entscheidung verbunden, jüdisches Leben sichtbar in das Zentrum der Stadt zurückzuholen.
Architektur
Das Jüdische Museum München ist Teil des architektonischen Ensembles am St.-Jakobs-Platz, das Synagoge, Gemeindezentrum und Museum zu einer städtebaulichen Einheit verbindet. Die Lage im historischen Stadtkern schafft eine bewusste Nähe zu zentralen Orten Münchens und verleiht dem Areal eine hohe symbolische Präsenz. Der Platz fungiert als offener Stadtraum und verbindet religiöse, kulturelle und alltägliche Nutzungen.
Entworfen wurde das Ensemble vom Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch. Charakteristisch sind drei eigenständige, kubische Baukörper, die formal voneinander getrennt sind und dennoch als zusammengehörig wahrgenommen werden. Diese Wirkung entsteht vor allem durch die konsequente Verwendung von hellem Travertin aus der Schwäbischen Alb, der als verbindendes Material eingesetzt wurde. Die reduzierte Formensprache verzichtet bewusst auf ornamentale Akzente und setzt auf klare Geometrien.
Das Museumsgebäude selbst zeichnet sich durch eine präzise innere Organisation aus. Ein geradliniger Treppenaufgang verbindet die Ausstellungsebenen ohne Richtungswechsel und führt zu einem Oberlicht, das Tageslicht in das Gebäude lenkt. Diese sogenannte Himmelsleiter greift historische Bauformen Münchner Bürgerhäuser auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Architektur. Blickachsen und Durchgänge zwischen den Gebäuden machen das Ensemble für die Öffentlichkeit durchlässig und betonen den Charakter des Museums als Teil des städtischen Lebens.
Ausstellungen und Sammlungen

Die Ausstellungen des Jüdischen Museum München widmen sich der jüdischen Geschichte, Kultur und Gegenwart mit einem klaren Fokus auf Vielfalt und Mehrdeutigkeit. Präsentiert werden kulturhistorische Objekte, Alltagsgegenstände, Kunstwerke sowie audiovisuelle Medien. Die zeitliche Spannweite reicht vom 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Dabei steht weniger eine vollständige Chronologie im Vordergrund als die Verbindung von persönlichen Geschichten mit größeren historischen Zusammenhängen.
Die Präsentationsform ist bewusst offen angelegt. Historische Exponate werden mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten kombiniert, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Ergänzt wird das Ausstellungsangebot durch einen Studienraum und eine Fachbibliothek, die vertiefende Recherchen ermöglichen. Wechselnde Sonderausstellungen auf den oberen Ebenen greifen aktuelle Fragestellungen auf und erweitern den Blick über den lokalen Kontext hinaus.
Aufbau und Schwerpunkte der Ausstellungen im Jüdischen Museum

Zentraler Bestandteil ist die Dauerausstellung „Stimmen Orte Zeiten“ im Untergeschoss. Sie gliedert sich in mehrere thematische Bereiche, die jüdische Lebenswege in München anhand von Biografien, Orten und Ritualen nachzeichnen und dabei unterschiedliche historische Epochen miteinander verknüpfen. Durch multimediale Elemente und originale Exponate werden individuelle Erfahrungen mit übergeordneten gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Weitere Schwerpunkte bilden jüdische Religionspraxis, Migrationserfahrungen, kulturelle Netzwerke sowie Brüche durch Verfolgung und Exil. Sonderausstellungen widmen sich darüber hinaus Themen der Erinnerungskultur, zeitgenössischer Kunst und gesellschaftlicher Debatten.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Jüdischen Museum
- Ritualobjekte aus dem religiösen Alltag
- Zeitzeugeninterviews zur Münchner Stadtgeschichte
- Fotografische Dokumente jüdischen Lebens
- Grafische Arbeiten und zeitgenössische Kunstwerke
- Historische Alltagsgegenstände aus Gemeindezusammenhängen
Zum Abschluss sei darauf hingewiesen, dass Präsentationen aufgrund von Leihgaben, konservatorischen Anforderungen oder thematischen Neuausrichtungen variieren können. Insgesamt bietet die Sammlung des Jüdischen Museum München einen differenzierten Zugang zur jüdischen Geschichte der Stadt und versteht sich als offenes Archiv, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Beziehung setzt.
Tickets, Preise und Angebote
Der reguläre Eintritt in das Jüdische Museum München kostet 6,00 € pro Person. Ermäßigte Tickets für Studierende, Auszubildende, Senioren sowie Inhaber eines Schwerbehindertenausweises sind für 3,60 € erhältlich. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt und müssen kein Ticket kaufen.
Tickets für den Museumsbesuch können Sie bequem online oder direkt an der Museumskasse kaufen. Für zusätzliche Angebote wie Führungen, Rundgänge oder Workshops ist meist ein separates Ticket erforderlich.
Das Museum ist außerdem im Turbopass München (München Card, München City Pass) enthalten, sodass Besitzer das Museum je nach Pass-Variante kostenlos oder zu einem ermäßigten Eintritt besuchen können. Ebenso ist mit der CityTourCard München ein vergünstigter Eintritt möglich.
Jüdisches Museum München – Museen in der Umgebung
Das Jüdische Museum München beleuchtet die Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in der Stadt und verbindet historische Perspektiven mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. In seiner unmittelbaren Umgebung am St.-Jakobs-Platz laden weitere Museen und Kulturorte dazu ein, Münchens vielschichtige Stadt- und Erinnerungskultur im Zusammenspiel zu entdecken.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Jüdischen Museum in München.
Adresse
Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80331 München
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag geschlossen
- Dienstag bis Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 89 233 96096 - Website:
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