Museum Fünf Kontinente

Mitten an der Maximilianstraße befindet sich das Museum Fünf Kontinente, das als staatliches ethnologisches Museum in Bayern eine zentrale Rolle innerhalb der Münchner Kulturlandschaft einnimmt. Seit dem 19. Jahrhundert widmet sich das Haus der wissenschaftlichen Erforschung und Bewahrung materieller Kultur aus verschiedenen Weltregionen. Dabei verbindet es Sammlung, Forschung und öffentliche Vermittlung in einem institutionellen Rahmen, der auf Dauer angelegt ist und internationale Bezüge berücksichtigt.

Ausgangspunkt der Arbeit sind umfangreiche Bestände aus Afrika, den Amerikas, Asien, Australien und Ozeanien. Das Sammlungskonzept beruht auf systematischer Erweiterung historischer Konvolute, der gezielten Ergänzung ausgewählter Bereiche sowie der Einbindung zeitgenössischer Positionen. Forschung, Provenienzprüfung und internationale Kooperationen bilden die Grundlage, auf der Ausstellungen entwickelt und kulturelle Zusammenhänge nachvollziehbar gemacht werden.

Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Museum Fünf Kontinente, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.

Geschichte

Einen frühen Impuls zur Einrichtung eines ethnologischen Museums in München gab 1835 der Würzburger Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold. In einem Schreiben an König Ludwig I. legte er ein Konzept für eine Sammlung außereuropäischer Kulturen vor. Damit griff er Entwicklungen auf, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Gründung zahlreicher ethnologischer Museen führten.

Die offizielle Gründung erfolgte 1862 unter König Maximilian II. Ziel war es, München als Zentrum von Wissenschaft und Kunst im deutschsprachigen Raum zu profilieren. Von Beginn an war die Institution der wissenschaftlichen Forschung verpflichtet. Bereits seit 1820 waren auf Veranlassung des Hauses Wittelsbach ethnologische Objekte nach München gelangt. Die sogenannten Transatlantischen Sammlungen stammten von Forschungsreisen nach Brasilien, in die Südsee und nach Russisch-Amerika.

Zunächst befand sich das Museum im Galerie-Gebäude der Hofgartenarkaden. Mit dem Anwachsen der Bestände erwies sich dieser Standort als ungeeignet. 1925 und 1926 erfolgte der Umzug in das Gebäude an der Maximilianstraße, das bis heute Sitz der Institution ist.

Im Lauf seiner Geschichte änderte das Haus mehrfach seinen Namen: von der Königlich Ethnographischen Sammlung über das Museum für Völkerkunde bis zum Staatlichen Museum für Völkerkunde. Seit September 2014 trägt es den Namen Museum Fünf Kontinente.

Die wissenschaftliche Ausrichtung wurde maßgeblich von seinen Direktoren geprägt. Lucian Scherman leitete das Museum von 1907 bis 1933 und war zugleich Ordinarius für Völkerkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität. 1933 verlor er aufgrund seiner jüdischen Herkunft beide Ämter. Die Professur blieb bis 1955 unbesetzt, wodurch dem Museum eine besondere Rolle bei der Sicherung wissenschaftlicher Kontinuität zukam. Seit April 2018 steht das Haus unter der Leitung von Uta Werlich.

Architektur

Das Museumsgebäude liegt an der Maximilianstraße im Münchner Lehel und ist Teil einer repräsentativen städtebaulichen Achse des 19. Jahrhunderts. Der Bau wurde zwischen 1859 und 1865 nach Plänen des Architekten Eduard Riedel errichtet. Auftraggeber war König Maximilian II., auf dessen Initiative die Maximilianstraße entstand.

Ursprünglich diente das Gebäude als Bayerisches Nationalmuseum. Nach dem Auszug dieser Sammlung wurde es ab 1926 vom ethnologischen Museum genutzt. Die Architektur folgt dem Typus eines monumentalen Museumsbaus mit klar gegliederter Fassade und arkadenartigen Elementen. Historische Fresken im Inneren verweisen auf die ursprüngliche Widmung des Hauses.

Der Bau bietet großzügige Saalstrukturen, die für unterschiedliche Ausstellungskonzepte geeignet sind. Seine repräsentative Außenwirkung verbindet sich mit einer funktionalen Raumdisposition, die sowohl öffentliche Präsentation als auch wissenschaftliche Arbeit ermöglicht. Damit bildet die Architektur einen historischen Rahmen für eine Institution, deren Sammlungen weit über Europa hinausreichen.

Ausstellungen und Sammlungen

Museum Fünf Kontinente - München - Dauerausstellung: Südwestasien und Nordafrika
Dauerausstellung: Südwestasien und Nordafrika – © Museum Fünf Kontinente, Nicolai Kästner

Materielle Kultur bildet den Ausgangspunkt der Präsentationen im Museum Fünf Kontinente. Alltagsgegenstände, religiöse Objekte, Kunstwerke und historische Dokumente werden als Zeugnisse gesellschaftlicher Ordnung, spiritueller Praxis und kultureller Transformation verstanden. Die Ausstellungen erschließen diese Bestände nicht isoliert, sondern ordnen sie in größere historische und regionale Zusammenhänge ein.

Der Gesamtbestand umfasst rund 160.000 Objekte. Hinzu kommen etwa 135.000 fotografische Dokumente sowie eine umfangreiche Fachbibliothek. Die Sammlungen sind nach Regionen gegliedert: Afrika, Australien, Nordamerika, Mittel- und Südamerika, Südwestasien und Nordafrika, Ost- und Zentralasien, Süd- und Südostasien sowie Ozeanien. Ein eigenständiger Bereich widmet sich zeitgenössischer Kunst; zudem wurde Design als neuer Sammlungsschwerpunkt etabliert. Erwerbungen erfolgen unter Beachtung der ethischen Richtlinien des International Council of Museums und unter systematischer Provenienzprüfung.

Thematische Struktur der Sammlungen im Museum Fünf Kontinente

Museum Fünf Kontinente - München - Dauerausstellung: Myanmar
Dauerausstellung: Myanmar – © Museum Fünf Kontinente, Nicolai Kästner

Die ständigen Ausstellungen führen in unterschiedliche Weltregionen ein. Myanmar bildet einen Schwerpunkt mit Objekten aus einer frühen Forschungsreise von Lucian und Christine Scherman im Jahr 1911. Die Präsentation zu Nordamerika widmet sich indigenen Kulturen von der Arktis bis zur Sonora-Wüste. Ozeanien thematisiert Inselgesellschaften im Pazifikraum, während Subsahara-Afrika historische Bestände mit Positionen zeitgenössischer Kunst verbindet.

Südwestasien und Nordafrika beleuchten materielle Kultur islamisch geprägter Gesellschaften und angrenzender Regionen. Zentral- und Südamerika zeigen präkolumbische Keramik, Textilien und weitere Werkgruppen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Ergänzt werden diese Bereiche durch Sonderausstellungen und durch Forschungsprojekte, deren Ergebnisse in Publikationen wie dem Journal Fünf Kontinente veröffentlicht werden.

Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Museum Fünf Kontinente

  • Transatlantische Sammlungen des frühen 19. Jahrhunderts (Brasilien, Südsee, Russisch-Amerika)
  • Myanmar-Sammlung von Lucian und Christine Scherman mit über 2.300 Objekten und umfangreichem Quellenmaterial
  • Nordamerika-Bestand mit Objekten indigener Gesellschaften einschließlich historischer Masken und Textilarbeiten
  • Afrika-Sammlung mit historischen Werkgruppen sowie zeitgenössischen künstlerischen Positionen
  • Sammlung Fotografie mit rund 135.000 Aufnahmen seit 1870

Die Verbindung aus historisch gewachsenen Beständen, fortlaufender Forschung und transparenter Provenienzarbeit prägt die kuratorische Handschrift des Hauses und bestimmt seinen Beitrag zur gegenwärtigen Auseinandersetzung mit globalen Sammlungsgeschichten.

Tickets, Preise und Angebote

Im Museum Fünf Kontinente können Sie Tickets bequem online oder direkt vor Ort kaufen. Der reguläre Eintritt beträgt 5,00 €. Ermäßigte Tickets erhalten Studierende und Senioren für 4,00 €. An Sonntagen zahlen alle Besucher nur 1,00 €, während Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren freien Eintritt haben. Wenn Sie Ihre Tickets vorab kaufen, sparen Sie Zeit an der Kasse und können Ihren Museumsbesuch entspannter genießen.

Als praktische Sparoption für Touristen gilt der Turbopass München (München Card, München City Pass). Mit diesem Pass erhalten Sie bei vielen Sehenswürdigkeiten vergünstigten oder sogar freien Eintritt und können deutlich sparen, wenn Sie mehrere Attraktionen besichtigen und Ihre Tickets nicht einzeln kaufen möchten.

Museen in der Umgebung vom Museum Fünf Kontinente

Das Museum Fünf Kontinente widmet sich den Kulturen Afrikas, Amerikas, Asiens, Australiens und Ozeaniens und verbindet ethnologische Forschung mit anschaulicher Präsentation materieller Kultur. In seiner Umgebung laden weitere Museen in der Münchner Innenstadt dazu ein, globale Perspektiven mit europäischer Kunst- und Stadtgeschichte in einem facettenreichen kulturellen Kontext zu verbinden.

Entfernung: 0,42 km

WOW Museum - München - Außenansicht: Moderne Fassade mit dem rot-weißen Museumslogo
© WOW Museum München

Entfernung: 0,47 km

Bier- und Oktoberfestmuseum München - Fassade: Historisches Museumsschild am ältesten Bürgerhaus Münchens
Bier- und Oktoberfestmuseum

Entfernung: 0,64 km

Residenz München - Königsbau am Max-Joseph-Platz mit dem Standbild von König Maximilian I. Joseph
Residenz München (Königsbau) - © Bayerische Schlösserverwaltung, Ulrich Pfeuffer, www.residenz-muenchen.de

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Museum Fünf Kontinente in München.

Adresse

Museum Fünf Kontinente
Maximilianstraße 42
80538 München
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag bis Freitag
    08:00 – 19:00 Uhr
  • Samstag bis Sonntag
    08:00 – 20:00 Uhr

Kontakt