Als Gründungsort der NSDAP ist München eng mit Aufstieg, Herrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus verknüpft. Das NS-Dokumentationszentrum München setzt an diesem historischen Kontext an und schafft einen Ort, an dem lokale Entwicklungen in größere politische, gesellschaftliche und ideologische Zusammenhänge eingeordnet werden. Im Mittelpunkt steht eine kritische Auseinandersetzung mit Ursachen, Wirkmechanismen und Folgen der Diktatur bis in die Gegenwart.
Zielsetzung und Arbeitsweise folgen einem dokumentarischen Ansatz, der historische Quellen, Forschung und Vermittlung zusammendenkt. Ausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote sind darauf ausgerichtet, Strukturen von Ausgrenzung, Gewalt und Propaganda verständlich zu machen und zugleich Fragen an demokratische Gegenwart zu formulieren. Damit verbindet das Haus historisches Lernen mit reflektierter Gegenwartsorientierung, ohne den historischen Ort als bloße Kulisse zu behandeln.
Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des NS-Dokumentationszentrum München, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.
Geschichte
Der Standort des NS-Dokumentationszentrum München ist durch die NS-Geschichte des Viertels am Königsplatz geprägt. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand zwischen 1933 und 1945 ein Verwaltungs- und Repräsentationsraum der Partei. Am Ort des heutigen Hauses befand sich bis zur Zerstörung 1945 das sogenannte „Braune Haus“, die Parteizentrale der NSDAP. Nach Kriegsende wurden die Überreste abgetragen; zugleich setzte eine lange, wechselhafte Phase ein, in der die Bedeutung dieses Täterortes im Stadtbild nur begrenzt sichtbar blieb.
Seit den 1980er Jahren nahmen Bürgerinitiativen und Geschichtswerkstätten verstärkt Einfluss auf die Debatte über einen offenen Umgang mit den Spuren nationalsozialistischer Herrschaft in München. In diesem zivilgesellschaftlichen Umfeld entstand der Impuls, am ehemaligen Parteizentrum einen dauerhaften Lern- und Erinnerungsort zu schaffen. Ein geplanter Eingriff in das Umfeld der Sockel der sogenannten „Ehrentempel“ wurde 1988 nach öffentlicher Kritik nicht umgesetzt; solche Konflikte machten deutlich, wie umkämpft Erinnerungszeichen an zentralen Täterorten sein konnten.
2001/2002 fasste der Münchner Stadtrat den Grundsatzbeschluss zur Realisierung eines Dokumentationszentrums. In den Folgejahren wurden Gremien und eine wissenschaftliche Projektgruppe eingesetzt, um Konzeption, Trägerschaft und Finanzierung abzusichern. Der Freistaat Bayern stellte Ende 2005 das Gelände des ehemaligen „Braunen Hauses“ zur Verfügung. Damit war der historische Ort institutionell fixiert, ohne ihn zu musealisieren, sondern als Ausgangspunkt historischer Aufklärung zu nutzen.
Mit der baulichen Umsetzung erhielt das Vorhaben eine klare Form. 2009 wurde ein Architekturwettbewerb entschieden; am 9. März 2012 erfolgte die Grundsteinlegung. Am 1. Mai 2015 öffnete das NS-Dokumentationszentrum München. Als Gründungsdirektor wurde 2012 Winfried Nerdinger berufen; seit 2018 leitet die Historikerin Mirjam Zadoff das Haus. Inhaltlich blieb der Anspruch konstant: Münchens Rolle als „Hauptstadt der Bewegung“ zu kontextualisieren und die Folgen nationalsozialistischer Politik bis in aktuelle Debatten hinein nachvollziehbar zu machen.
Architektur
Städtebaulich liegt das NS-Dokumentationszentrum München im Kunstareal, am Übergang zwischen Königsplatz und Brienner Straße. Die Lage bindet das Gebäude in eine Umgebung ein, die durch monumentale Architektur, institutionelle Dichte und sichtbare Spuren nationalsozialistischer Planung geprägt ist. Genau diese Nachbarschaft ist Teil des Konzepts: Der Neubau steht nicht isoliert, sondern reagiert auf die Topografie eines ehemaligen Täterareals.
Gestalterisch zielte der Bau auf einen erkennbaren Bruch mit dem Ort. Aus dem Architekturwettbewerb von 2009 ging der Entwurf des Berliner Büros Georg Scheel Wetzel als Sieger hervor. Die Form des Gebäudes wird als kompakter Kubus beschrieben, der den Täterort markiert, ohne das „Braune Haus“ nachzuahmen oder historisierend zu zitieren. Damit entsteht eine deutliche Differenz zu den NS-Bauten der Umgebung, die nicht durch Anspielung, sondern durch Gegenform sichtbar wird.
Material und Oberfläche tragen diese Setzung konsequent. Weißer Sichtbeton prägt die Außenansicht ebenso wie die Innenräume und steht in bewusstem Kontrast zur Nachbarschaft. Die Fassaden arbeiten mit hellen, geschlossenen Flächen und dunkleren Fensterzonen, teils über Geschosse hinweg geführt. Durch diese Zurückhaltung entsteht kein repräsentativer Gestus, sondern eine sachliche, klare Erscheinung, die sich der historischen Überwältigungsästhetik entzieht.
Besonders prägend sind die Lamellenfenster, die gezielte Sichtbezüge zur Umgebung öffnen. Dadurch werden bauliche Überreste und erhaltene Strukturen der NS-Zeit in die Wahrnehmung einbezogen, ohne sie in die Ausstellung zu verlagern. Der Außenraum und der Blick nach draußen übernehmen eine vermittelnde Funktion: Historische Orte werden als reale Umgebung präsent gehalten, während das Gebäude einen Rahmen bietet, der Distanz, Orientierung und kritische Einordnung ermöglicht.
Ausstellungen und Sammlungen

Im Zentrum der Arbeit des NS-Dokumentationszentrum München steht die historische Ausstellung „München und der Nationalsozialismus“, die Entstehung, Durchsetzung und Folgen der Diktatur am Beispiel der Stadt nachvollziehbar macht. Leitfragen richten den Blick auf Ideologie, Machtgewinn und gesellschaftliche Mitwirkung, ebenso auf die Zerstörung demokratischer Strukturen, auf Verfolgung, Krieg und Massenmord. Die Darstellung bleibt nicht beim Ereignis stehen, sondern verfolgt den schwierigen Umgang mit der Vergangenheit seit 1945 bis in gegenwärtige Debatten.
Quellenbasierte Vermittlung prägt die Präsentation. Fotografien, Dokumente, Texte, Filmprojektionen und Medienstationen werden so eingesetzt, dass Funktionsweisen von Ausgrenzung und Herrschaft sichtbar werden, ohne den Blick auf individuelle Handlungsspielräume zu verlieren. Biografische Perspektiven geben Einblick in Motive und Rollen von Tätern, Opfern, Mitläufern sowie von Menschen, die Widerstand leisteten. Der Fokus bleibt dabei auf München gerichtet, öffnet jedoch den Blick auf europäische Dimensionen und auf Beteiligung an Verbrechen in besetzten Gebieten.
Wechselnde Ausstellungen, Interventionen und künstlerische Formate erweitern diesen Kern um aktuelle und internationale Perspektiven. Damit wird die historische Ausstellung nicht als abgeschlossenes Narrativ behandelt, sondern als Grundlage, die durch neue Fragestellungen ergänzt werden kann. Ein weiterer Baustein ist die digitale Vermittlung, die Inhalte über das Haus hinaus zugänglich macht und historische Orte im Stadtraum in Beziehung zur Ausstellung setzt.
Zentrale Themen und Ausstellungen im NS-Dokumentationszentrum
Die inhaltliche Struktur folgt einem klaren Spannungsbogen von Entstehung über Herrschaft bis Nachgeschichte. Ausgangspunkt bildet Münchens Rolle als frühes Zentrum der NS-Bewegung und als Ort parteipolitischer Verdichtung. Darauf aufbauend werden Mechanismen der Diktatur erläutert, darunter Propaganda, Zustimmung, Gewaltapparate und die Logik von Ausgrenzung und Verfolgung. Der Krieg erscheint nicht als abstraktes Geschehen, sondern als Konsequenz einer Politik, die in München geplant, legitimiert und getragen wurde.
Ein eigener Strang gilt der Nachgeschichte seit 1945. Hier geht es um Brüche, Kontinuitäten und um Formen der Erinnerung, die sich über Jahrzehnte verändert haben. Die Ausstellung fragt, wie eine Stadt mit Täterorten, mit Wissen über Verbrechen und mit gesellschaftlichen Verdrängungen umgeht. Genau an dieser Stelle wird der Gegenwartsbezug konkret: Die historischen Erfahrungen werden als Maßstab genutzt, um aktuelle Formen von Hass, Gewalt gegen Minderheiten und demokratischer Erosion einzuordnen.
Besondere Highlights der Sammlungen im NS-Dokumentationszentrum
- Quellenbasierte Dokumentation
Fotografien, Dokumente und Texte als Kernmaterial der historischen Erzählung - Biografische Fallstudien
ausgewählte Lebenswege zur Verdeutlichung von Motiven, Rollen und Handlungsspielräumen - Sichtbezüge in die Umgebung
Lamellenfenster, die erhaltene Orte und Überreste der NS-Zeit in den Ausstellungsrundgang einbinden - Kunst am Bau „Brienner 45“ (2015)
Medienkunstwerk der Brüder Benjamin und Emanuel Heisenberg im Außenraum, mit filmischen Collagen aus Texten von Schlüsseldokumenten und Bildmaterial - Wechselnde Interventionen
temporäre Ausstellungen und künstlerische Formate zur Erweiterung um aktuelle Perspektiven
Charakteristisch für das NS-Dokumentationszentrum München ist die Verbindung von historischer Quellenarbeit, räumlich erfahrbarer Topografie und einer Vermittlung, die die Nachwirkungen der Diktatur als Teil gegenwärtiger Verantwortung mitdenkt.
Tickets, Preise und Angebote
Der Eintritt in das NS-Dokumentationszentrum München ist kostenfrei, daher müssen keine Tickets gekauft werden. Um möglichst viele Informationen zur Ausstellung zu erhalten, empfiehlt es sich, den Mediaguide zu nutzen, der unterschiedliche Themen, verschiedene Zielgruppen sowie mehrere Sprachen abdeckt und kostenlos als Leihgerät angeboten wird.
Museen in der Umgebung vom NS-Dokumentationszentrum
Das NS-Dokumentationszentrum München setzt sich am historischen Ort der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP kritisch mit den Ursachen, Strukturen und Folgen der nationalsozialistischen Diktatur auseinander. In seiner Umgebung laden weitere Museen und Gedenkorte dazu ein, Münchens Geschichte aus unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Perspektiven zu reflektieren und vertieft zu erschließen.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom NS-Dokumentationszentrum in München.
Adresse
NS-Dokumentationszentrum
Max-Mannheimer-Platz 1
80333 München
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag geschlossen
- Dienstag bis Sonntag
10:00 – 19:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 89 233-67000 - Website:
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