Schloss Lustheim

Am östlichen Abschluss der Schlossanlage Schleißheim bildet das Schloss Lustheim einen eigenständigen architektonischen Schwerpunkt innerhalb des barocken Gesamtgefüges. Anders als das Alte Schloss als frühneuzeitlicher Ursprung oder das Neue Schloss als monumentale Residenz ist Lustheim als Jagd- und Festbau konzipiert. Seine Lage auf einer kreisrunden Insel am Ende der Hauptachse des Hofgartens macht den Bau zugleich zum visuellen Zielpunkt der Anlage und zu einem bewusst inszenierten Rückzugsort höfischer Repräsentation.

Heute verbindet Schloss Lustheim barocke Architektur mit einer spezialisierten Museumssammlung. In seinen historischen Räumen ist die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider untergebracht, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums. Damit tritt das Lustschloss nicht nur als Baukunstwerk des späten 17. Jahrhunderts in Erscheinung, sondern auch als Ort kunsthandwerklicher Spitzenleistungen des 18. Jahrhunderts.

Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Schloss Lustheim, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.

Geschichte

Schloss Lustheim entstand ab 1684 im Auftrag von Kurfürst Max Emanuel anlässlich seiner Vermählung mit der österreichischen Kaisertochter Maria Antonia im Jahr 1685. Der Bau war als Jagd- und Festschloss gedacht und diente nicht als dauerhafte Residenz. Mit der Planung wurde der aus Graubünden stammende Hofarchitekt Henrico Zuccalli beauftragt, der sich bei der Konzeption an italienischen Casino-Bauten orientierte.

Der Ziegelrohbau wurde rasch errichtet. Bereits 1686/87 entstand im Inneren ein bedeutender Zyklus profaner Deckenmalerei mit Szenen aus dem Mythos der Jagdgöttin Diana. Diese frühe barocke Ausstattungsphase gilt als eines der ersten umfangreichen Programme profaner Deckenfresken im süddeutschen Raum.

Ursprünglich war Lustheim Teil einer weiter gefassten Gartenarchitektur. Geplant waren halbkreisförmige Zirkelbauten, die das Schloss mit den nördlichen und südlichen Pavillons verbinden und Orangerien, Festräume sowie Appartements aufnehmen sollten. Diese groß dimensionierten Trakte wurden jedoch nicht vollendet und 1741 abgebrochen. Erhalten blieben die beiden äußeren Pavillons: im Süden die Renatuskapelle und im Norden der sogenannte Schöne Stall.

Seit 1971 wird Schloss Lustheim als Museumsstandort genutzt. Nach umfassender Sanierung wurde hier das erste Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums eingerichtet, das die Stiftung Ernst Schneider mit ihrer Sammlung früher Meißener Porzellane aufnimmt.

Architektur

Schloss Lustheim liegt auf einer kreisrunden Insel, die von einem Ringkanal umgeben ist. Die Anlage bildet den östlichen Endpunkt der barocken Mittelachse des Hofgartens und fungiert als sogenannter „point de vue“. Diese bewusste Einbindung in das Achsensystem der Gartenarchitektur verleiht dem Bau eine herausgehobene Stellung im landschaftlichen Kontext.

Der Grundriss erinnert an ein stilisiertes H. Ein zentraler Mittelbau wird von zwei leicht vorspringenden Seitenflügeln begleitet. Das verputzte Ziegelgebäude besitzt zwei Vollgeschosse; über dem Mitteltrakt erhebt sich ein Belvedere, das weite Ausblicke in die umliegende Landschaft ermöglicht. Die Architektur orientiert sich am Typus der italienischen villa suburbana und verbindet kompakte Bauform mit repräsentativer Wirkung.

Im Inneren dominiert der zweigeschossige Festsaal im Zentrum. Von hier aus erschließen sich die Appartements des Kurfürsten und der Kurfürstin. Die Deckenfresken des Festsaals sowie der angrenzenden Räume zeigen Szenen aus dem Diana-Mythos und wurden von Francesco Rosa, Giovanni Trubillio und Johann Anton Gumpp ausgeführt. Im Obergeschoss befanden sich ursprünglich schlichtere Räume für das Gefolge, während das Kellergeschoss Funktionsräume wie Küche und Wirtschaftszonen aufnahm.

Die beiden Pavillons, Überreste der nicht realisierten Zirkelbauten, ergänzen das Ensemble. Die südliche Renatuskapelle wurde 1688 dem heiligen Renatus geweiht. Ihr ovaler Innenraum mit Kuppelfresko von Johann Anton Gumpp und Stuckrahmung folgt römisch-barocken Vorbildern. Der nördliche Pavillon, als Schöner Stall bezeichnet, besitzt einen vollständig freskierten Saal mit illusionistischer Architekturmalerei, der zeitweise als Stall für vornehme Reitpferde diente.

Ausstellungen und Sammlungen

Schloss Lustheim beherbergt die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums. Die Präsentation konzentriert sich auf die frühe Produktion der Meißener Manufaktur von ihrer Gründung 1710 bis in die Zeit des Siebenjährigen Krieges.

Die Ausstellung nutzt die historischen Schlossräume als Rahmen für eine systematische Darstellung der manufakturgeschichtlichen Entwicklung. Gezeigt werden Serviceformen, Vasen, Figuren und plastische Gruppen, die Einblicke in Formfindung, Modellkunst und Dekorentwicklung geben. Einen Schwerpunkt bilden Arbeiten aus der sogenannten Böttgerzeit sowie Dekore des Porzellanmalers Johann Gregorius Höroldt.

Die Sammlung geht auf den Industriellen Ernst Schneider zurück, der seine Bestände dem Freistaat Bayern stiftete. Mit über 2000 Objekten zählt sie zu den bedeutenden Sammlungen früher Meißener Porzellane und ist in ihrem Umfang mit der Porzellansammlung im Dresdner Zwinger vergleichbar.

Aufbau und Schwerpunkte der Ausstellungen im Schloss Lustheim

Die Präsentation folgt der Entwicklung der Manufaktur in chronologischen und typologischen Abschnitten. Frühformen der Porzellanproduktion werden ebenso berücksichtigt wie figürliche Arbeiten und großformatige Serviceensembles. Die Ausstellung verbindet kunsttechnische Aspekte mit stilgeschichtlicher Einordnung und macht die Rolle des Porzellans als Repräsentations- und Luxusgut des 18. Jahrhunderts nachvollziehbar.

Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Schloss Lustheim

  • Frühe Porzellane der Böttgerzeit – Beispiele der Anfangsphase der Manufaktur
  • Chinoiserien von Johann Gregorius Höroldt – charakteristische Dekorformen der 1720er und 1730er Jahre
  • Tierfiguren und plastische Gruppen von Johann Joachim Kaendler – modellierte Darstellungen barocker Formkunst
  • Teile des Wappenservice des Grafen Sulkowski – höfisches Tafelgeschirr des 18. Jahrhunderts
  • Bestandteile des Schwanenservice für Graf Heinrich von Brühl – umfangreiches Serviceensemble barocker Festkultur

Schloss Lustheim verbindet damit hochbarocke Architektur, gartenarchitektonische Inszenierung und eine spezialisierte kunsthandwerkliche Sammlung zu einem eigenständigen Museumsstandort innerhalb der Schlossanlage Schleißheim.

Tickets, Preise und Angebote

Für Schloss Lustheim in Schleißheim bei München können Sie Tickets direkt an der Kasse kaufen. Der reguläre Eintritt beträgt 5,00 €, ermäßigte Tickets kosten 4,00 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre besuchen das Schloss kostenlos. Ein Kombiticket für das Schloss Lustheim, das Alte Schloss Schleißheim und das Neue Schloss Schleißheim kostet regulär 10,00 €, ermäßigt 8,00 €. Ermäßigungen gelten für Schüler, Studierende, Rentner und Schwerbehinderte.

Wer mehrere Museen in München besuchen möchte, kann den Turbopass München mit der München Card oder dem München City Pass nutzen. Damit lassen sich Tickets für Museen und Attraktionen günstiger kaufen. Zusätzlich umfasst der Turbopass auf Wunsch den öffentlichen Nahverkehr.

Museen in der Umgebung vom Schloss Lustheim

Schloss Lustheim, als barockes Jagdschloss in die Achse der Schleißheimer Gartenanlage eingebettet, beherbergt eine bedeutende Sammlung von Meißener Porzellan in historischer Atmosphäre. In der Umgebung laden weitere Museen und Schlossanlagen dazu ein, die kulturelle Vielfalt der Region zwischen höfischer Repräsentation, Kunsthandwerk und Architekturgeschichte zu entdecken.

Entfernung: 1,11 km

Neues Schloss Schleißheim - München - Außenansicht der monumentalen barocken Schlossanlage mit prachtvoller Gartenanlage
Neues Schloss Schleißheim - © Bayerische Schlösserverwaltung, Maria Scherf & Andrea Gruber, www.schloesser-schleissheim.de

Entfernung: 1,19 km

Schlossanlage Schleißheim - Luftaufnahme der gesamten barocken Schlossanlage und des weitläufigen Parks
Schlossanlage Schleißheim - © Bayerische Schlösserverwaltung, www.kreativ-instinkt.de, www.schloesser-schleissheim.de

Entfernung: 1,25 km

Altes Schloss Schleißheim - Außenansicht der symmetrischen Schlossfassade mit gepflegtem Barockgarten
Altes Schloss Schleißheim - © Bayerische Schlösserverwaltung, Veronika Freudling, www.schloesser.bayern.de

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Schloss Lustheim in Oberschleißheim bei München.

Adresse

Schloss Lustheim
Max-Emanuel-Platz 1
85764 Oberschleißheim
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag bis Sonntag
    09:00 – 18:00 Uhr

Kontakt