Die Schlossanlage Schleißheim in Oberschleißheim bei München ist ein historisch gewachsenes Ensemble aus drei Schlossbauten und einer barocken Gartenanlage. Seit dem späten 16. Jahrhundert entwickelte sich der Ort von einer herzoglichen Schwaige zu einer weitläufigen Residenzanlage der Wittelsbacher. Altes Schloss, Neues Schloss und Schloss Lustheim sind axial durch den Hofgarten miteinander verbunden und bilden bis heute eine klar strukturierte Gesamtanlage.
Ausgangspunkt war der Erwerb der Schwaige Schleißheim im Jahr 1597 durch Herzog Wilhelm V. von Bayern. Ab 1598 ließ er dort ein Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude errichten. Sein Sohn Maximilian I. ersetzte dieses Gebäude ab 1617 durch einen Neubau, das heutige Alte Schloss. Mit Kurfürst Max Emanuel begann ab 1684 eine umfassende Erweiterungsphase: Schloss Lustheim entstand als Jagd- und Festschloss, ab Winter 1700/01 wurde unter Leitung des Hofarchitekten Henrico Zuccalli mit dem Bau des Neuen Schlosses begonnen. Nach dem Baustopp während des Spanischen Erbfolgekriegs wurden die Arbeiten nach 1715 fortgeführt; die Bauleitung übernahm später Joseph Effner. Das ursprünglich geplante Gesamtprojekt wurde reduziert, realisiert wurde der monumentale Haupttrakt des Neuen Schlosses.
Entdecken Sie die Schlossanlage Schleißheim – Residenzarchitektur und Gartenkunst in historischer Einheit
Die Schlossanlage Schleißheim entwickelte sich seit dem späten 16. Jahrhundert von einer herzoglichen Schwaige zu einem weitläufigen Residenzprojekt der Wittelsbacher. Auf dem ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Gelände entstand zunächst ein Landsitz, der unter Maximilian I. architektonisch neu gefasst wurde. Mit Kurfürst Max Emanuel erhielt Schleißheim eine deutlich erweiterte Dimension: Neben dem bestehenden Schlossbau entstand ein eigenständiges Lust- und Jagdschloss, zugleich begann der Bau einer monumentalen barocken Residenz.
Das geplante Gesamtprojekt sah eine großzügige Erweiterung vor, wurde jedoch nicht vollständig umgesetzt. Gerade diese historische Konstellation prägt das heutige Erscheinungsbild. Unterschiedliche Bauphasen und Funktionen sind klar ablesbar und bilden zusammen mit dem streng gegliederten Hofgarten ein geschlossenes Ensemble. Architektur, Sichtachsen und Wasserläufe sind aufeinander abgestimmt und lassen die ursprüngliche Planung auch ohne vollständige Ausführung nachvollziehbar werden.
Die Anlage wird heute von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut. Alle drei Schlösser sowie der Hofgarten sind im Rahmen der Öffnungszeiten zugänglich. In den Gebäuden befinden sich eigenständige museale Einrichtungen, die jeweils gesondert vorgestellt werden.
Die drei Schlösser der Schlossanlage Schleißheim im Überblick
Innerhalb der Gesamtanlage nehmen die drei Baukörper unterschiedliche Positionen und Funktionen ein. Sie sind entlang einer klaren Ost-West-Achse angeordnet und werden durch den Hofgarten räumlich verbunden.
Das Alte Schloss markiert den westlichen Ausgangspunkt und repräsentiert die frühere Phase der Anlage. Das Neue Schloss bildet das monumentale Zentrum mit seiner repräsentativen Raumfolge. Schloss Lustheim schließt die Hauptachse im Osten ab und steht als eigenständiger Bau in enger Beziehung zur Gartenarchitektur. Diese räumliche Staffelung ermöglicht einen Rundgang, bei dem sich Baugeschichte, Nutzung und höfische Repräsentation Schritt für Schritt erschließen.
Altes Schloss Schleißheim

Das Alte Schloss Schleißheim geht auf den Neubau zurück, den Maximilian I. ab 1617 errichten ließ. Es ersetzte das zuvor bestehende Herrenhaus Herzog Wilhelms V. und orientiert sich in seiner Bauform an oberitalienischer Villenarchitektur der Spätrenaissance. Der breit gelagerte Bau mit seinem hervortretenden Mitteltrakt bildet den westlichen Ausgangspunkt der Gesamtanlage.
Zum Komplex gehören ausgedehnte Hofbereiche mit Wirtschaftsgebäuden, der Maximilianshof sowie der Tor- und Uhrenturm, dessen größere Schlagglocke auf das Jahr 1602 datiert ist. Diese Einbindung in eine funktionale Hofstruktur verdeutlicht die ursprüngliche Verbindung von Repräsentation und landwirtschaftlicher Nutzung.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Schloss schwer beschädigt. Der Wiederaufbau begann 1970. Dabei wurden Teile der historischen Raumstruktur rekonstruiert, andere Bereiche erhielten eine museale Neuaufteilung. Heute beherbergt das Gebäude Sammlungen des Bayerischen Nationalmuseums.
Neues Schloss Schleißheim

Das Neue Schloss Schleißheim wurde im Auftrag Kurfürst Max Emanuels ab Winter 1700/01 errichtet. Geplant war eine weitläufige Vierflügelanlage unter Einbeziehung des Alten Schlosses. Der Spanische Erbfolgekrieg führte 1704 zum Baustopp. Nach der Rückkehr des Kurfürsten aus dem Exil 1715 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Die Bauleitung übernahm Joseph Effner. Aufgrund finanzieller Einschränkungen wurde das Projekt schrittweise reduziert; ausgeführt wurde der monumentale Haupttrakt.
Das Gebäude erstreckt sich über eine Länge von mehr als 300 Metern. Charakteristisch ist die Raumfolge vom Vestibül über das Treppenhaus zum Großen Saal, weiter in den Viktoriensaal und die Große Galerie. Die fürstlichen Appartements schließen sich seitlich an. An der Innenausstattung wirkten unter anderem Johann Baptist Zimmermann, Cosmas Damian Asam und Jacopo Amigoni mit.
Bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das Neue Schloss zu einem Galerieschloss. Heute dient es als Barockgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Schloss Lustheim

Das Schloss Lustheim entstand ab 1684 anlässlich der Vermählung Kurfürst Max Emanuels mit Maria Antonia. Der Entwurf stammt von Henrico Zuccalli. Das Schloss liegt am östlichen Ende des Hofgartens auf einer kreisrunden Insel und bildet den architektonischen Abschluss der Hauptachse.
Im Zentrum befindet sich ein über zwei Geschosse reichender Festsaal mit mythologischen Deckenfresken. Seitlich schließen sich die Appartements des Kurfürsten und der Kurfürstin an. Ergänzt wird die Anlage durch zwei Pavillons: die Renatuskapelle im Süden und den sogenannten „Schönen Stall“ im Norden, dessen großer Saal vollständig freskiert ist.
Seit 1971 ist Schloss Lustheim ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums und beherbergt die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider.
Der Hofgarten Schleißheim

Der Hofgarten wurde im Zusammenhang mit dem Bau von Schloss Lustheim ab 1684 konzipiert. Ab 1689 entstand ein umfangreiches Kanalsystem als Voraussetzung für die barocke Gartenanlage. Die Ausführung des Gartens erfolgte zwischen 1717 und 1726 durch den Gartenfachmann Dominique Girard.
Vor dem Neuen Schloss liegt ein vertieftes Parterre mit Zierbeeten, Skulpturen und einer Kaskade. Die Mittelachse bildet das ordnende Prinzip der Anlage. Zwischen Lustheim und dem Neuen Schloss erstreckt sich eine Boskettzone mit Wasserflächen und ehemaligen Spieleinrichtungen. Das Kanalsystem speist die Wasserläufe der Gartenanlage und verband Schleißheim mit weiteren Residenzorten im Münchner Raum.
Die Grundstruktur des Gartens blieb erhalten und wurde im 19. Jahrhundert nicht in einen Landschaftspark umgewandelt. Dadurch ist die barocke Konzeption bis heute ablesbar.
Tickets, Preise und Angebote
Die Tickets für die Schlossanlage Schleißheim lassen sich einzeln für die drei Schlösser oder als günstiges Kombitiket kaufen. Für das Alte Schloss Schleißheim beträgt der Eintritt 4,00 € regulär und 3,00 € ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre besuchen es kostenlos. Das Neues Schloss Schleißheim kostet 7,00 € regulär und 6,00 € ermäßigt, auch hier ist der Eintritt für alle unter 18 frei und ein Audioguide ist gegen Gebühr verfügbar. Für das Schloss Lustheim liegt der Eintritt bei 5,00 € regulär und 4,00 € ermäßigt, ebenfalls mit kostenlosem Zugang für Kinder und Jugendliche.
Wer gleich alle drei Schlösser erleben möchte, kann eine Kombikarte kaufen: Dieses Ticket für das Alte Schloss Schleißheim, das Neues Schloss Schleißheim und das Schloss Lustheim kostet 11,00 € regulär und 9,00 € ermäßigt.
Tickets sind ausschließlich direkt vor Ort an der Museumskasse erhältlich. Darüber hinaus sind alle drei Schlösser der Schlossanlage Schleißheim – Altes Schloss Schleißheim, Neues Schloss Schleißheim und Schloss Lustheim – im Turbopass München (München Card, München City Pass) enthalten, wodurch entweder Rabatt auf den Eintritt oder sogar kostenlosen Eintritt ermöglicht wird.
