Industriegeschichte und antike Kunst treffen in Rom nur selten so unmittelbar aufeinander wie in der Centrale Montemartini. Das Museum verbindet römische Skulpturen von höchstem Rang mit einer ehemaligen Energiezentrale des frühen 20. Jahrhunderts und schafft dadurch einen Ausstellungsort, der sich bewusst von klassischen Museumsarchitekturen abhebt. Statt neutraler Säle prägen Turbinen, Kessel und Maschinenhallen den Rahmen, in dem antike Bildwerke neu gelesen werden können.
Als Teil der Kapitolinischen Museen nimmt die Centrale Montemartini eine besondere Stellung ein. Sie entstand nicht aus einem repräsentativen Bauwillen, sondern aus der Umnutzung eines funktionalen Zweckbaus, der einst die Stromversorgung der Stadt sicherte. Gerade dieser Ursprung verleiht dem Museum seine besondere Atmosphäre: Antike Götterfiguren, Kaiserporträts und Reliefs treten hier in einen spannungsvollen Dialog mit der Ästhetik industrieller Moderne. Geschichte wird nicht isoliert präsentiert, sondern in unterschiedlichen Zeitschichten erfahrbar gemacht.
Der folgende Beitrag stellt die Entwicklung der Centrale Montemartini vor, erläutert ihre architektonischen Besonderheiten und gibt einen Überblick über die Ausstellungen und Sammlungen. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Tickets, Preisen und Besuchsmöglichkeiten, die Ihnen eine gezielte Planung Ihres Museumsbesuchs ermöglichen.
Geschichte
Wo heute Kunst bewundert wird, begann einst ein zentrales Kapitel der modernen Stadtentwicklung Roms. Die Centrale Montemartini entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Phase tiefgreifender technischer und politischer Umbrüche. Nach einem kommunalen Referendum im Jahr 1909 entschied sich Rom für die Verstaatlichung zentraler Versorgungsleistungen. In diesem Zusammenhang wurde die städtische Elektrizitätsgesellschaft gegründet, deren erstes großes Projekt der Bau eines öffentlichen Wärmekraftwerks war. Der Standort an der Via Ostiense erwies sich als strategisch sinnvoll, da Nähe zum Tiber, gute Verkehrsverbindungen und die Lage außerhalb der damaligen Steuerzone ideale Bedingungen boten.
Am 30. Juni 1912 wurde die Anlage feierlich eröffnet. Bereits einen Tag später begann die Energieproduktion. Benannt wurde das Werk 1913 nach Giovanni Montemartini, einem engagierten Stadtrat und Vordenker der kommunalen Versorgungspolitik, der während einer Sitzung des Gemeinderats verstarb. Über Jahrzehnte trug das Kraftwerk maßgeblich zur Stromversorgung der wachsenden Metropole bei und spielte besonders in Zeiten hoher Nachfrage eine wichtige Rolle. Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Anlage funktionsfähig und war zeitweise die einzige verlässliche Energiequelle der Stadt.
Mit dem technischen Fortschritt verlor das Werk jedoch an wirtschaftlicher Bedeutung. 1963 wurde der Betrieb eingestellt. In den folgenden Jahren blieb das Gebäude weitgehend ungenutzt und stand zeitweise sogar vor dem Abriss. Erst gegen Ende der 1980er Jahre setzte ein Umdenken ein. Der Energieversorger Acea entschloss sich zu einer umfassenden Restaurierung, bei der die historische Substanz erhalten und für neue Zwecke vorbereitet wurde.
Den entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1997. Aufgrund umfangreicher Renovierungsarbeiten auf dem Kapitol suchte die zuständige Denkmalbehörde nach Ausweichflächen für bedeutende Sammlungsbestände. Die großzügigen Hallen der ehemaligen Zentrale boten dafür ideale Voraussetzungen. Aus einer zunächst provisorischen Lösung entwickelte sich ein dauerhaftes Museumskonzept. Mit der Ausstellung „Macchine e Dei“ öffnete die Centrale Montemartini erstmals ihre Türen für die Öffentlichkeit und wurde offiziell Teil der Kapitolinischen Museen.
Seither steht die Centrale Montemartini für einen gelungenen Wandel: von einem Symbol industrieller Moderne zu einem festen Bestandteil der römischen Museumslandschaft, getragen von Geschichte, Weitblick und behutsamer Umnutzung.
Architektur

Zwischen mächtigen Backsteinmauern und technischer Monumentalität entfaltet sich ein Bauwerk, das bis heute durch seine klare Formsprache beeindruckt. Die Centrale Montemartini in Rom ist ein herausragendes Beispiel industrieller Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und verbindet funktionale Planung mit repräsentativer Wirkung. Errichtet wurde die Anlage 1912 als modernes thermisches Kraftwerk, dessen bauliche Struktur konsequent auf Effizienz, Stabilität und Dauerhaftigkeit ausgelegt war.
Schon die äußere Erscheinung wirkt streng und zugleich ausgewogen. Große Fensterflächen gliedern die Fassaden und sorgen für reichlich Tageslicht im Inneren. Massive Ziegel, Stahlträger und sichtbare Konstruktionselemente prägen den Charakter des Gebäudes. Der industrielle Ursprung bleibt bewusst ablesbar und verleiht dem Ensemble eine authentische Ausstrahlung. Besonders markant ist die frühere Maschinenhalle, deren großzügige Raumhöhe und klare Achsführung bis heute den architektonischen Mittelpunkt bilden.
Im Inneren überzeugt die Centrale Montemartini durch eine offene, fast sakrale Raumwirkung. Hohe Decken, weite Spannweiten und robuste Materialien schaffen eine eindrucksvolle Kulisse. Historische Turbinen, Kessel und Dieselmotoren wurden baulich integriert und bestimmen weiterhin die Wahrnehmung der Räume. Architektur und Technik bilden hier eine untrennbare Einheit, ohne dass spätere Eingriffe den ursprünglichen Charakter verfälschen.
Auch die ehemalige Kesselhalle folgt diesem Prinzip. Ihre streng funktionale Gestaltung mit klaren Linien, Stahlkonstruktionen und industriellen Oberflächen vermittelt eindrucksvoll die Dimensionen moderner Energieerzeugung jener Zeit. Gleichzeitig erlauben die großzügigen Flächen flexible Nutzungen, was die bauliche Qualität zusätzlich unterstreicht.
Die Umnutzung zum Museumsgebäude erfolgte mit großem Respekt vor der bestehenden Substanz. Statt Verkleidung oder Verfremdung setzte man auf Sichtbarkeit und Erhalt. Dadurch blieb die industrielle Identität vollständig erhalten und macht die Centrale Montemartini heute zu einem architektonischen Unikat in Rom.
Ergänzt wird das Ensemble im Außenbereich durch kunstvoll gestaltete gusseiserne Leuchten, die einen spannenden Kontrast zur sachlichen Industriearchitektur bilden. Insgesamt zeigt die Centrale Montemartini, wie funktionale Zweckbauten durch kluge Planung, robuste Materialien und klare Gestaltung zu zeitlosen Architekturzeugen werden können, die auch lange nach ihrer ursprünglichen Nutzung überzeugen.
Ausstellungen und Sammlungen

In weitläufigen Ausstellungsräumen begegnen sich römische Bildwerke und archäologische Fundensembles in einer außergewöhnlich dichten Präsentation. Großzügige Räume ermöglichen einen klar strukturierten Rundgang, bei dem jedes Objekt bewusst platziert ist. Die Inszenierung legt Wert auf Übersicht, ruhige Blickführung und verständliche Zusammenhänge. Dadurch entsteht ein unmittelbarer Zugang zu Werken, die sonst oft im Depot verborgen bleiben.
Der museale Fokus liegt vollständig auf den Ausstellungen und Sammlungen der Kapitolinischen Museen. Gezeigt werden archäologische Zeugnisse aus Rom, die überwiegend aus systematischen Grabungen zwischen dem späten 19. Jahrhundert und den 1930er-Jahren stammen. Zeitlich reicht das Spektrum von der römischen Republik bis in die hohe Kaiserzeit. Die Centrale Montemartini vermittelt diese Vielfalt mit klarer Gliederung und gut nachvollziehbarer Dramaturgie.
Sala Colonne – Frühe Stadt und republikanische Werte
Im Erdgeschoss stehen Werke aus der republikanischen Epoche im Mittelpunkt. Realistische Porträts des 1. Jahrhunderts v. Chr. verdeutlichen das römische Ideal von Tugend und Herkunft. Ergänzt wird dieser Bereich durch Grabfunde aus der Esquilin-Nekropole sowie durch ausgewählte Sarkophage der Kaiserzeit. Besonders hervorzuheben ist der Sarkophag der Crepereia Tryphaena, dessen Schmuck und Beigaben einen seltenen Einblick in private Lebenswelten geben.
Sala Macchine – Öffentliche Monumente Roms
Dieser Bereich versammelt Skulpturen und Fragmente aus dem monumentalen Zentrum der Stadt. Tempel, Theater und Heiligtümer bilden den historischen Hintergrund der Exponate. Ein zentraler Höhepunkt ist der originale Giebelschmuck des Apollon-Tempels Sosianus mit einer Amazonomachie aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., der in augusteischer Zeit nach Rom gelangte. Ergänzend sind Kaiserporträts und bedeutende Götterdarstellungen zu sehen.
Sala Caldaie – Kunst für Gärten und Residenzen
Der dritte Schwerpunkt widmet sich der Ausstattung privater und kaiserlicher Anwesen. Skulpturen, Mosaike und Kopien griechischer Originale stammen aus berühmten Gartenanlagen wie den Horti Sallustiani oder den Horti Liciniani. Ein großformatiges Jagdmosaik sowie fein gearbeitete Figuren wie die Muse Polymnia veranschaulichen den hohen ästhetischen Anspruch römischer Wohnkultur.
Ausgewählte Highlights der Sammlung:
- Kolossaler Kopf der Göttin Fortuna aus dem Bereich Largo Argentina
- Jagdmosaik aus den Horti Liciniani
- Muse Polymnia als römische Kopie eines hellenistischen Vorbilds
- Repräsentative Kaiserporträts aus verschiedenen Epochen
Die Centrale Montemartini bietet damit einen klar gegliederten, faktenbasierten Überblick über zentrale Kapitel römischer Kunstgeschichte.
Tickets, Preise und Angebote
Das Centrale Montemartini ist Teil des Museumsverbundes der Kapitolinischen Museen. Anders als bei den anderen Museen kann das Centrale Montemartini jedoch auch als Einzelticket gekauft werden. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 11,00 €, ermäßigte Tickets sind für 6,50 € erhältlich und gelten unter anderem für Studierende sowie für Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.
Alternativ können Sie auch Tickets für die Kapitolinischen Museen inklusive Centrale Montemartini erwerben. Diese kosten 19,00 € für Erwachsene und 15,00 € ermäßigt.
Alle Tickets können problemlos online als digitales Ticket erworben werden. Dabei wird insbesondere an stark besuchten Tagen eine Online-Reservierung mit Angabe eines Zeitfensters empfohlen.
Museen in der Umgebung von der Centrale Montemartini
Die Centrale Montemartini verbindet auf außergewöhnliche Weise antike Skulpturen mit der Ästhetik eines ehemaligen Kraftwerks und schafft so einen eindrucksvollen Dialog zwischen Industriegeschichte und klassischer Kunst. In der Umgebung laden weitere Museen und Kulturorte dazu ein, Roms vielschichtige Geschichte jenseits der klassischen Pfade zu entdecken.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Centrale Montemartini in Rom.
Adresse
Centrale Montemartini
Via Ostiense 106
00154 Rom
Italien
Öffnungszeiten
- Montag bis Freitag
09:00 – 19:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+39 06 0608 - Website:
Zum Museum



