Mitten in Rom vereinen die Galleria Nazionali di Arte Antica zwei der bedeutendsten Palastbauten der Stadt zu einem einzigartigen Museumskonzept. Anders als klassische Museen, die in einem einzigen Gebäude organisiert sind, erstreckt sich diese nationale Galerie über zwei historische Residenzen: den monumentalen Palazzo Barberini und die elegante Galleria Corsini. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte europäischer Malerei vom Mittelalter bis zum Spätbarock – eingebettet in Architektur, die selbst Teil dieser Geschichte ist.
Die Galleria Nazionali di Arte Antica stehen exemplarisch für den römischen Umgang mit Kunst: Werke werden nicht isoliert präsentiert, sondern im Dialog mit ihren historischen Räumen gezeigt. Besucher erleben hier nicht nur herausragende Gemälde, sondern auch zwei unterschiedliche Kapitel römischer Bau-, Sammel- und Museumsgeschichte. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden ehemals private Kunstsammlungen systematisch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bilden heute einen zentralen Pfeiler der staatlichen Museumslandschaft Italiens.
Ein Besuch der Galleria Nazionali di Arte Antica ist damit mehr als ein klassischer Museumsrundgang. Er ist eine Reise durch fünf Jahrhunderte Malerei, durch barocke Repräsentation und aristokratische Wohnkultur – und zugleich ein Einblick in die Entwicklung moderner Museumsarbeit in Rom.
Die zwei Standorte der Galleria Nazionali di Arte Antica
Die Institution umfasst zwei räumlich getrennte, inhaltlich aufeinander abgestimmte Museen, die gemeinsam eine der wichtigsten Gemäldesammlungen Italiens bilden:
- Palazzo Barberini
- Galleria Corsini (Palazzo Corsini)
Beide Standorte verfügen über eigene architektonische Identitäten und Sammlungsschwerpunkte. Zusammen ergeben sie ein geschlossenes Gesamtbild, das Besucher flexibel und je nach Interesse entdecken können.
Palazzo Barberini

Der Palazzo Barberini bildet das monumentale Herzstück der Galleria Nazionali di Arte Antica und gehört zu den architektonisch wie kunsthistorisch bedeutendsten Museumsstandorten Roms. Errichtet im 17. Jahrhundert als Familiensitz der einflussreichen Barberini-Dynastie, verkörpert der Palast den Anspruch des römischen Barock, Macht, Repräsentation und kulturelle Führungsrolle sichtbar zu machen. Bereits die Architektur des Gebäudes ist Ausdruck dieses Selbstverständnisses: Der innovative H-förmige Grundriss öffnet den Palast zum Garten hin und schafft großzügige Raumfolgen, die Licht, Bewegung und Inszenierung bewusst einbeziehen.
Die Zusammenarbeit von Carlo Maderno, Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini verleiht dem Palazzo Barberini eine außergewöhnliche architektonische Dichte. Besonders prägend sind die beiden kontrastierenden Treppenanlagen – eine streng monumentale Prunktreppe und eine dynamisch geschwungene Wendeltreppe –, die beispielhaft für die Experimentierfreude des römischen Barock stehen. Der große Festsaal mit seinem beeindruckenden Deckenfresko von Pietro da Cortona macht den Palast selbst zu einem Gesamtkunstwerk.
In diesem architektonischen Rahmen entfaltet sich eine der bedeutendsten Sammlungen Alter Meister in Italien. Der Palazzo Barberini präsentiert Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert in einer klar gegliederten, chronologischen Struktur. Besucher können stilistische Entwicklungen vom Mittelalter über Renaissance und Manierismus bis zum Hoch- und Spätbarock unmittelbar nachvollziehen. Dabei stehen weltberühmte Werke nicht isoliert, sondern stets im Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten.
Zu den Höhepunkten zählen Gemälde von Raffael, Caravaggio, Filippo Lippi, Guido Reni, Guercino und Hans Holbein dem Jüngeren. Besonders Caravaggios Werke verdeutlichen den revolutionären Umgang mit Licht, Realismus und emotionaler Zuspitzung, der die europäische Malerei nachhaltig veränderte. Ergänzt wird die italienische Malerei durch ausgewählte internationale Positionen, die den Palazzo Barberini zu einem Ort des europäischen Vergleichs machen.
Der Besuch des Palazzo Barberini verbindet damit große Kunst mit großformatiger Architektur. Er richtet sich sowohl an kunsthistorisch Interessierte als auch an Besucher, die Rom über seine Paläste, seine Machtgeschichte und seine kulturelle Strahlkraft verstehen möchten.
Galleria Corsini

Die Galleria Corsini im Palazzo Corsini bildet den bewusst ruhigeren, intimeren Gegenpol zum monumentalen Palazzo Barberini. Gelegen an der Via della Lungara, unweit des Tiberufers, vermittelt dieser Standort einen unmittelbaren Eindruck aristokratischer Wohn- und Sammlungskultur. Der Palast verbindet Renaissance-Strukturen mit einer eleganten Umgestaltung des 18. Jahrhunderts und bewahrt bis heute den Charakter einer historischen Residenz.
Architektonisch zeichnet sich der Palazzo Corsini durch klare Fassaden, ausgewogene Proportionen und eine enge Beziehung zum angrenzenden Garten aus. Innenräume und Raumfolgen sind weniger auf dramatische Inszenierung ausgelegt, sondern auf Harmonie, Übersicht und Konzentration. Genau diese Atmosphäre prägt auch das Ausstellungskonzept der Galleria Corsini.
Die Sammlung wird hier in der Tradition einer historischen Quadreria präsentiert. Die dichte Hängung der Gemälde folgt nicht modernen museumspädagogischen Prinzipien, sondern orientiert sich bewusst am Sammlerblick des 18. Jahrhunderts. Besucher erleben die Werke so, wie sie einst in privaten Palästen gezeigt wurden – im direkten Nebeneinander verschiedener Schulen, Themen und Formate. Dadurch ergeben sich spannende visuelle Vergleiche und ein unmittelbares Verständnis für kunsthistorische Zusammenhänge.
Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Malerei vom späten Mittelalter bis zum Hochbarock, mit starkem Fokus auf römische und italienische Künstler, ergänzt durch bedeutende internationale Positionen. Werke von Caravaggio, Peter Paul Rubens, Guercino, Salvator Rosa und anderen Meistern verdeutlichen die stilistische Vielfalt dieser Epoche. Dabei steht nicht das einzelne ikonische Werk im Vordergrund, sondern der Dialog zwischen Bildern, Farben und Bildideen.
Besonders reizvoll ist die Verbindung von Gemälden, historischen Möbeln und ausgewählten Sammlungsobjekten, die den Palazzo Corsini als gewachsenen Ort erfahrbar machen. Besucher erhalten hier nicht nur Einblick in Kunstgeschichte, sondern auch in die Denkweise und Ästhetik früher Sammler.
Die Galleria Corsini richtet sich an Besucher, die Kunst in Ruhe entdecken möchten und Wert auf Atmosphäre, Nähe und historische Authentizität legen. Zusammen mit dem Palazzo Barberini entsteht so ein Museumserlebnis, das zwei Perspektiven auf dieselbe Epoche eröffnet – monumental und intim, staatlich und privat.
Ein Museum – zwei Perspektiven
Gerade die Verbindung beider Standorte macht den besonderen Reiz der Galleria Nazionali di Arte Antica aus. Während der Palazzo Barberini einen weit gespannten Überblick und monumentale Wirkung bietet, ermöglicht die Galleria Corsini einen intimen Zugang zur Kunst des Sammelns. Besucher erhalten so zwei Perspektiven auf dieselbe Epoche – monumental und persönlich, staatlich und privat, didaktisch und atmosphärisch.
Diese Struktur unterscheidet die Galleria Nazionali di Arte Antica deutlich von vielen anderen Museen Roms und macht sie zu einem zentralen Anlaufpunkt für alle, die Alte Meister nicht nur sehen, sondern verstehen möchten.
Tickets, Preise und Angebote
Ein kombiniertes Ticket ermöglicht den Zugang zu beiden Standorten der Galleria Nazionali di Arte Antica und bietet damit maximale Flexibilität bei der Besuchsplanung. Besucher können die Paläste an einem Tag oder an unterschiedlichen Tagen erkunden und ihren Rundgang individuell gestalten.
Aktuelle Informationen zu Tickets, Preisen, Öffnungszeiten und Sonderausstellungen finden Sie auf den jeweiligen Unterseiten zu Palazzo Barberini und Galleria Corsini. Dort erhalten Sie auch Hinweise zu Anreise, Barrierefreiheit und temporären Ausstellungsschwerpunkten.
