Palazzo Nuovo

Als Teil der Kapitolinischen Museen nimmt der Palazzo Nuovo eine besondere Stellung ein. Er ist kein historisch gewachsener Adelssitz, sondern ein bewusst geplanter Museumsbau, der von Anfang an für die Präsentation antiker Skulpturen vorgesehen war. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Palazzo dei Conservatori bildet er den architektonischen Rahmen der Piazza del Campidoglio und vollendet jenes städtebauliche Konzept, das Michelangelo im 16. Jahrhundert entworfen hatte.

Der Palazzo Nuovo steht damit für einen entscheidenden Moment der europäischen Museumsgeschichte: den Übergang von privaten Antikensammlungen zu öffentlich zugänglichen, systematisch geordneten Ausstellungen. Seine Räume sind bis heute klar auf Wirkung, Vergleich und Übersicht angelegt und vermitteln einen konzentrierten Blick auf römische Skulptur, Porträtkunst und Inschriften. Anders als viele spätere Museumsbauten versteht sich der Palazzo Nuovo nicht als neutraler Ausstellungsraum, sondern als architektonischer Teil einer übergeordneten Platz- und Sammlungsidee.

Dieser Beitrag führt Sie durch die Entstehungsgeschichte des Palazzo Nuovo, erläutert seine architektonischen Besonderheiten und stellt die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Tickets, Preisen und Besuchsmodalitäten, die Ihnen eine gezielte Planung Ihres Besuchs auf dem Kapitol erleichtern.

Geschichte

Die heutige Wirkung des Kapitolsplatzes geht auf eine jahrzehntelange Planung zurück, deren Vollendung erst mit dem Bau des Palazzo Nuovo möglich wurde. Um Michelangelos Konzept einer harmonisch gefassten Piazza zu vollenden, brauchte es neben dem Palazzo dei Conservatori ein gleichwertiges Gegenüber. Genau aus diesem Anspruch heraus entstand der Palazzo Nuovo: nicht als spontaner Neubau, sondern als spätes Bindeglied eines langfristigen Stadt- und Sammlungsvorhabens. Die Ausführung erfolgte erst im 17. Jahrhundert und lag unter der Leitung von Girolamo Rainaldi sowie seines Sohnes Carlo, die das Projekt im Sinne der vorhandenen Planung weiterführten. Mit dieser Erweiterung bekam Rom endlich die räumliche Grundlage, um die kapitolinischen Bestände geordnet auszubauen, ohne den historischen Kern zu überladen.

Mit der neuen Fläche gewann auch die Idee eines öffentlichen Museums an Gewicht. Unter Papst Clemens XII. wurde der Museumsbereich auf dem Kapitol 1734 für Besucher geöffnet. Bereits im Jahr davor hatte der Pontifex die Albani-Sammlung erworben, ausdrücklich als große Ergänzung für die Präsentation: 418 Skulpturen bildeten einen gewichtigen Grundstock, der den Ausbau im Palazzo Nuovo entscheidend voranbrachte. Damit wurde das Haus zu einem zentralen Teil der Kapitolinischen Museen und zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass Antiken nicht nur bewahrt, sondern zugänglich gemacht werden sollten.

Diese Entstehungsgeschichte erklärt, warum der Palazzo Nuovo bis heute mehr ist als ein weiterer Palast am Campidoglio. Er steht für den Moment, in dem Planung, politische Entscheidung und Sammlungspraxis zusammenfanden. Wer den Ort besucht, folgt daher auch einer Linie, die von der Idee der Platzvollendung über den Bau im 17. Jahrhundert bis zur öffentlichen Öffnung im 18. Jahrhundert reicht.

Architektur

Wer die breite Cordonata hinaufgeht, erlebt zuerst die klare Platzregie des Kapitols: Die Gebäude stehen nicht rechtwinklig, sondern folgen einer trapezförmigen Ordnung, die den Raum optisch weitet und zugleich bündelt. Links der Rampe erscheint der Palazzo Nuovo als ruhiger Gegenpol zum gegenüberliegenden Palazzo dei Conservatori und vollendet damit das ausgewogene Bild des Ensembles. Seine Außenansicht greift die klassische Strenge der Kapitolsarchitektur auf: eine regelmäßige Fassadengliederung, kraftvolle vertikale Elemente und eine zurückhaltende Rhythmik, die den Blick sauber führt.

Im Inneren setzt sich dieses Prinzip fort, denn Grundriss und Raumfolgen sind bewusst symmetrisch angelegt. Dadurch wirkt der Weg durch die Säle geordnet, ohne monoton zu werden. Achsen und Durchblicke sind so gesetzt, dass sich immer wieder ein stimmiger Perspektivwechsel ergibt, während Wandgliederungen, Nischen und Pilaster das Auge in ruhigen Bahnen halten. Besonders prägnant ist der Hof, der als offenes Zentrum zwischen Platz und Innenräumen dient. Dort dominiert eine große Nische an der Stirnseite, in der der Marforio als kolossale Flussgottfigur in einen Brunnen eingebunden ist und die Mittelachse markiert. Flankierend stehen Granitsäulen mit ägyptisierenden Reliefs, deren Oberflächenstruktur einen spannenden Kontrast zur glatten Steinarchitektur schafft. Auch die Treppen und Vorbereiche sind als repräsentative Übergänge gestaltet: großzügige Läufe, klare Proportionen und dekorative Details lenken den Schritt nach oben, ohne den Raum zu überladen. In den Hauptsälen prägen reiche Kassettendecken aus Holz mit vergoldeten Partien die Wirkung und geben dem Palazzo Nuovo eine warme, fast wohnliche Würde.

Genau diese Kombination aus strenger Ordnung und feinem Dekor macht den Palazzo Nuovo zu einem der überzeugendsten Architekturbausteine auf dem Kapitol.

Ausstellungen und Sammlungen

Palazzo Nuovo - Rom - Innenraum: Saal der Kaiser (Sala degli Imperatori) mit zahlreichen Büsten römischer Kaiser
Saal der Kaiser (Sala degli Imperatori) mit Büsten römischer Kaiser

Zwischen Marmornischen und ruhigen Korridoren entfaltet sich eine Sammlung, die den Blick sofort auf antike Originale und römische Kopien lenkt. Palazzo Nuovo zeigt Skulpturen, Inschriften und Porträts so, wie ein Museum des 18. Jahrhunderts sie ordnete: dicht, anschaulich und überraschend abwechslungsreich. Viele Stücke stammen aus einstigen Privatbeständen römischer Adelsfamilien sowie hochrangiger Kirchenkreise. Dadurch wirkt der Rundgang wie ein konzentriertes Panorama klassischer Bildwelten, von Göttern bis zu Kaisern, ohne lange Umwege.

Wer hier startet, kann die wichtigsten Highlights gut in Etappen lesen. Palazzo Nuovo führt zunächst über markante Auftakträume, dann durch Galerien mit Reihen von Figuren, und endet bei Sälen, in denen Porträts und Meisterwerke gezielt in Szene stehen. Die Wirkung entsteht durch Kontraste: kolossale Formen neben feinen Details, strenge Marmorporträts neben erzählerischen Reliefs. Für Touristen ist das angenehm, weil Orientierung leicht bleibt und jeder Raum ein klares Thema setzt.

Cortile und Atrio: Monumental beginnen

Im Hof steht die Marforio-Fontäne mit einem kolossalen Flussgott, der als Marforio bekannt ist. Daneben fallen Granitsäulen mit ägyptisierenden Reliefs auf, die aus dem Isis- und Serapis-Heiligtum im Campo Marzio stammen. Gleich anschließend empfängt das Atrio mit großen Nischen und Statuen, darunter Minerva, der kolossale Mars „Pyrrhus“ sowie ein verschleierter Hadrian als Pontifex Maximus. Inschriften an den Wänden ergänzen das Bild mit viel Alltag aus Rom.

Sala Egizia: Ägyptische Götter in der Hauptstadt

Die Sala Egizia sammelt Objekte aus dem wichtigsten römischen Heiligtum für Isis und Serapis. Sphingen, kleine Obelisken und Tierformen erinnern an Prozessionen und Rituale, wie sie im Campo Marzio inszeniert wurden. So wird verständlich, wie fremde Kulte im Imperium sichtbar wurden.

Galerie und Kabinette: Der Kern der Skulpturenschau

Die lange Galleria setzt auf dekorative Reihen, oft mit römischen Kopien nach griechischen Vorbildern. Dazu kommen konzentrierte Höhepunkte in kleineren Räumen:

  • Sala delle Colombe mit dem berühmten Taubenmosaik aus der Villa Hadriana in Tivoli
  • Gabinetto della Venere mit der Venere Capitolina, später an das Museum gelangt
  • Sala degli Imperatori mit 67 Porträts von Augustus bis zur Spätantike
  • Sala dei Filosofi mit Denkern, Dichtern und Rednern der Antike

Zum Abschluss lohnt ein Abstecher in weitere Säle: Im Salone beeindrucken die beiden Centauren aus Tivoli mit den Signaturen von Aristeas und Papias, während die Sala del Fauno die bronzene Tafel der Lex de imperio Vespasiani zeigt. Wer ikonische Dramatik sucht, steuert die Sala del Gladiatore an, wo der Sterbende Galater als stilles Finale wirkt.

Tickets, Preise und Angebote

Der Palazzo Nuovo in Rom ist Teil der Kapitolinischen Museen. Mit einem Ticket für den gesamten Museumsverbund erhalten Sie Zugang zu allen dazugehörigen Gebäuden, darunter der Palazzo dei Conservatori und das Tabularium.

Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt 15,00 €. Ermäßigte Tickets sind für 9,50 € erhältlich und gelten unter anderem für EU-Bürger zwischen 18 und 25 Jahren sowie Studierende. Besucher unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt.

Beim Kauf der Tickets müssen Sie ein festes Zeitfenster für Ihren Besuch auswählen. Aufgrund des hohen Besucherandrangs wird eine Online-Reservierung empfohlen.

Museen in der Umgebung vom Palazzo Nuovo

Der Palazzo Nuovo ergänzt als klassizistischer Bau das Ensemble der Kapitolinischen Museen und beherbergt eine bedeutende Sammlung antiker Skulpturen, die das kulturelle Erbe Roms eindrucksvoll widerspiegelt. In seiner unmittelbaren Umgebung eröffnen weitere Museen und historische Gebäude am Kapitol vielfältige Möglichkeiten, die Kunst- und Geschichte der Antike aus unterschiedlichen Perspektiven zu erkunden.

Entfernung: 0,08 km

Palazzo dei Conservatori - Rom - Außenansicht des Gebäudes mit der von Michelangelo entworfene Renaissance-Fassade
Palazzo dei Conservatori - © Tournasol7, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Entfernung: 0,12 km

Tabularium - Rom - Außenansicht von der Sicht des Forum Romanum
Tabularium - © Greg O'Beirne, Wikimedia Commons, CC BY 2.5

Entfernung: 0,32 km

Forum Romanum - Rom - Panoramaansicht auf die Ruinen
Forum Romanum

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Palazzo Nuovo in Rom.

Adresse

Palazzo Nuovo
Piazza del Campidoglio 1
00186 Rom
Italien

Öffnungszeiten

  • Dienstag bis Sonntag
    09:30 – 19:30 Uhr

Kontakt