Natural History Museum

Im Londoner Stadtteil South Kensington, an der Cromwell Road gelegen, zählt das Natural History Museum zu den zentralen Institutionen für Naturkunde und Wissenschaftsvermittlung im Vereinigten Königreich. Es ist Teil eines eng vernetzten kulturellen Umfelds und widmet sich der Erforschung und Darstellung der Entwicklung des Lebens auf der Erde sowie der Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt und Biodiversität.

Das Natural History Museum verbindet historische Sammlungen mit aktueller Forschung und moderner Ausstellungspraxis. Die Bestände umfassen rund 80 Millionen Objekte aus Zoologie, Botanik, Paläontologie und Mineralogie. In den Ausstellungen werden naturwissenschaftliche Zusammenhänge ebenso vermittelt wie gegenwärtige Fragestellungen, etwa zu Klima, Artenvielfalt und nachhaltiger Entwicklung. Einrichtungen wie der Darwin Centre machen zudem die wissenschaftliche Arbeit hinter den Sammlungen sichtbar.

Der folgende Überblick führt durch Geschichte, Architektur und Ausstellungen des Natural History Museum und ergänzt diese Darstellung abschließend um Hinweise zu Tickets, Preisen und Eintritt.

Geschichte

Die Ursprünge des Natural History Museum reichen bis in das Jahr 1753 zurück. In diesem Jahr vermachte der Arzt und Sammler Sir Hans Sloane seine umfangreiche Sammlung von mehr als 71.000 Objekten der britischen Nation. Diese Bestände bildeten einen wesentlichen Grundstock des British Museum, in dem naturkundliche Objekte zunächst gemeinsam mit anderen Sammlungen präsentiert wurden.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchsen die naturhistorischen Bestände erheblich an, sodass die vorhandenen Räume im British Museum nicht mehr ausreichten. Eine zentrale Rolle spielte der Naturforscher Richard Owen, der 1856 die Leitung der naturkundlichen Sammlungen übernahm. Er setzte sich für ein eigenständiges Gebäude ein, das diese Bestände aufnehmen und zugleich einem breiten Publikum zugänglich machen sollte.

Ein Wettbewerb zur Planung eines Neubaus wurde 1864 von Francis Fowke gewonnen. Nach dessen Tod übernahm Alfred Waterhouse die weitere Ausarbeitung und entwickelte die endgültige Gestaltung für den Standort in South Kensington. Mit der Eröffnung am 18. April 1881 erhielt die Sammlung erstmals ein eigenes Gebäude, blieb organisatorisch jedoch weiterhin Teil des British Museum.

Erst 1963 wurde eine eigenständige Verwaltung durch ein separates Board of Trustees eingerichtet. Die offizielle Bezeichnung Natural History Museum wurde 1992 eingeführt. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Museum kontinuierlich erweitert und modernisiert. 1986 wurden die Bestände des Geological Museum integriert, wodurch die geowissenschaftlichen Sammlungen erheblich erweitert wurden.

Ein weiterer bedeutender Schritt war die Eröffnung des Darwin Centre im Jahr 2009, das Forschung, Sammlung und Öffentlichkeit enger miteinander verbindet. 2017 wurde die zentrale Halle neu gestaltet und das Skelett eines Blauwals als neues zentrales Objekt installiert. 2024 wurden die Museumsanlagen durch neugestaltete Gärten ergänzt, die die Entwicklung des Lebens auf der Erde auch im Außenraum thematisieren.

Architektur

Natural History Museum - London - Innenarchitektur: Kathedralartige Halle mit großen Rundbögen, detailreicher Steinarchitektur und imposanten Treppenaufgängen zu den Ausstellungsebenen
Innenarchitektur: Kathedralartige Halle mit Treppenaufgang zu den Ausstellungsebenen

Das Gebäude des Natural History Museum in South Kensington gehört zu den markanten Museumsbauten des späten 19. Jahrhunderts in London. Alfred Waterhouse entwarf den Bau in einer Formensprache, die sich an der Romanik orientiert und durch eine monumentale, symmetrische Gestaltung geprägt ist.

Ein wesentliches Merkmal der Architektur ist die Verwendung von Terrakotta für die gesamte Fassadengestaltung. Dieses Material wurde bewusst gewählt, da es widerstandsfähig gegenüber den Umweltbedingungen des viktorianischen Londons war. Gleichzeitig ermöglichte es eine detaillierte Ausarbeitung dekorativer Elemente, die integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts sind.

Das Gebäude ist reich mit Skulpturen, Reliefs und ornamentalen Darstellungen von Tieren und Pflanzen versehen. Diese dekorativen Elemente folgen einem systematischen Prinzip: Im Ostflügel werden ausgestorbene Arten thematisiert, während der Westflügel lebenden Arten gewidmet ist. Damit wird die inhaltliche Ausrichtung des Museums bereits in der Architektur sichtbar gemacht.

Im Inneren bildet die zentrale Halle, heute als Hintze Hall bezeichnet, den räumlichen Mittelpunkt. Sie fungiert als Verteilerraum zu den verschiedenen Ausstellungsbereichen und verbindet die historische Architektur mit modernen Präsentationsformen. Seit der Neugestaltung im Jahr 2017 wird der Raum durch das Skelett eines Blauwals geprägt, das die Dimensionen und Fragilität mariner Ökosysteme veranschaulicht.

Ergänzt wird der historische Bau durch spätere Erweiterungen. Besonders hervorzuheben ist der Darwin Centre, der 2009 eröffnet wurde und als moderner Forschungs- und Sammlungsbereich konzipiert ist. Die Architektur des Museums zeigt damit die Entwicklung von einem repräsentativen Museumsbau des 19. Jahrhunderts zu einem komplexen wissenschaftlichen Standort.

Ausstellungen und Sammlungen

Natural History Museum - London - Hintze Hall: Historische Museumshalle mit einem riesigen Blauwal-Skelett, das an der Decke hängt
Hintze Hall: Historische Museumshalle mit einem riesigen Blauwal-Skelett

Die Ausstellungen des Natural History Museum sind darauf ausgerichtet, die Vielfalt des Lebens auf der Erde sowie deren Entwicklung über geologische Zeiträume hinweg darzustellen. Dabei werden klassische naturkundliche Präsentationen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpft. Die Ausstellungsbereiche sind thematisch gegliedert und vermitteln sowohl Grundlagenwissen als auch komplexe Zusammenhänge zwischen Organismen, Umwelt und Evolution.

Ein wesentliches Merkmal ist die enge Verbindung von Sammlung und Forschung. Viele der gezeigten Objekte stammen aus wissenschaftlichen Beständen, die bis heute aktiv genutzt werden. Dadurch wird das Museum nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Forschungsinstitution erfahrbar. Ergänzend greifen neuere Präsentationen aktuelle Themen wie Biodiversitätsverlust, Klimawandel und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen auf.

Zentrale Themen und Ausstellungseinheiten

Die Sammlungen des Natural History Museum umfassen etwa 80 Millionen Objekte und zählen damit zu den umfangreichsten naturkundlichen Beständen weltweit. Sie verteilen sich auf mehrere große Bereiche, darunter Zoologie, Botanik, Entomologie, Paläontologie und Mineralogie. Besonders umfangreich sind die zoologischen und entomologischen Sammlungen, die jeweils viele Millionen Präparate und Exemplare umfassen.

In den Ausstellungen werden diese Bestände durch unterschiedliche Präsentationsformen erschlossen. In der Hintze Hall stehen großformatige Objekte im Mittelpunkt, darunter das Skelett eines Blauwals sowie weitere bedeutende Exemplare. Die paläontologischen Bereiche zeigen Fossilien aus verschiedenen Erdzeitaltern und verdeutlichen die Entwicklung des Lebens über Millionen von Jahren.

Die geowissenschaftlichen Sammlungen umfassen Gesteine, Mineralien und Meteoriten und vermitteln Einblicke in die Entstehung und Struktur der Erde. Ergänzt wird dieses Spektrum durch botanische Sammlungen, darunter historische Bestände wie das Sloane Herbarium, das zu den bedeutenden frühen Pflanzensammlungen zählt.

Mit Einrichtungen wie dem Darwin Centre wird zudem ein Teil der wissenschaftlichen Arbeit sichtbar gemacht. Hier werden Sammlungen konserviert, erforscht und dokumentiert, während Besucher Einblicke in Arbeitsprozesse der Naturwissenschaften erhalten.

Museums- und kulturhistorische Bedeutung

Das Natural History Museum besitzt eine zentrale Stellung innerhalb der naturkundlichen Museumslandschaft. Es verbindet die Tradition einer aufklärerischen Sammlung mit den Anforderungen moderner Wissenschaft und öffentlicher Bildung. Die Entwicklung von den Sammlungen des 18. Jahrhunderts hin zu einer heutigen Forschungsinstitution spiegelt grundlegende Veränderungen im Umgang mit Wissen und Natur wider.

Seine Bedeutung liegt sowohl in der Größe und Vielfalt der Sammlungen als auch in der Rolle als Forschungsstandort. Die Bestände dienen der wissenschaftlichen Untersuchung biologischer und geologischer Prozesse und bilden eine wichtige Grundlage für internationale Forschung. Gleichzeitig erfüllt das Museum eine breite Bildungsfunktion, indem es komplexe naturwissenschaftliche Themen für ein großes Publikum zugänglich macht.

Der Standort in South Kensington verstärkt diese Rolle, da das Museum in ein Umfeld bedeutender kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen eingebunden ist und so Teil eines größeren Wissensnetzwerks wird.

Besondere Höhepunkte der Sammlungen

  • das Blauwal-Skelett in der Hintze Hall
  • paläontologische Fossilien aus verschiedenen Erdzeitaltern
  • die botanischen Bestände des Sloane Herbarium
  • umfangreiche zoologische Sammlungen
  • die Mineraliensammlung mit Meteoriten
  • geowissenschaftliche Objekte aus dem ehemaligen Geological Museum
  • Sammlungsbestände im Darwin Centre

Das Natural History Museum zeichnet sich dadurch aus, dass es naturwissenschaftliche Forschung, historische Sammlung und architektonische Inszenierung zu einem zusammenhängenden Gesamtbild der Entwicklung des Lebens auf der Erde verbindet.

Tickets, Preise und Angebote

Das Natural History Museum in London kann grundsätzlich kostenlos besucht werden, da für die Dauerausstellungen kein Eintritt verlangt wird. Es wird jedoch empfohlen, vorab ein kostenloses Ticket mit Zeitfenster zu reservieren, um Wartezeiten zu vermeiden.

Kostenpflichtig sind lediglich Sonderausstellungen oder Führungen, die zusätzliche und vertiefende Einblicke bieten und den Museumsbesuch noch bereichern können. Diese Tickets können vorab online gebucht werden.

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Das Natural History Museum beeindruckt mit seiner ikonischen Architektur und faszinierenden Sammlungen zur Entwicklung des Lebens – von Dinosauriern bis zur Erforschung unseres Planeten. In der unmittelbaren Umgebung laden weitere Museen und wissenschaftliche Einrichtungen dazu ein, Londons bedeutendes Kultur- und Wissensquartier aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken

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Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Natural History Museum in London.

Adresse

Natural History Museum
Cromwell Road
London SW7 5BD
Vereinigtes Königreich

Öffnungszeiten

  • Montag bis Sonntag
    10:00 – 17:50 Uhr

Kontakt