Innerhalb der Schlossanlage Schleißheim markiert das Alte Schloss Schleißheim den historischen Ausgangspunkt des Ensembles. Noch bevor das Neue Schloss als monumentaler Residenzbau entstand, entwickelte sich hier aus einer ländlichen Schwaige ein frühneuzeitlicher Fürstensitz. Der Bau dokumentiert damit eine Phase, in der religiöse Rückzugsabsicht, landwirtschaftliche Organisation und repräsentative Architektur erstmals dauerhaft miteinander verbunden wurden. Seine Stellung im Westen der Gesamtanlage macht ihn bis heute zum chronologischen Beginn der Schleißheimer Entwicklung.
Heute ist das Alte Schloss Schleißheim nicht nur baugeschichtliches Zeugnis des frühen 17. Jahrhunderts, sondern zugleich Standort eines eigenständigen Museums. In seinen historischen Räumen sind kultur- und religionsgeschichtliche Sammlungen untergebracht, die thematisch klar strukturiert sind und in einem bewussten Verhältnis zur baulichen Substanz stehen. Die Verbindung von erhaltener Architektur, rekonstruierter Raumstruktur und moderner Ausstellungsgestaltung prägt den Charakter dieses Hauses innerhalb der Gesamtanlage.
Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Alten Schloss Schleißheim, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.
Geschichte
Den Ursprung des Alten Schlosses bildet die Schwaige Schleißheim, die Herzog Wilhelm V. im Jahr 1597 vom Freisinger Domkapitel erwarb. Bereits 1598 ließ er hier ein schlichtes Herrenhaus errichten, den sogenannten Wilhelmsbau, der Mittelpunkt einer regelmäßig angelegten Hofstruktur wurde. Die Anlage umfasste Wirtschaftsgebäude, ein Gestüt sowie eine Brauerei. Aus dieser frühen Phase ist bis heute der zentrale Tor- und Uhrenturm erhalten; die größere Schlagglocke trägt die Datierung 1602.
1616 übernahm Maximilian I. das Gut von seinem Vater. Im darauffolgenden Jahr ließ er das noch junge Herrenhaus bis auf die Kellermauern abbrechen und durch einen Neubau ersetzen. Zwischen 1617 und 1623 entstand das heutige Alte Schloss als Landschloss im Stil der Spätrenaissance mit deutlichen Bezügen zur oberitalienischen Villenarchitektur. Der ausführende Architekt ist nicht eindeutig überliefert; als Beteiligte gelten Hans Krumper und Heinrich Schön, wobei Maximilian selbst maßgeblich Einfluss nahm. An der dekorativen Ausgestaltung mit Stuck und Fresken war Peter Candid beteiligt.
Im 17. Jahrhundert diente das Schloss als Aufenthaltsort der bayerischen Herrscher. Mit dem Bau des Neuen Schlosses verlor es im 18. Jahrhundert an repräsentativer Bedeutung. Seit 1818 wurde die Schlosskapelle nicht mehr liturgisch genutzt; zeitweise teilte eine Zwischendecke den Raum. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Schäden, insbesondere Dach und zahlreiche Innenräume wurden zerstört.
Der Wiederaufbau begann 1970 und führte bis 1986 zu einer umfassenden baulichen Sicherung und Neustrukturierung. Dabei wurden erhaltene Elemente bewahrt, andere Bereiche bewusst für eine museale Nutzung angepasst. Seither ist das Alte Schloss dauerhaft als Museumsstandort zugänglich.
Architektur
Das Alte Schloss Schleißheim ist in eine ausgedehnte Hofanlage eingebunden, die aus dem Maximilianshof und dem Wilhelmshof besteht. Der Tor- und Uhrenturm trennt beide Bereiche und verweist auf die früheste Bauphase um 1600. Die angrenzenden Wirtschaftsgebäude dehnen den Komplex weit nach Westen aus und verdeutlichen den ursprünglichen Charakter als Schwaighof mit landwirtschaftlicher Funktion.
Der Schlossbau selbst ist ein breit gelagerter, verputzter Baukörper mit einem Hauptgeschoss über hohem Kellersockel. Die Fassade wird durch regelmäßige Fensterachsen gegliedert; der Mitteltrakt tritt leicht hervor und markiert den ehemaligen Festsaal. Stilistisch orientiert sich der Bau an der italienisch geprägten Villenarchitektur des frühen 17. Jahrhunderts, vermittelt durch zeitgenössische Architekturtraktate.
Im Inneren ist das ursprüngliche Raumgefüge infolge der Kriegszerstörungen nur teilweise erhalten. Besonders hervorzuheben ist der zentrale Mittelsaal, der heute als Eingangsbereich dient. Die Wilhelmskapelle besitzt noch Gewölbestuck aus der Erbauungszeit. Ihre Ausstattung wurde im Zuge des Wiederaufbaus wieder freigelegt, nachdem eine im 19. Jahrhundert eingezogene Zwischendecke entfernt worden war.
Die Restaurierung ab 1970 verband Sicherung historischer Substanz mit moderner Funktionalität. Kellergewölbe aus der frühen Bauphase wurden dokumentiert und zugänglich gemacht, während Obergeschosse neu strukturiert wurden. Architektur und Ausstellung stehen dadurch in einem klar nachvollziehbaren Verhältnis: Der Bau bleibt als frühneuzeitliches Landschloss erkennbar und ist zugleich funktional als Museum erschlossen.
Ausstellungen und Sammlungen
Im Alten Schloss Schleißheim sind zwei Dauerausstellungen untergebracht, die als Zweigmuseen des Bayerischen Nationalmuseums geführt werden. Beide Sammlungen verfolgen einen kulturhistorischen Ansatz und sind thematisch eigenständig organisiert.
Die Ökumenische Sammlung Gertrud Weinhold – „Das Gottesjahr und seine Feste“ widmet sich religiösen Fest- und Alltagskulturen unterschiedlicher Regionen und Konfessionen. Gezeigt werden mehrere tausend Objekte, darunter Krippendarstellungen, Darstellungen der Passion, liturgische Geräte, Andachtsbilder sowie Exponate aus außereuropäischen Kontexten. Die Präsentation folgt dem Ablauf des Kirchenjahres und arbeitet mit vergleichenden Perspektiven zwischen verschiedenen religiösen Traditionen.
Die Sammlung „Es war ein Land …“ zur Landeskunde Ost- und Westpreußens umfasst rund 400 Objekte. Sie zeichnet historische Entwicklungen von der Ordenszeit bis in das 20. Jahrhundert nach und thematisiert politische Geschichte, Alltagskultur und kulturelle Identität. Gezeigt werden unter anderem kunsthandwerkliche Erzeugnisse, Münzen, Dokumente sowie Objekte mit Bezug zu Persönlichkeiten wie Immanuel Kant oder Lovis Corinth.
Themenstruktur der Sammlung im Alten Schloss Schleißheim
Die Präsentation im Alten Schloss folgt einer klar strukturierten Gliederung. Religiöse Festkultur wird entlang des Jahreslaufs erschlossen und konfessionsübergreifend vergleichend dargestellt. Die landeskundliche Sammlung ist epochenbezogen aufgebaut und verbindet politische Ereignisse mit materiellen Zeugnissen des Alltags und der Erinnerungskultur. Beide Ausstellungen arbeiten mit Objektgruppen, die in thematischen Raumeinheiten gebündelt sind.
Höhepunkte der Sammlungen im Alten Schloss Schleißheim
- Ökumenische Sammlung Gertrud Weinhold – „Das Gottesjahr und seine Feste“ – umfangreiche Objektbestände religiöser Festkultur
- Krippensammlung mit über 120 Darstellungen – Beispiele aus verschiedenen Regionen und Traditionen
- Abteilung „Paradies“ – vergleichende Darstellung religiöser Jenseitsvorstellungen
- Sammlung „Es war ein Land …“ – kulturhistorische Objekte zur Geschichte Ost- und Westpreußens
- Wilhelmskapelle mit erhaltenem Gewölbestuck – authentischer Raum aus der Bauzeit um 1600
Das Alte Schloss Schleißheim verbindet damit frühneuzeitliche Schlossarchitektur mit klar profilierten kulturhistorischen Sammlungen und bildet den historischen Ausgangspunkt der gesamten Schlossanlage.
Tickets, Preise und Angebote
Beim Besuch des Alten Schlosses Schleißheim können Sie Tickets direkt an der Kasse kaufen. Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt 4,00 € und ermäßigt 3,00 € für Schüler, Studierende, Rentner und Schwerbehinderte. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Alternativ gibt es ein Kombiticket für das Alte Schloss Schleißheim, das Neue Schloss Schleißheim und Schloss Lustheim: Diese kostet 11,00 € regulär und 9,00 € ermäßigt.
Für Touristen lohnt sich der Turbopass München, der freien oder vergünstigten Eintritt zu zahlreichen Museen, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in München, darunter auch das Alte Schloss Schleißheim, bietet.
Altes Schloss Schleißheim – Museen in der Umgebung
Das Alte Schloss Schleißheim zählt zu den frühesten erhaltenen Anlagen des Schleißheimer Schlossensembles und vermittelt eindrucksvoll die Anfänge bayerischer Hofarchitektur am Übergang zur Barockzeit. In der näheren Umgebung laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, die Region zwischen Residenzgeschichte, Kunstsammlungen und Techniktradition facettenreich zu erkunden.
Entfernung: 0,05 km

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Alten Schloss Schleißheim bei München.
Adresse
Altes Schloss Schleißheim
Max-Emanuel-Platz 1
85764 Oberschleißheim
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag bis Sonntag
09:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 315872-0 - Website:
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