Als zentraler Hauptbau der Schlossanlage Schleißheim nimmt das Neue Schloss Schleißheim innerhalb des weitläufigen Ensembles aus Altem Schloss, Schloss Lustheim und Hofgarten eine herausgehobene Stellung ein. Der Bau bildet den architektonischen Mittelpunkt der Anlage und ist zugleich Ausdruck jener Residenzambitionen, mit denen Kurfürst Max Emanuel zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine repräsentative Sommerresidenz nach europäischem Maßstab etablieren wollte. In seiner Dimension, Raumstruktur und Ausstattung verweist das Schloss auf diesen politischen und dynastischen Anspruch.
Heute verbindet das Neue Schloss historische Repräsentationsarchitektur mit musealer Nutzung. Die gegenwärtige Funktion als Standort einer Staatsgalerie knüpft an die seit dem späten 18. Jahrhundert gewachsene Tradition des Galerieschlosses an. Gemälde des europäischen Barock werden hier nicht in einem neutralen Museumsbau präsentiert, sondern in originalen Raumfolgen, deren Stuck, Deckenmalerei und Ausstattung selbst Teil der historischen Bild- und Sammlungskultur sind.
Der folgende Beitrag stellt die Geschichte des Neuen Schloss Schleißheim, seine architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.
Geschichte
Die Planungen für eine neue Residenz in Schleißheim lassen sich bis in die 1690er Jahre zurückverfolgen. Ab 1696 entstanden erste Entwürfe für einen monumentalen Neubau, der die bestehende Anlage grundlegend erweitern sollte. Der tatsächliche Baubeginn des Neuen Schlosses erfolgte im Winter 1700/01 unter Leitung des Hofarchitekten Henrico Zuccalli. Vorgesehen war eine großzügige Vierflügelanlage mit Ehrenhof, die das Alte Schloss in ein neues Residenzsystem integrieren sollte.
Der Spanische Erbfolgekrieg brachte das Vorhaben früh ins Stocken. Nach der militärischen Niederlage 1704 ging Kurfürst Max Emanuel ins Exil, und die Bauarbeiten kamen weitgehend zum Erliegen. Zu diesem Zeitpunkt war im Wesentlichen der Rohbau des Haupttrakts erreicht. Erst nach der Rückkehr des Kurfürsten im Jahr 1715 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Angesichts der angespannten Finanzlage wurde die ursprüngliche Gesamtplanung jedoch schrittweise reduziert.
Ab 1719 prägte Joseph Effner die weitere Ausführung maßgeblich. Unter seiner Leitung wurden Fassaden und Innenräume ausgestaltet. Von der groß angelegten Residenzkonzeption blieb schließlich der monumentale Hauptbau bestehen, während die geplanten verbindenden Flügel zum Alten Schloss nicht verwirklicht wurden. Beim Tod Max Emanuels im Februar 1726 war der Bau im Wesentlichen vollendet, einzelne Ausstattungsdetails wurden unter seinen Nachfolgern ergänzt.
Bereits im späten 18. Jahrhundert entwickelte sich das Neue Schloss zunehmend zu einem öffentlich zugänglichen Galerieschloss, da hier Teile der kurfürstlichen Gemäldesammlung gezeigt wurden. Diese Nutzung setzte sich im 19. Jahrhundert fort und bildet die Grundlage für die heutige Staatsgalerie. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen wurde die barocke Gemäldegalerie im Jahr 2001 in neuer Konzeption wiedereröffnet.
Architektur
Das Neue Schloss Schleißheim ist als langgestreckter Haupttrakt konzipiert und misst über 300 Meter in der Länge. Es handelt sich um den realisierten Kern einer ursprünglich als Vierflügelanlage geplanten Residenz. Die Reduktion auf den Hauptbau verleiht dem Gebäude heute einen eigenständigen Charakter, der dennoch die Dimension der ursprünglichen Planungen erkennen lässt.
Der Mitteltrakt mit Treppenhaus, großem Saal und Galerie ist hierarchisch hervorgehoben und strukturiert die gesamte Anlage. Gartenseitig wird der Bau durch eine regelmäßige Fensterachse gegliedert, während hofseitig die repräsentative Schauseite ausgebildet ist. Arkadengänge verbinden den Hauptbau mit nördlichen und südlichen Pavillons, wodurch eine zusätzliche Querachse entsteht.
Im Inneren bestimmt eine klar aufgebaute Raumdramaturgie den Eindruck. Das monumentale Treppenhaus führt in den sogenannten Großen Saal, einen zweigeschossigen Festsaal mit reicher Stuckausstattung von Johann Baptist Zimmermann und Deckenmalerei von Jacopo Amigoni. Die anschließende Große Galerie erstreckt sich über rund 57 Meter entlang der Gartenseite und war als Präsentationsraum für Gemälde konzipiert. Von hier aus erschließen sich die Paradeappartements des Kurfürsten und der Kurfürstin mit Vorzimmern, Audienzzimmern, Paradeschlafzimmern und Kabinetten.
Deckenfresken, Stuckaturen, geschnitzte Vertäfelungen und Textilien bilden ein geschlossenes Raumprogramm, das auf die Selbstdarstellung des Bauherrn ausgerichtet ist. Besonders die ikonografischen Programme der Deckenmalereien thematisieren Ruhm, Herrschaft und militärische Erfolge Max Emanuels. Architektur und Ausstattung sind daher nicht dekoratives Beiwerk, sondern integraler Bestandteil eines politisch motivierten Repräsentationskonzepts.
Ausstellungen und Sammlungen

Die heutige museale Nutzung des Neuen Schloss Schleißheim ist untrennbar mit seiner historischen Funktion als Galerieschloss verbunden. Bereits im 18. Jahrhundert wurden hier Gemälde aus der kurfürstlichen Sammlung präsentiert. Diese Tradition setzt sich in der Staatsgalerie fort, die als Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen europäische Barockmalerei in den originalen Schlossräumen zeigt.
Der Rundgang führt durch die repräsentativen Säle und Appartements des Obergeschosses. Die Präsentation orientiert sich an kunsthistorischen Schulen und Gattungen des 17. und 18. Jahrhunderts. Italienische, flämische, deutsche, französische und spanische Werke werden in räumlicher Nähe zu barocker Architektur und Ausstattung gezeigt, wodurch die Verbindung zwischen höfischer Sammlungspraxis und künstlerischer Produktion sichtbar wird.
Die Große Galerie bildet den zentralen Ausstellungsraum. Hier wird das Prinzip des barocken Galerieraums als repräsentative Bilderschau nachvollziehbar. Ergänzt wird die Gemäldesammlung durch die dauerhaft zugänglichen Prunkräume, deren Ausstattung selbst als kulturhistorisches Zeugnis gilt. Dazu zählen das Treppenhaus mit Kuppelfresko von Cosmas Damian Asam, der Große Saal mit monumentalen Schlachtengemälden von Franz Joachim Beich sowie die Paradeappartements mit originaler Raumstruktur.
Thematische Gliederung der Sammlungen im Neuen Schloss Schleißheim
Im Mittelpunkt steht die europäische Malerei des Barock, eingebettet in eine originale höfische Raumabfolge. Die Präsentation verbindet kunsthistorische Einordnung mit der Erfahrbarkeit barocker Repräsentationsarchitektur. Zugleich wird deutlich, wie eng Bildprogramme, politische Selbstdarstellung und Rauminszenierung im frühen 18. Jahrhundert miteinander verknüpft waren.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen im Neuen Schloss Schleißheim
- Staatsgalerie Europäischer Barockmalerei – Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts aus verschiedenen europäischen Schulen
- Große Galerie – historischer Galerieraum mit barocker Präsentationsidee
- Großer Saal (Weißer Saal) – zweigeschossiger Festsaal mit Deckenfresko von Jacopo Amigoni
- Prunktreppenhaus – mit Kuppelfresko von Cosmas Damian Asam
- Paradeappartements des Kurfürsten und der Kurfürstin – vollständige Raumfolgen höfischer Repräsentationskultur
Das Neue Schloss Schleißheim vereint damit Residenzarchitektur, barocke Innenraumkunst und Gemäldesammlung zu einem Ort, an dem sich höfische Bild- und Machtkultur des frühen 18. Jahrhunderts in authentischer Umgebung nachvollziehen lässt.
Tickets, Preise und Angebote
Tickets für das Neue Schloss Schleißheim kosten für Erwachsene 7,00 €. Für Schüler, Studierende, Rentner und Schwerbehinderte werden ermäßigte Tickets für 6,00 € angeboten. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Wer alle drei Museen der Schlossanlage Schleißheim – Neues Schloss Schleißheim, Altes Schloss Schleißheim und Schloss Lustheim – besichtigen möchte, kann ein Kombiticket für 11,00 € regulär bzw. 9,00 € ermäßigt kaufen. Die Tickets erhalten Sie ausschließlich an der Museumskasse. Im Neuen Schloss Schleißheim stehen zudem Audioguides gegen Gebühr zur Verfügung, die Sie beim Kauf der Tickets vor Ort dazu buchen können.
Wenn Sie mehrere Museen und Sehenswürdigkeiten in und um München kombinieren möchten, lohnt sich auch ein Turbopass München wie die München Card oder der München City Pass, mit dem Sie bei vielen Attraktionen Rabatte oder freien Eintritt erhalten und so Tickets für weitere Highlights günstig nutzen können.
Neues Schloss Schleißheim – Museen in der Umgebung
Das Neue Schloss Schleißheim gilt als bedeutendes Beispiel süddeutscher Barockarchitektur und beeindruckt mit prachtvollen Sälen sowie einer hochrangigen Sammlung europäischer Malerei. In seiner Umgebung laden weitere Museen und historische Anlagen dazu ein, die kulturelle Vielfalt der Region zwischen Residenzkultur, Kunstgeschichte und Techniktradition zu entdecken.
Entfernung: 0,09 km

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Neuen Schloss Schleißheim bei München.
Adresse
Neues Schloss Schleißheim
Max-Emanuel-Platz 1
85764 Oberschleißheim
Deutschland
Öffnungszeiten
- Montag bis Sonntag
08:00 – 19:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+49 89 315872-0 - Website:
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