Residenz München

Im Herzen der Münchner Altstadt erhebt sich die Residenz München als jahrhundertelang gewachsener Herrschaftssitz der Wittelsbacher. Von der spätmittelalterlichen Burganlage zur weitläufigen Schlossarchitektur entwickelte sich hier zwischen dem 14. und frühen 20. Jahrhundert ein politisches und kulturelles Zentrum Bayerns. Als Wohn- und Regierungssitz von Herzögen, Kurfürsten und Königen verkörpert die Anlage dynastisches Selbstverständnis ebenso wie künstlerischen Anspruch.

Heute präsentiert sich die Residenz München als bedeutender Museumskomplex unter Verwaltung der Bayerischen Schlösserverwaltung. Das Haus vereint historische Raumensembles mit umfangreichen Sammlungen aus mehreren Jahrhunderten. Ziel ist es, Architektur, Ausstattung und Kunstwerke in ihrem ursprünglichen Zusammenhang erlebbar zu machen. Dabei bleibt die Verbindung zwischen höfischer Repräsentation und musealer Vermittlung leitend.

Der folgende Beitrag stellt die Geschichte der Residenz München, ihre architektonischen Besonderheiten sowie die wichtigsten Ausstellungen und Sammlungen vor. Ergänzend finden Sie am Ende praktische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ticketoptionen und der Planung Ihres Museumsbesuchs.

Geschichte

Die Geschichte der Residenz München beginnt im späten 14. Jahrhundert mit der Errichtung der sogenannten Neuveste. Diese Wasserburg entstand im Nordosten der damaligen Stadtbefestigung und wurde 1389 erstmals urkundlich erwähnt. Sie diente zunächst als befestigter Herrschersitz der Wittelsbacher Herzöge. Von hier aus entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg ein immer weiter ausgedehnter Residenzkomplex.

Unter Herzog Wilhelm IV. wurde die Neuveste ab 1508 dauerhaft zum Wohnsitz der Herrscher. Damit begann der Wandel von der mittelalterlichen Burg zur frühneuzeitlichen Schlossanlage. Entscheidende Impulse setzte Herzog Albrecht V., der zwischen 1568 und 1571 das Antiquarium errichten ließ. Es diente als Aufstellungsort seiner Antikensammlung und markierte den Übergang zu einer repräsentativen Palastarchitektur.

Eine umfassende Neuordnung erfolgte unter Herzog und späterem Kurfürsten Maximilian I. zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Es entstanden der Kaiserhoftrakt mit Kaisersaal, Vierschimmelsaal und Steinzimmern sowie die Hofkapelle und die Reiche Kapelle. Die Residenz wurde nun gezielt als politisches Machtzentrum inszeniert. Im 18. Jahrhundert folgten unter Kurfürst Karl Albrecht die Reichen Zimmer und die Ahnengalerie. Sie dienten der dynastischen Selbstdarstellung und unterstrichen den Anspruch auf die Kaiserwürde.

Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich 1806 begann eine neue Bauphase. König Ludwig I. ließ den Königsbau, den Festsaalbau und die Allerheiligen-Hofkirche errichten. Die Residenz erhielt damit ihre bis heute prägende klassizistische Erweiterung.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 verlor der Komplex seine Funktion als Regierungssitz. 1920 wurde das Residenzmuseum eröffnet. Die schweren Zerstörungen durch Luftangriffe im März und April 1944 vernichteten große Teile der Anlage. Der Wiederaufbau begann unmittelbar nach Kriegsende und dauerte mehrere Jahrzehnte. Dabei wurden zentrale Raumensembles rekonstruiert und schrittweise wieder zugänglich gemacht.

Heute präsentiert sich die Residenz München als historisch gewachsener Museumskomplex, der die Entwicklung des Hauses Wittelsbach über mehrere Jahrhunderte nachvollziehbar macht.

Architektur

Residenz München - Festsaalbau mit klassizistischer Säulenfront zum Hofgarten hin
Residenz München (Festsaalbau) © Bayerische Schlösserverwaltung, Rainer Herrmann

Die Architektur der Residenz München spiegelt nahezu alle maßgeblichen Stilrichtungen zwischen Spätmittelalter und 19. Jahrhundert wider. Ausgangspunkt war die gotische Neuveste, deren Reste heute noch unter dem Apothekenhof erhalten sind. Mit dem Ausbau im 16. Jahrhundert begann die Transformation zur Renaissanceanlage.

Das unter Herzog Albrecht V. errichtete Antiquarium gilt als bedeutendster Renaissancebau der Residenz. Mit seiner Länge von 66 Metern zählt es zu den größten Renaissancesälen nördlich der Alpen. Die spätere Umgestaltung zum Fest- und Bankettsaal verlieh dem Raum seine reiche Ausmalung mit Grotesken und allegorischen Darstellungen.

Im frühen 17. Jahrhundert entstand unter Maximilian I. der Kaiserhoftrakt. Charakteristisch sind die Kaisertreppe, der Kaisersaal sowie die mit Stuckmarmor und Scagliola ausgestatteten Steinzimmer. Diese frühbarocken Raumfolgen verbanden architektonische Monumentalität mit symbolisch aufgeladenen Bildprogrammen. Gleichzeitig wurden neue Höfe angelegt, darunter der Brunnenhof und der Kaiserhof, die repräsentative Zugangszonen bildeten.

Residenz München - Cuvillies-Theater mit roten Logenrängen und reich verzierten Goldornamenten im Rokoko-Stil
Cuvillies-Theater – © Bayerische Schlösserverwaltung, Philipp Mansmann

Das 18. Jahrhundert brachte mit den Reichen Zimmern und der Grünen Galerie unter François de Cuvilliés d. Ä. eine Ausprägung des Rokoko auf höchstem Niveau. Fein gearbeitete Stuckaturen, vergoldete Schnitzereien und aufeinander abgestimmte Raumfolgen prägen diese Phase.

Im 19. Jahrhundert erfolgte unter Leo von Klenze die klassizistische Neuordnung. Der Königsbau am Max-Joseph-Platz orientiert sich an italienischen Renaissancepalästen. Der Festsaalbau an der Hofgartenstraße ergänzt die Anlage um eine monumentale Schaufront mit Portikus. Die Allerheiligen-Hofkirche verbindet byzantinische und klassizistische Elemente.

Die Kriegszerstörungen von 1944 führten zu umfangreichen Verlusten. Der Wiederaufbau erfolgte unter Bewahrung erhaltener Bausubstanz und unter Rekonstruktion wesentlicher Raumensembles. Heute zeigt sich die Residenz München als vielschichtiger Architekturkomplex, dessen Baugeschichte über mehr als vier Jahrhunderte hinweg ablesbar bleibt.

Ausstellungen und Sammlungen

Die Ausstellungsbereiche der Residenz München verbinden historische Raumkunst, dynastische Repräsentation und spezialisierte Kunstsammlungen zu einem vielschichtigen Museumsgefüge. Präsentiert werden Ensembles vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, deren Ausstattung häufig am ursprünglichen Ort erhalten ist oder auf gesicherter Quellenbasis rekonstruiert wurde. Dadurch entsteht ein in sich geschlossenes Bild höfischer Kultur, das Architektur, Mobiliar und Kunsthandwerk als Einheit erfahrbar macht.

Neben den original überlieferten Raumfolgen treten eigenständige Sammlungsbereiche, die thematisch gebündelt sind. Dazu zählen die Schatzkammer mit ihren Goldschmiedearbeiten, die Silber- und Porzellansammlungen, Miniaturgemälde sowie sakrale Bestände. Ergänzt wird das Angebot durch museale Themenräume und temporäre Präsentationen, die historische Entwicklungen vertiefen und einzelne Herrscherpersönlichkeiten kontextualisieren.

Thematische Gliederung der Sammlungen der Residenz München

Die Struktur folgt einer klaren Gliederung: historische Raumensembles bilden das Fundament, spezialisierte Kunst- und Schatzbestände erweitern die Perspektive. Besucher bewegen sich dabei durch Epochen von Renaissance, Barock und Rokoko bis zum Klassizismus. Die Präsentation setzt auf die Wirkung originaler Raumfolgen, ergänzt durch Vitrinen, Wandtexte und mediale Stationen.

Residenzmuseum in der Residenz München

Residenz München - Ahnengalerie mit über 120 Porträts der Wittelsbacher Herrscher und meisterhaftem Goldstuck
Ahnengalerie – © Bayerische Schlösserverwaltung, Toni Schneiders

Das Residenzmuseum bildet den zentralen institutionellen Rahmen der gesamten Anlage. Seit 1920 ist die ehemalige Hauptresidenz der Wittelsbacher als öffentlich zugängliches Museum eingerichtet. Mehr als 150 Schauräume erschließen die Entwicklung fürstlicher Wohn- und Repräsentationskultur über mehrere Jahrhunderte hinweg. Die Abfolge der Räume folgt dabei weitgehend den historischen Bau- und Erweiterungsphasen, sodass politische, dynastische und künstlerische Veränderungen unmittelbar räumlich erfahrbar werden. Auf diese Weise verbindet das Museum baugeschichtliche Kontinuität mit einer differenzierten Darstellung höfischer Repräsentationsformen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.

Im Mittelpunkt stehen die historischen Appartements und Festräume, darunter das Antiquarium, die Reichen Zimmer, die Stein- und Trierzimmer sowie die klassizistischen Königsappartements. Charakteristisch ist die enge Verbindung von Architektur und Ausstattung. Möbel, Gemälde, Wirkteppiche und Dekorationsprogramme stehen vielfach an jenen Orten, für die sie geschaffen wurden. Auf diese Weise entsteht ein authentisches Gesamtbild höfischer Lebenswelt, das kunsthistorische, politische und gesellschaftliche Aspekte gleichermaßen anschaulich vermittelt.

Residenz München - Antiquarium ein prachtvoller Renaissancesaal mit deckenhohen Fresken und antiken Büsten
Antiquarium – © Bayerische Schlösserverwaltung, Ulrich Pfeuffer

Durch diese ortsgebundene Präsentationsform entsteht ein Raumkunst-Museum, das nicht allein Einzelwerke zeigt, sondern höfische Kultur als komplexes Gefüge sichtbar macht. Rekonstruktionen nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs orientieren sich an archivalischen Quellen und erhaltenem Originalbestand. So bleibt die historische Kontinuität der Anlage nachvollziehbar. Gleichzeitig wird transparent gemacht, welche Bereiche original erhalten und welche Partien auf Grundlage historischer Dokumentation wiederhergestellt wurden. Diese differenzierte Vermittlung stärkt das Verständnis für den denkmalpflegerischen Umgang mit einem vielschichtigen Bauensemble, dessen heutiges Erscheinungsbild Ergebnis von Bewahrung, Verlust und sorgfältiger Wiederherstellung ist.

Weitere Sammlungsbereiche der Residenz München

Weitere eigenständige Sammlungsbereiche vertiefen dieses Gesamtbild. Die Schatzkammer präsentiert über 1200 Objekte von Goldschmiedekunst, Email- und Elfenbeinarbeiten vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Die Silberkammer dokumentiert höfische Tafelkultur über mehrere Jahrhunderte, während die Porzellansammlung europäische und ostasiatische Bestände vereint. Ergänzend treten Miniaturgemälde, Reliquien und ostasiatisches Kunsthandwerk hinzu.

Highlights der Sammlungen der Residenz München

  • Krone des Königreichs Bayern (1806)
  • Gebetbuch Kaiser Karls des Kahlen (9. Jahrhundert)
  • Altarciborium König Arnulfs von Kärnten (9. Jahrhundert)
  • Statuette des heiligen Georg (um 1590)
  • Paradebett Herzog Karl August von Zweibrücken (um 1781/82)
  • Bronzeplastiken von Hubert Gerhard und Carlo di Cesare del Palagio

Insgesamt vermittelt die Residenz München mit ihrem Residenzmuseum und den angeschlossenen Sammlungen ein geschlossenes Panorama fürstlicher Kulturgeschichte in Bayern, das Architektur, Kunst und Herrschaftsrepräsentation in seltener Dichte verbindet.

Tickets, Preise und Angebote

Für den Besuch des Residenzmuseum in München können Sie Tickets online oder direkt an der Museumskasse kaufen. Der reguläre Eintritt für das Residenzmuseum beträgt 10,00 €, ermäßigte Tickets kosten 9,00 €. Ein ermäßigter Eintrittspreis gilt etwa für Schüler, Studenten, Senioren und Menschen mit Behinderung. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre haben freien Eintritt.

Wenn Sie zusätzlich die Schatzkammer besuchen möchten, gelten dieselben Preise wie beim Residenzmuseum: Der Eintritt kostet 10,00 € regulär und 9,00 € ermäßigt. Eine Kombikarte für das Residenzmuseum und die Schatzkammer können Sie für 15,00 € regulär beziehungsweise 13,00 € ermäßigt kaufen.

In München können Sie den Turbopass München kaufen, wahlweise als München Card oder München City Pass. Beide bieten ermäßigten oder freien Eintritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und optional den Nahverkehr – ideal, wenn Sie mehrere Attraktionen besuchen möchten.

Museen in der Umgebung von der Residenz München

Die Residenz München, einst Machtzentrum der Wittelsbacher, vereint auf eindrucksvolle Weise Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus zu einem vielschichtigen Architektur- und Museumskomplex. In ihrer unmittelbaren Umgebung laden weitere Museen und historische Orte dazu ein, die politische, kulturelle und künstlerische Entwicklung Bayerns im Herzen der Altstadt weiter zu erkunden.

Entfernung: 0,64 km

Museum Fünf Kontinente - München - Außenansicht der prachtvollen Fassade des Museums
© Museum Fünf Kontinente, Nicolai Kästner

Entfernung: 0,80 km

Pinakothek der Moderne - München - Außenansicht der modernen Architektur von Stephan Braunfels, die vier Museen für Kunst, Graphik, Architektur und Design unter einem Dach vereint
Pinakothek der Moderne - © Myrzik und Jarisch

Entfernung: 0,80 km

Museum Brandhorst - München - Außenansicht der farbenfrohen Fassade mit tausenden vertikalen Keramikstäben im Kunstareal
Museum Brandhorst

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten der Residenz München.

Adresse

Residenz München
Residenzstraße 1
80333 München
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag bis Sonntag
    09:00 – 18:00 Uhr

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