Am Südufer der Themse im Londoner Stadtteil Bankside befindet sich mit der Tate Modern eines der bekanntesten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst im Vereinigten Königreich. Das Haus gehört zur Tate-Gruppe und ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 in der umgebauten Bankside Power Station untergebracht. Durch die Lage im Stadtteil Southwark, gegenüber von St Paul’s Cathedral und in der Nähe der Millennium Bridge, ist die Tate Modern zugleich ein markanter Ort im Londoner Stadtraum und ein fester Bestandteil der dortigen Museumslandschaft.
Im Mittelpunkt der Tate Modern steht die Präsentation internationaler moderner und zeitgenössischer Kunst ab 1900. Das Sammlungskonzept verbindet klassische Werkgruppen der Moderne mit Installationen, Medienkunst, Performance und wechselnden Ausstellungen. Charakteristisch ist dabei nicht nur die internationale Ausrichtung des Bestands, sondern auch die Verbindung von ehemals industrieller Architektur und einer kuratorischen Praxis, die Werke häufig thematisch statt rein chronologisch zusammenführt.
Nach der Darstellung von Geschichte, Architektur und Sammlungen der Tate Modern folgen am Ende des Beitrags Hinweise zu Tickets, Preisen und zum Ticketkauf.
Geschichte
Die Geschichte der Tate Modern ist ohne die Geschichte der Tate insgesamt nicht zu verstehen. Als Henry Tate im späten 19. Jahrhundert seine Sammlung britischer Kunst der Nation anbot und den Aufbau eines eigenen Hauses unterstützte, entstand zunächst die 1897 eröffnete Tate Gallery in Millbank, die heutige Tate Britain. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wuchs die Institution erheblich. Neben der nationalen Sammlung britischer Kunst gewann auch die internationale moderne Kunst immer stärker an Bedeutung, sodass sich langfristig die Frage nach einer eigenständigen Präsentation dieser Bestände stellte.
Einen entscheidenden Schritt markierte die frühe 1990er Jahre. Im Dezember 1992 kündigten die Tate Trustees ihre Absicht an, in London ein separates Museum für internationale moderne und zeitgenössische Kunst zu schaffen. 1994 fiel die Entscheidung für die stillgelegte Bankside Power Station als künftigen Standort. Kurz darauf wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, aus dem Herzog & de Meuron als Sieger hervorgingen. Mit dieser Entscheidung verband sich nicht nur eine neue räumliche Perspektive, sondern auch eine programmatische Neuausrichtung innerhalb der Tate-Struktur.
Die Umbauarbeiten begannen Mitte der 1990er Jahre. Ziel war es, den industriellen Großbau in ein Museum zu transformieren, ohne dessen bauliche Herkunft zu verleugnen. Am 11. Mai 2000 wurde die Tate Modern eröffnet. Schon in ihrem ersten Jahr zog sie deutlich mehr Besucher an als erwartet und entwickelte sich rasch zu einem der meistbesuchten Kunstmuseen des Landes. Die Turbine Hall spielte dabei früh eine zentrale Rolle, weil sie großformatige, ortsbezogene Arbeiten ermöglichte und dem Haus ein klar unterscheidbares Profil gab.
Das starke Besucheraufkommen und die Weiterentwicklung des Museums führten später zu einer baulichen Erweiterung. 2012 wurden die ehemaligen Öltanks erstmals als Ausstellungsräume zugänglich gemacht. 2016 folgte die Eröffnung des Erweiterungsbaus über dem früheren Schalthaus. Damit gewann die Tate Modern zusätzliche Flächen für Sammlung, Performance, Vermittlung und Sonderausstellungen und festigte ihre Stellung innerhalb der internationalen Museumslandschaft.
Architektur
Die Tate Modern befindet sich in der ehemaligen Bankside Power Station am Südufer der Themse. Der ursprüngliche Bau wurde von Sir Giles Gilbert Scott entworfen, der auch mit anderen bedeutenden britischen Industrie- und Infrastrukturbauten verbunden ist. Das Kraftwerk entstand in mehreren Phasen zwischen den 1940er und 1960er Jahren. Kennzeichnend sind der langgestreckte Backsteinbau, die klare horizontale Gliederung und der zentrale Schornstein, der dem Gebäude bis heute eine starke Fernwirkung verleiht.
Vor dem Umbau war die Bankside Power Station ein funktional organisierter Industriebau mit klar voneinander getrennten Bereichen. Die große Turbinenhalle lag im Zentrum, nördlich davon befand sich das Boiler House, südlich das Blavatnik Building (ehemals Switch House). Gerade diese dreiteilige Struktur erwies sich für die spätere Museumsnutzung als entscheidend, weil sie eine klare räumliche Ordnung vorgab und zugleich außergewöhnlich große Innenräume zur Verfügung stellte. Nach der Stilllegung des Kraftwerks 1981 stand das Gebäude lange ohne neue Nutzung da.
Für die Umwandlung in ein Museum entwickelten Herzog & de Meuron ein Konzept, das den Bestand nicht überformte, sondern seine industrielle Identität bewusst sichtbar ließ. Die Turbine Hall blieb als monumentaler Hauptraum erhalten und wurde zum prägenden Zentrum des Museums. Gleichzeitig entstanden in den ehemaligen Kraftwerksbereichen Galerien, Erschließungsräume und Besuchereinrichtungen. Die architektonische Qualität des Projekts liegt gerade darin, dass sich alte Funktion und neue Nutzung nicht gegenseitig verdrängen, sondern lesbar miteinander verbunden bleiben.
Mit der Erweiterung wurde dieses Prinzip weitergeführt. Zunächst wurden die unterirdischen Öltanks in Ausstellungs- und Performanceräume umgewandelt. Darüber entstand der 2016 eröffnete Erweiterungsbau, ebenfalls nach Plänen von Herzog & de Meuron. Der Bau ergänzt den historischen Bestand um zusätzliche Galerien, Bildungsräume und öffentliche Bereiche. Für die heutige Raumstruktur der Tate Modern ist daher das Zusammenspiel von Kraftwerksbau, Turbine Hall, Tanks und Erweiterungsbau entscheidend. Gerade diese Verbindung von Industriearchitektur und Museumsumbau macht den Standort unverwechselbar.
Ausstellungen und Sammlungen

Die Tate Modern zeigt internationale moderne und zeitgenössische Kunst ab 1900 und greift dabei auf die übergreifende Tate-Sammlung zurück. Das Ausstellungskonzept verbindet Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Film, Installation und Performance. Anders als in streng chronologisch aufgebauten Häusern werden viele Werke hier in thematischen Zusammenhängen präsentiert. Dadurch rücken nicht nur kunsthistorische Epochen, sondern auch Materialien, gesellschaftliche Bezüge und kuratorische Fragestellungen in den Vordergrund.
Charakteristisch für die Tate Modern ist zudem die Verbindung verschiedener Präsentationsformen innerhalb eines Hauses. Neben den Sammlungsräumen gehören großformatige Auftragsarbeiten in der Turbine Hall, installative und performative Formate in den Tanks sowie Sonderausstellungen zu den festen Bestandteilen des Programms. Das Museum versteht seine Sammlung damit nicht nur als Abfolge bedeutender Einzelwerke, sondern als offenes Gefüge von Medien, Themen und Ausstellungssituationen, in dem unterschiedliche Entwicklungen der Kunst seit 1900 miteinander in Beziehung treten.
Thematische Ordnung der Sammlungspräsentation
Die Sammlungspräsentation der Tate Modern ist auf internationale Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ausgerichtet. Vertreten sind zentrale Werkgruppen der klassischen Moderne ebenso wie Nachkriegskunst und jüngere zeitgenössische Positionen. Der Bestand umfasst unterschiedliche Medien und macht sichtbar, wie sich die Kunst seit 1900 in Material, Form und Funktion verändert hat. Statt nationale Schulen isoliert zu behandeln, setzt die Tate Modern auf eine vergleichende Perspektive, in der verschiedene künstlerische Entwicklungen nebeneinander lesbar werden.
Zu den bekannten Beständen gehören Arbeiten von Pablo Picasso, Henri Matisse, Claude Monet, Paul Klee, Georges Braque, Juan Gris und Ernst Ludwig Kirchner. Solche Werke verweisen auf wichtige Strömungen der Moderne, darunter Kubismus, Expressionismus und die Veränderungen der Bildsprache im frühen 20. Jahrhundert. Zugleich reicht die Sammlung weit über diese kanonischen Positionen hinaus und bezieht installative, medienbasierte und performative Arbeiten ein, die besonders für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und die Gegenwart wesentlich sind.
Die kuratorische Ordnung arbeitet mit Themenfeldern, in denen Fragen nach Gesellschaft, Material, Urbanität, Medien oder dem Verhältnis von Körper, Objekt und Raum verhandelt werden. Damit verschiebt sich der Fokus von einer bloßen Stilgeschichte hin zu einer inhaltlichen und medienübergreifenden Lektüre der Kunst. Kulturhistorisch bedeutsam ist dieser Ansatz, weil er die Moderne nicht nur als Folge einzelner Meisterwerke darstellt, sondern als vielschichtigen Prozess ästhetischer, gesellschaftlicher und institutioneller Veränderungen. Die Turbine Hall und die Tanks erweitern diese Perspektive zusätzlich um großräumige, ortsgebundene und performative Formate.
Museums- und kulturhistorische Bedeutung
Die Tate Modern hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem zentralen Bezugspunkt der Londoner Museumslandschaft entwickelt. Ihre Bedeutung liegt nicht allein in der Größe oder Bekanntheit des Hauses, sondern in der Verbindung eines internationalen Sammlungsprofils mit einem architektonisch außergewöhnlichen Standort. Das Museum steht für die Umnutzung eines industriellen Großbaus zu einer kulturellen Institution und ist damit auch ein Beispiel für den Wandel innerstädtischer Räume in London.
Darüber hinaus ist die Tate Modern museumsgeschichtlich relevant, weil sie Sammlungspräsentation, ortsspezifische Großinstallationen, Performance und thematische Hängung in einer Weise miteinander verbindet, die über das klassische Modell des Kunstmuseums hinausweist. Auch ihre Reichweite ist erheblich: Nach den veröffentlichten ALVA-Zahlen verzeichnete die Tate Modern im Jahr 2025 4.514.266 Besuche. Damit gehört sie zu den meistbesuchten Kunstinstitutionen des Vereinigten Königreichs und nimmt innerhalb des Tate-Verbunds wie auch im internationalen Museumsbetrieb eine herausgehobene Stellung ein.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen
- Claude Monet: Water-Lilies
- Pablo Picasso: Figure dans un Fauteuil
- Georges Braque: La guitare (Mandora, La Mandore)
- Juan Gris: The Sunblind
- Robert Delaunay: Windows Open Simultaneously
- Paul Klee: Abenteuer eines Fräuleins
- Ernst Ludwig Kirchner: Badende bei Moritzburg
Die Besonderheit der Tate Modern liegt nicht nur in einzelnen Werken, sondern in der Verbindung dieser Sammlung mit den großräumigen Ausstellungsformen eines ehemaligen Kraftwerks.
Tickets, Preise und Angebote
Die Tate Modern bietet freien Eintritt in die Dauerausstellung. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, eines der bekanntesten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst mit zahlreichen bedeutenden Werken kostenlos zu entdecken. Für Sonderausstellungen, die Sie bei Ihrem Besuch nicht verpassen sollten, fallen jedoch zusätzliche Ticketkosten an.
Neben diesen Ausstellungen lohnt sich auch eine Führung. Erfahrene Guides führen Sie in kompakten Touren durch die wichtigsten Sammlungen und stellen zentrale Kunstwerke gezielt vor. Dabei erhalten Sie fundierte Einblicke in Künstler, Werke und Hintergründe, wodurch sich Zusammenhänge besser erschließen und der Museumsbesuch insgesamt verständlicher und informativer wird.
Museen in der Umgebung vom Tate Modern
Die Tate Modern zählt zu den weltweit führenden Museen für moderne und zeitgenössische Kunst und beeindruckt mit ihrer spektakulären Umnutzung eines ehemaligen Kraftwerks an der Themse. In der Umgebung laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, Londons dynamische Kunstszene aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Tate Modern in London.
Adresse
Tate Modern
Bankside
London SE1 9TG
Vereinigtes Königreich
Öffnungszeiten
- Montag bis Donnerstag
10:00 – 18:00 Uhr - Freitag bis Samsatg
10:00 – 21:00 Uhr - Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+44 20 7887 8888 - Website:
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