Am südlichen Ufer der Themse in Southwark, unweit der London Bridge, liegt The Golden Hinde in der St Mary Overie Dock. Der Ort verbindet städtische Geschichte mit maritimer Erinnerungskultur und gehört zum historischen Umfeld von Bankside. Als begehbare Rekonstruktion eines elisabethanischen Segelschiffs stellt das Museum einen ungewöhnlichen Zugang zur britischen Seefahrtsgeschichte dar.
The Golden Hinde widmet sich der Geschichte der Weltumsegelung von Sir Francis Drake zwischen 1577 und 1580 sowie der eigenen Entstehung und Nutzung der heutigen Rekonstruktion. Im Mittelpunkt stehen Schiffbau, Navigation, Alltag an Bord und die politischen Zusammenhänge der frühen globalen Expansion. Die Besonderheit liegt in der Verbindung von historischem Objekt und unmittelbar erfahrbarem Raum.
Der Artikel beleuchtet zunächst Geschichte, Baugeschichte und Sammlungen von The Golden Hinde und schließt mit praktischen Hinweisen zu Tickets, Preisen und Eintritt.
Geschichte
Die historische Grundlage von The Golden Hinde geht auf die Expedition von Francis Drake zurück, die im Dezember 1577 von England aus begann. Ziel war offiziell eine Handelsreise, tatsächlich verfolgte die Unternehmung auch militärische und wirtschaftliche Interessen gegenüber Spanien. Drakes Flaggschiff trug zunächst den Namen The Pelican und wurde während der Reise im Jahr 1578 in Golden Hinde umbenannt.
Nach der Überquerung des Atlantiks erreichte die Flotte Südamerika und passierte die Magellanstraße. Im Pazifik wurde die Expedition durch Stürme und Verluste stark dezimiert, sodass schließlich nur noch ein Schiff übrig blieb. Die weitere Route führte entlang der amerikanischen Westküste, später über den Pazifik zu den Gewürzinseln und anschließend durch den Indischen Ozean zurück nach Europa.
Das ursprüngliche Schiff wurde nach der Rückkehr 1580 in Deptford ausgestellt, verfiel jedoch im Laufe des 17. Jahrhunderts und wurde schließlich zerlegt.
Die heutige The Golden Hinde entstand aus einem Projekt zur historischen Rekonstruktion im 20. Jahrhundert. 1968 begann die Planungsphase unter Leitung des Schiffbauarchitekten Loring Christian Norgaard, der auf Basis historischer Quellen ein Modell einer elisabethanischen Galleone entwickelte. Da keine vollständigen Originalpläne existieren, basiert die Rekonstruktion auf vergleichenden Studien zeitgenössischer Schiffe.
Der Bau begann 1971 in Appledore in Devon, der Stapellauf erfolgte 1973. Anschließend unternahm das Schiff mehrere internationale Reisen, darunter eine Atlantiküberquerung und eine Weltumsegelung. Seit 1996 befindet sich The Golden Hinde dauerhaft in der St Mary Overie Dock in London und dient als Museum sowie als Ort historischer Vermittlung.
Architektur
The Golden Hinde liegt in einem historischen Dock am Südufer der Themse im Stadtteil Southwark. Die Einbindung in die Flusslandschaft ist ein zentraler Bestandteil des Museumskonzepts, da das Schiff nicht isoliert präsentiert wird, sondern in einem Umfeld, das seine ursprüngliche Nutzung nachvollziehbar macht.
Die Rekonstruktion wurde als seetüchtiges Schiff nach traditionellen Methoden errichtet. Die Bauweise orientiert sich an den bekannten Konstruktionsprinzipien des 16. Jahrhunderts, wobei Materialien wie Eiche für tragende Strukturen sowie weitere Hölzer für Planken und Aufbauten verwendet wurden. Die Konstruktion umfasst Kiel, Spanten, Decks und Takelage und bildet die charakteristische Form einer Galleone ab.
Die räumliche Struktur ist durch mehrere Ebenen geprägt. Unterdeckbereiche, Arbeitsflächen und das Oberdeck folgen funktionalen Anforderungen der historischen Seefahrt. Enge Durchgänge und niedrige Deckenhöhen vermitteln die Lebensbedingungen an Bord. Gleichzeitig wird deutlich, wie begrenzt der verfügbare Raum für Besatzung und Ausrüstung war.
Ein wesentliches Merkmal ist die Sichtbarkeit handwerklicher Techniken. Verbindungen, Planken und Takelage zeigen traditionelle Schiffbauverfahren. Die Konstruktion ist nicht nur Ausstellungsraum, sondern selbst ein Exponat, das kontinuierlich erhalten und gepflegt werden muss.
Seit dem späten 20. Jahrhundert wurden wiederholt Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, um die Substanz zu sichern. Untersuchungen haben bestätigt, dass regelmäßige konservatorische Arbeiten notwendig sind, um die langfristige Nutzung als Museum zu gewährleisten.
Ausstellungen und Sammlungen

The Golden Hinde basiert auf einem Ausstellungskonzept, das das Schiff selbst als zentrales Objekt nutzt. Die Präsentation erfolgt nicht in klassischen Vitrinen, sondern durch die direkte Nutzung der Bordräume. Besucher bewegen sich durch Decks und Arbeitsbereiche und erhalten so einen räumlichen Zugang zur Geschichte der Seefahrt.
Die Sammlungsstruktur verbindet zwei Ebenen: die historische Reise von Francis Drake und die moderne Geschichte der Rekonstruktion. Beide Perspektiven ergänzen sich und zeigen, wie historische Ereignisse interpretiert und vermittelt werden können. Der kuratorische Ansatz legt Wert auf anschauliche Darstellung und unmittelbare Erfahrung.
Thematische Schwerpunkte der Ausstellungen
Die Ausstellung gliedert sich in mehrere thematische Bereiche, die sich aus der Struktur des Schiffes ergeben. Dazu gehören Navigation, Alltag an Bord, militärische Ausstattung sowie Handels- und Expeditionspraxis des 16. Jahrhunderts. Ergänzend wird die Entstehung der Rekonstruktion im 20. Jahrhundert dokumentiert.
Zu den zentralen Elementen zählen die Kanonen, die Takelage, die Decksbereiche und die Innenräume des Schiffes. Diese vermitteln technische und funktionale Aspekte der Seefahrt. Die Darstellung der Weltumsegelung erfolgt entlang der wichtigsten Stationen der Route und zeigt die geografischen und politischen Rahmenbedingungen.
Die Sammlung umfasst darüber hinaus Informationen zum Bauprozess der Rekonstruktion, einschließlich traditioneller Techniken und Materialwahl. Dadurch wird die Verbindung zwischen historischer Vorlage und moderner Umsetzung nachvollziehbar.
In kulturhistorischer Hinsicht verdeutlicht The Golden Hinde die Rolle der Seefahrt in der frühen Globalisierung. Handelsbeziehungen, Konflikte und Entdeckungen werden im Kontext der elisabethanischen Zeit eingeordnet und mit dem konkreten Objekt verknüpft.
Museums- und kulturhistorische Bedeutung
The Golden Hinde nimmt innerhalb der Londoner Museumslandschaft eine besondere Stellung ein, da sie ein begehbares historisches Schiff mit musealer Nutzung verbindet. Die Rekonstruktion wurde 1973 gebaut, war international unterwegs und ist seit 1996 dauerhaft in London verankert.
Als National Historic Ship besitzt sie eine anerkannte kulturhistorische Bedeutung. Sie dokumentiert sowohl die maritime Geschichte des 16. Jahrhunderts als auch den Umgang des 20. Jahrhunderts mit historischer Rekonstruktion. Der Standort in Southwark verbindet das Museum mit der historischen Entwicklung der Themse als Handels- und Verkehrsraum.
Besondere Höhepunkte der Sammlungen
- Rekonstruktion einer elisabethanischen Galleone als begehbares Museum
- Decks und Innenräume zur Darstellung des Lebens an Bord
- Kanonen und nautische Ausstattung eines Segelschiffs des 16. Jahrhunderts
- Takelage und Mastkonstruktion nach historischen Vorbildern
- Vermittlung der Weltumsegelung von 1577 bis 1580
- Darstellung des modernen Schiffbaus der Rekonstruktion ab 1968
- Nutzung des Schiffs als fahrendes Museum im 20. Jahrhundert
- Dauerliegeplatz in der St Mary Overie Dock seit 1996
The Golden Hinde zeichnet sich dadurch aus, dass das Museum selbst ein seetüchtig gebautes Rekonstruktionsschiff ist, das Geschichte nicht nur zeigt, sondern räumlich erfahrbar macht.
Tickets, Preise und Angebote
Der Besuch der The Golden Hinde in London bietet Ihnen eine außergewöhnliche Reise in die Zeit der Seefahrt von Sir Francis Drake. Für Ihren Eintritt stehen Ihnen verschiedene Tickets zur Verfügung, die Sie bequem online im Voraus oder direkt vor Ort kaufen können.
Der Preis für ein Ticket für Erwachsene beträgt 7,00 €. Tickets für Kinder von 3 bis 16 Jahren kosten ebenfalls 7,00 €. Für Familien ist ein Ticket für 4 Personen zum Preis von 23,00 € erhältlich. Kinder unter 3 Jahren erhalten kostenlosen Eintritt.
Die durchschnittliche Verweildauer im Museum bzw. an Bord liegt bei etwa 0,75 bis 1 Stunde, da Sie das Schiff eigenständig erkunden und die Besuchsdauer somit von Ihrem individuellen Tempo abhängt.
Bitte beachten Sie, dass sich die Ticketpreise aufgrund von Währungsschwankungen leicht ändern können.
Museen in der Umgebung vom The Golden Hinde
Die Golden Hinde, ein detailgetreuer Nachbau des berühmten Schiffes von Sir Francis Drake, vermittelt eindrucksvoll die Welt der Entdeckungsreisen des 16. Jahrhunderts. In der Umgebung entlang der Themse laden weitere Museen und kulturelle Einrichtungen dazu ein, Londons maritime Geschichte und ihre globalen Verbindungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu erkunden.
Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos
Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom The Golden Hinde in London.
Adresse
The Golden Hinde
St Mary Overie Dock
Cathedral Street
London SE1 9DE
Vereinigtes Königreich
Öffnungszeiten
- 01.11. – 31.03.
Montag bis Sonntag
10:00 – 17:00 Uhr - 01.04. – 31.10.
Samstag bis Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Kontakt
- Telefon:
+44 20 7 403 0123 - Website:
Zum Museum



